Kultur

Vier Skulpturen im Kunstraum Dornbirn

15.06.2022 • 19:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Arbeiten von Monika Sosnowska sind im Sommer im Kunstraum zu sehen.    <span class="copyright">Klaus Hartinger </span>
Arbeiten von Monika Sosnowska sind im Sommer im Kunstraum zu sehen. Klaus Hartinger

Heute wird die Ausstellung „Fatigue“ der polnischen Künstlerin Monika Sosnowska eröffnet.

Nachdem der Kunstraum Dornbirn bei der letzten Ausstellung komplett abgedunkelt war, darf nun wieder Licht durch die Fenster in die alte Montagehalle. Dort sind nun vier Stahlskulpturen der polnischen Künstlerin Monika Sosnowska zu sehen, die in einen spannenden Dialog mit der rauen, rohen Architektur des Raumes treten. „Fatigue“, Ermüdung, ist der Titel der Schau, der sich auch ganz konkret auf Materialermüdung bezieht, erklärt Kunstraum-Leiter und Kurator Thomas Häusle.

Die knapp 1300 Kilo schwere "Facade".    <span class="copyright">Hartinger</span>
Die knapp 1300 Kilo schwere "Facade". Hartinger

Zentrales Werk der Ausstellung ist die Arbeit „Facade“, ein riesiges, von der Decke hängendes, schwarzlackiertes Metallgerippe. Seinen Ursprung hat diese Arbeit in der Glasmetallfassade einer zu Kommunismus-Zeiten legendären polnischen Kunstgalerie, die 2011 abgebrochen wurde. Die Künstlerin ließ die Stahlkonstruktion maßstabgerecht nachbauen, um sie anschließend zu verformen. Nun wiegt das Teil knapp 1300 Kilo, wirkt aber, wie es da wie ein Tuch hängt, sehr leicht.

Leiter und Kurator Thomas Häusle, links das Werk "Rebar 16".  <span class="copyright">Hartinger</span>
Leiter und Kurator Thomas Häusle, links das Werk "Rebar 16". Hartinger

Architektur, Transformation – auch gesellschaftspolitischer Natur – sind die Themen, mit denen die 1972 geborene und zweifache Biennale-von-Venedig-Teilnehmerin Monika Sosnowska in ihren Skulpturen und Installationen arbeitet. Durch Transformation nimmt sie Objekten ihre Funktionalität und macht sie so zu Kunstwerken. Zugleich veranschaulicht sie damit auch Veränderungs- und Wandlungsprozesse.

Wie ein riesiger zerrissener weißer Papierstreifen wirkt eine andere Arbeit („Pipe“), die ursprünglich ein Abwasserrohr war. Auch ihr sieht man die rund 600 Kilo nicht an. Irritierend ist „T“, ein Werk, das an der Wand befestigt ist und das auf den ersten Blick auch ein Teil der Architektur der Halle sein könnte. Dabei handelt es sich um einen sogenannten T-Träger, einem tragenden Bauelement, das durch Verbiegen eine L-Form erhalten hat.

Detail der Arbeit "Pipe".    <span class="copyright">Hartinger</span>
Detail der Arbeit "Pipe". Hartinger

Die Inspiration für die vierte Arbeit – „Rebar 16“ – hat die Künstlerin in Dakar im Senegal erhalten, erzählt Häusle. Dort gibt es eine Vielzahl an unfertigen Häusern, aus denen die Animierstäbe noch herausstehen. Ein Bündel dieser schwarzlackierten Bewehrungsstäbe lässt die Künstlerin nun aus einer Wand des Kunstraums herausragen, als ob die Mauer die Stahlstreben ausspucken würde. Ein faszinierendes Schauspiel – und so wie die andren Skulpturen nicht ohne Witz und Ironie.

Scheinbare Leichtigkeit

Es ist die scheinbare Leichtigkeit, die bei zumindest drei der vier Objekte hervorsticht – eine Leichtigkeit, die durch das Material bzw. das reale Gewicht konterkariert wird. Häusle spricht auch von einer „reflektierten Einfachheit“, die unaufdringlich, aber sehr wirkungsvoll sei. Die Werke sind allerdings das Ergebnis eines extrem aufwändigen Prozesses nicht nur der Verarbeitung, der wesentlich zur endgültigen Ausformung beiträgt. Ausgehend von einer Idee baut Sosnowska Modelle. Bei der Umsetzung wird dann versucht, diesen Modellen möglichst nahe zu kommen. „Das endgültige Werk ist aber letztlich entscheidend von den technischen Möglich

Monika Sosnowska, die in Warschau lebt und arbeitet, war beim gestrigen Pressegespräch nicht anwesend. Für sie müsse das Werk eine Qualität erreichen, die für sich spricht, erläuterte der Kurator dazu. Zudem komme auch hier der Transformationsgedanke zum Tragen: Die Aussage des Werks soll und wird sich mit der Zeit ändern. Daher möchte die Künstlerin auch keine Interpretation vorgeben, sondern diese der jeweiligen Betrachterin, dem jeweiligen Betrachter überlassen.

Stimmige Installation

Die vier nun in Kunstraum zu sehenden Skulpturen sind zwischen 2013 und 2020 entstanden und wurden schon mehrfach präsentiert. Aber laut Künstlerin „wahrscheinlich noch nie so stimmig“ wie jetzt in der alten Montagehalle, erzählte Häusle. Apropos stimmig: In den ehemaligen Rüschwerken, in den sich der Kunstraum befindet, gab es jahrzehntelang eine Maschinenfabrik und eine Eisengießerei – das ist zwar für die Kunstwerke nicht relevant, aber trotzdem eine schöne Verbindung zu den nun ausgestellten transformierten Metallobjekten.

ErEröffnung „Fatigue“ von Monika Sosnowska: heute, 19 Uhr, Kunstraum Dornbirn. Bis 30. Oktober, täglich von 10 bis 18 Uhr. www.kunstraum.dornbirn.at.