Kultur

Erste Privathochschule für Musik

02.08.2022 • 18:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Einblick in die Pressekonferenz. <span class="copyright">Hofmeister</span>
Einblick in die Pressekonferenz. Hofmeister

Das Vorarlberger Landeskonservatorium in Feldkirch wurde zur ersten Privathochschule Österreichs umgewandelt.

Das Vorarlberger Landeskonservatorium wurde zu einer Privathochschule für Musik weiterentwickelt. Die Genehmigung zur institutionellen Erstakkreditierung ist erfolgt. Der Bescheid wurde von der AQ, der österreichischen Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung in einem umfangreichen Verfahren bestellt. Darüber informierten gestern in einer Pressekonferenz in Feldkirch Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung Martin Polaschek und Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink.

Fehlende Musiklehrer

Polaschek sprach von einem Bedarf, den es im privaten Forschungs- und Lehrbereich für eine weitere Institution gibt. Wie er betonte, wird die neue Privathochschule das Angebot decken, um genügend Musiklehrkräfte im schulischen Bereich und für die Musikschulen ausbilden zu können, welche dringend gebraucht werden. Auch Schöbi-Fink sprach über die derzeit schwierige Personalsituation in Schulen, so gäbe es fast keine ausgebildeten Musiklehrer mehr. In wenigen Wochen wird der Studienbetrieb aufgenommen.
Die Anforderungen, die an eine solche Privathochschule gestellt werden, wurden laut internationalen Gutachtern erfüllt. Die neue Stella Vorarlberg Privathochschule für Musik soll zur Diversität beitragen und „weitere attraktive Ausbildungsmöglichkeiten schaffen“, sagte Polaschek. Der Schwerpunkt der Studiengänge richtet sich auf die Musikpädagogik.

Bildungsminister Martin Polaschek sprach über fehlende Musiklehrer.<span class="copyright">Hofmeister</span>
Bildungsminister Martin Polaschek sprach über fehlende Musiklehrer.Hofmeister

Angeboten werden für den künstlerisch-pädagogischen Bereich ein Bachelorstudiengang mit 120 Studienplätzen (Music Education & Music Performance) und ein Masterstudiengang (Music Education & Music Performance) mit 30 Studienplätzen. Für „die reinen Künstler“ wird ein Bachelorstudiengang (Music Performance) mit 36 Plätzen und ein darauf aufbauender Masterstudiengang (Music Performance & Career Development) mit 30 Plätzen angeboten. Mit letzterem will man Studierende darauf vorbereiten, als Musiker, Unternehmer oder Freischaffender Künstler tätig zu werden.
Für die Bezeichnungen der Studiengänge wurden englische Begriffe gewählt, „weil wir hier in einer internationalen Region sind“, so Ortwein. Durch die international anerkannten Studienabschlüsse ist ein Studium auch für internationale Studierende interessant.
1977 wurde das Landeskonservatorium gegründet und hat seitdem das kulturelle und gesellschaftliche Leben in der Region beeinflusst. Seit damals sei in Vorarlberg, was musikalische Initiativen angeht, viel passiert. Bereits seit 15 Jahren wird im Landeskonservatorium im universitären Niveau „gewirkt und studiert“, wie Schöbi-Fink sagt, denn seit der Kooperation mit dem Mozarteum Salzburg konnten auch akademische Zertifizierungen vergeben werden.

Jörg Maria Ortwein, Barbara Schöbi-Fink, Martin Polaschek und Peter Schmid in Feldkirch.<span class="copyright">Hofmeister</span>
Jörg Maria Ortwein, Barbara Schöbi-Fink, Martin Polaschek und Peter Schmid in Feldkirch.Hofmeister

Eigenständigkeit

Mit der erfolgten Akkreditierung kann das Studienangebot nun noch besser auf die regionalen Bedürfnisse und Wünsche ausgerichtet werden. Aufgrund der erreichten Eigenständigkeit kann in Zukunft auch in Kooperation mit der pädagogischen Hochschule Vorarlberg das Fach Musikerziehung im Lehramtsstudium angeboten werden. Zudem wird eine Konkurrenzfähigkeit erreicht, wenn es darum geht, hochqualifizierte Lehrende nach Vorarlberg zu holen.

Der eigentlich angestrebte Status einer Privatuniversität war im Februar 2021 gescheitert, weil Gutachter der AQA einige der Kriterien wie formale Studienbeschreibungen und die Anstellungsverfahren für die zukünftigen Professoren nicht erfüllt sahen. Die Möglichkeit zur Akkreditierung als Privathochschule wurde letztes Jahr mit einer entsprechenden Novelle des Privatuniversitätsgesetzes eröffnet.

Geleitet wird die neue Privathochschule für Musik vom bisherigen Direktor des Landeskonservatoriums Jörg Maria Ortwein. Der Geschäftsführer des Vorarlberger Landeskonservatoriums Peter Schmid wird künftiger Vizerektor und Geschäftsführer der Stella Vorarlberg Privathochschule für Musik. Das „Privat“ dabei bedeutet, dass nicht der Bund, sondern das Land die Finanzierung der Hochschule übernimmt. Wie Schmid betont, handle es sich bei der Hochschule „nach wie vor um eine gemeinnützige Einrichtung“. Die Studiengebühren bleiben unverändert.

Ortwein sieht die Ziele der Privathochschule in einer „echten Modularisierung“, einer „Studierendenzentrierung“ und einer weiteren Zusammenarbeit mit den Kultur- und Bildungsanbietern in der Praxis.