Kultur

Zeit, Kunst infrage zu stellen

08.06.2022 • 19:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Louise Lecavalier in der Performance "stations"                                        <span class="copyright">Andre Cornellier</span>
Louise Lecavalier in der Performance "stations" Andre Cornellier

Günter Marinelli widmet das tanz.ist Festival den künstlerischen Zugängen von Choreografinnen und Tänzerinnen und reagiert damit auf internationale feministische Trends.

Im internationalen Kontext habe sich in den letzten Jahren ein konservativer Schub auf die Kunst übertragen und zensurartige Situationen mit sich gebracht. So stünde die als überwunden geglaubte Übersexualisierung doch im Vordergrund, beschreibt der Intendant Günter Marinelli im Interview. Darauf reagiert er beim diesjährigen tanz.ist Festival mit dem Thema „The new wave of feminism – Die neue Welle des Feminismus“ und greift damit aktuelle feministische Trends auf.

Weibliche Sichtweisen

Um ein klares Zeichen zu setzen und den Weg der zeitgenössischen Choreografinnen aufzuzeigen, werden ausschließlich weibliche Choreografinnen und Tänzerinnen ihre künstlerischen Zugänge vermitteln. Dabei legt er den Fokus auch auf generationsüberschreitende Interpretationen und möchte auch die Geschichte miteinbeziehen.

In den 20er-Jahren mussten sich Choreografinnen wie beispielsweise Marta Graham oder Josefine Baker unter sehr schwierigen Umständen durchsetzen. Während junge Tänzerinnen mit einem Selbstverständnis unsere gegenwärtige Zeit reflektieren, kennen ältere die Abläufe verschiedener Entwicklungen. Wie Figuren von berühmten Tänzerinnen auch Einfluss auf Choreografien von heute nehmen, wird beim Festival filmisch, über die Installationen und auch in den Hauptaufführungen widergespiegelt.

Die Leben der Tänzerinnen

Rosa von Praunheim hat im Film „Anita – Tänze des Lasters“ das Leben einer der ersten Nackttänzerinnen Anita Berber in den 20er-Jahren aufgearbeitet. Der biografische Film „Louise Lecavalier: In Motion“ erzählt die inspirierende Geschichte über eine unbändige Künstlerin und Tanzikone, die zusammen mit dem Choreografen Édouard Lock den zeitgenössischen Tanz in den 1980er-Jahren revolutionierte. „The Co(te)lette Film“ behandelt Konzept und Choreografie von der Belgierin Ann Van den Broek, in dem Sexismus im Vordergrund steht. Die Installation auf der Spielboden Galerie wurde zehn ­bedeutenden Choreografinnen und deren Auswirkungen gewidmet.

Mannès, Turine und Lemaître in "Forces"                                           <span class="copyright">Laetitia Bica</span>
Mannès, Turine und Lemaître in "Forces" Laetitia Bica

Feminismus im Tanz

In einer Zeit, in der wieder angefangen wird, Kunst infrage zu stellen, setzen sich im feministischen Trend Choreografinnen mit ihren Ideen und Anliegen durch. In der Performance „Forces“ interpretieren drei Tänzerinnen ein Tanzritual, bei dem die weibliche Kraft aus der Körperenergie heraufbeschwört wird und kriegerische Rituale der Amazonen behandelt werden. Dazu wird es eine Soundkulisse und spezielle Lichtinstallationen geben. Die junge Formation aus Belgien kann erstmals in Österreich erlebt werden.


In „I-Clit“ setzt sich Mercedes Dassy sehr intensiv mit Werbung und Sexualität auseinander, wobei Feminismus nicht als Propaganda, sondern als sozialer Anspruch verstanden wird. In ihrem Tanz-Solo kämpft sich Dassy durch verschiedene zeitgenössische Trends und Bewegungen auf der Suche nach dem Recht auf Gleichberechtigung der Geschlechter.

„Stations“ ist die neueste Produktion des Weltstars im Tanz Louise Lecavalier. In ihrer Performance durchlebt sie die Lebensstationen und verkörpert den Tanz als pure Energie. Es geht vor allem ums Innenleben und körperliche Grenzüberschreitungen.


Infos und Termine: www.tanzist.at