Kultur

Der perfekte Lesespaß für den Sommer

29.07.2022 • 19:32 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
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Sommertipps für Leseratten. Shutterstock

Krimi, Fantasy, Klassiker: Die NEUE-Redaktion präsentiert ihre ­Lieblingsbücher.

Eine Vision von morgen

Für Desfred ist jeder Tag wie der Tag zuvor. In „Ein Report der Magd“ (Original: The Handmaid’s Tale) wird man hineingezogen in die erschreckende Welt des totalitären Staates „Gilead“, in dem Frauen jegliche Rechte verlieren. Ein System, das aus strengen Regeln und dauernder Überwachung besteht. Spannend und behutsam wird aus der Sicht der Magd Desfred erzählt, wie sie sich Schritt für Schritt in ihr neues Leben als Gebärmaschine einfügt und ihre Selbstbestimmung verliert. Trotzdem bleibt die Erinnerung an glückliche Tage. Faszinierend wird beschrieben, wie scheinbar normale Dinge des Lebens plötzlich zum Tabu ­werden können und ­religiöse Fantasien auf irrationale Weise den Alltag bestimmen. Stückchenweise eröffnen sich die Hintergründe der Macht. Die Autorin Margaret Atwood hat in dem Roman eine absurde dystopische Vision unserer Welt erschaffen, die doch an der Wirklichkeit nicht vorbeigeht und aktueller denn je zu sein scheint, wenn man an das kürzlich beschlossene Abtreibungsgesetz der USA denkt.

Sieglinde Wöhrer

Der perfekte Lesespaß für den Sommer

Wenn Bücher lesen strafbar ist

Die Geschichte des dystopischen Romans „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury ist vielleicht der größte Albtraum jedes Bücherwurms, denn bei 451 Grad Fahrenheit fängt das Papier an zu brennen.
Obwohl das Buch erstmals im Jahr 1953 erschienen ist, ist es dennoch eine spannende und zeitgenössische Geschichte, die einem die Neugier beim Lesen weckt.

Das Werk schildert einen Staat, in dem es verboten ist, Bücher zu besitzen und natürlich zu lesen. Beides wird scharf bestraft, indem man die Bücher und das Haus des jeweiligen niederbrennt. Dafür ist die sogenannte Feuerwehr zuständig, für die der Protagonist Guy Montag tätig ist. Man begleitet Montag auf seinem Weg, wie er versucht, der Propaganda und Manipulation des Staates zu entkommen und gleichzeitig seinen eigenen Willen zu entwickeln.

Petra Milosavljevic

Der perfekte Lesespaß für den Sommer

Entschleunigt morden

Ein Mord, Achtsamkeit und ein langweiliger Jurist, der versucht, seine Finanzen und Ehe zu retten. Was sich zuerst wie eine ungewöhnliche Kombination anhört, entpuppt sich als erfrischende Erzählung. Der flüssige und lockere Schreibstil lädt dazu ein, das Buch in einem Zug durchzulesen. Autor Karsten Dusse hat mit „Achtsam morden“ Achtsamkeitsratgeber und Krimi fusioniert. Gepaart mit schwarzem Humor gibt das eine unterhaltsame, aber auch informative Mischung. Die Hauptfigur Björn Diemel ist wie Dusse selbst Jurist. Diemel wird von seiner Frau gezwungen, einen Achtsamkeits-Coach aufzuzusuchen. Dadurch soll er seine Work-Life-Balance wieder ins Gleichgewicht bringen und ein besserer Vater werden. Er wendet das Gelernte schon bald an – jedoch bei einem Mord. Ein achtsamer Mord.

Laura Schwärzler

Der perfekte Lesespaß für den Sommer

Von Wörtern besessen

“Seit ich auf der Welt bin, heult meine Mutter. Sie heult, weil mein erstes Wort Wort war.“ Mit diesen Sätzen beginnt die 1993 in Bozen geborene Italienerin Maddalena Fingerle, die heute im Allgäu lebt, ihren vielfach ausgezeichneten Debütroman „Muttersprache“, der heuer vom Folio Verlag auf Deutsch veröffentlicht wurde. Ihr Ich-Erzähler heißt Paolo Prescher, kommt ebenfalls aus Bozen und tut sich schwer mit der „behaupteten“ Zweisprachigkeit im Land. Er flüchtet nach Berlin, wo er auf Mira trifft, die ihn versteht. Es geht um dreckige Wörter, Obsessionen, Sprachlosigkeit, Heuchelei, Wut, Verzweiflung und die Suche nach einer sauberen Sprache in einer furiosen Geschichte, bei der die Geburtsstadt von Ich-Erzähler und Autorin nicht gut wegkommt.

Brigitte Kompatscher

Der perfekte Lesespaß für den Sommer

Liebe, Sex und Weltgeschichte

Es ist kein Wunder, dass sich die UFA die Filmrechte an Florian Illies’ Buch „Liebe in Zeiten des Hasses“ schon vor Erscheinen desselben gesichert hat und eine Serie daraus machen will. In seinem detailreich recherchierten Bestseller schleicht sich der deutsche Autor in die Schlafzimmer prominenter Persönlichkeiten und Geistesgrößen. Er entwirft dabei in perfektionierter Collagen-Manier ein vielschichtiges Stimmungsbild der Jahre zwischen 1929 und 1939. Im Mittelpunkt steht die Liebe in all ihren Facetten. Und im letzten Schimmern der „Goldenen Zwanziger“ und dem Jahrzehnt, das mörderische Geschichte schrieb, wird in der Boheme in Berlin, Paris und Co. wild und verzweifelt gelebt, begehrt, betrogen und geliebt – ganz so, als gäbe es kein Morgen mehr. In verdichteten und geschmeidig erzählten Episoden begegnen wir unglaublich starken Frauen und gebrochenen Männern. Ein Who is Who mit viel Klatsch-und-Tratsch-Potenzial. Verstörend und faszinierend zugleich.

Jörg Stadler

Der perfekte Lesespaß für den Sommer

Eintauchen in die Fantasy-Welt

Am 2. September startet die neue Amazon-Serie „Die Ringe der Macht“, welches im „Herr der Ringe“-Universum von J.R.R. Tolkien spielt. Der perfekte Moment, um schon vorher in die Welt von Mittelerde einzutauchen. Wem dafür die „Herr der Ringe“-Trilogie zu sperrig ist, dem sei „Der Hobbit“ empfohlen. Das eigentlich für Kinder geschriebene Buch beschreibt die Reise des Hobbits Bilbo Beutlin zum Einsamen Berg, wo er als Meisterdieb helfen soll, einen vom Drachen Smaug gestohlenen Schatz zurückzuerobern. Ganz nebenbei wird auch erzählt, wie Bilbo in den Besitz „des einen Rings“ gerät, der in der „Herr der Ringe“-Trilogie die Hauptrolle spielt. Auch „Der Hobbit“ wurde von Regisseur Peter Jackson als Film-Trilogie verewigt. Die filmische Umsetzung bleibt dabei jedoch – im Gegensatz zum „Herr der Ringe“ deutlich hinter dem Buch zurück.

Michael Steinlechner

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