Kultur

Grandioser Auftakt der Schubertiade

23.08.2022 • 14:06 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Pavel-Haas-Quartett mit Boris Giltburg in Schwarzenberg. <span class="copyright">Schubertiade</span>
Das Pavel-Haas-Quartett mit Boris Giltburg in Schwarzenberg. Schubertiade

Das Pavel-Haas-Quartett mit Boris Giltburg und Christiane Karg mit Simon Lepper waren zum Auftakt des aktuellen Schubertiade-Zyklus in Schwarzenberg zu hören.

Einen herrlich musikantischen Einstieg in die Schubertiade-Woche in Schwarzenberg gestaltete das tschechische Pavel-Haas-Quartett am Samstagnachmittag gemeinsam mit dem 1984 in Moskau geborenen israelischen Pianisten Boris Giltburg. Am Abend überzeugte einmal mehr die Sopranistin Christiane Karg an der Seite des britischen Pianisten Simon Lepper mit einem anspruchsvollen Schubert-Programm.

Zunächst präsentierte sich nur das „halbe“ Pavel-Haas-Quartett, die Geigerin Veronika Jarušková und ihr Gatte Peter Jarušek am Cello, um mit Boris Giltburg, der sowohl solistisch als auch als Kammermusiker auftritt, im Trio zu spielen. Schuberts großes Es-Dur-Werk, ein Kernstück des Festivals, klang bei ihnen erstaunlich durchsichtig, schlank, flüssig in den Tempi, kontrastreich in der Dynamik.

Zum Cellosolo im langsamen Satz wählte Giltburg eine fast trocken pulsierende Begleitung, im spannenden Verlauf des Satzes entwickelte das intensiv kommunizierende Trio einen beklemmenden Schicksalston, reich an Steigerungen und Abbrüchen bis hin zu einem zuletzt fast gläsernen Klang. Reich an Farben und Varianten, bald lyrisch, bald dramatisch gefährlich brachte das Trio auch die verbleibenden Sätze zum Blühen.

Funkensprühende Interpretation

In Antonín Dvoráks Klavierquintett op. 81 übernahm der Landsmann Karel Untermüller mit einem wunderbar samtenen Ton die Bratsche, Marek Zwiebel war die einfühlsame zweite Geigenstimme an der Seite der Primaria. Mit dieser nun rein tschechischen Streicherbesetzung und dem souveränen Pianisten gelang eine funkensprühende, brausende, rubatofreudige Interpretation dieses beliebten Werks.

Immer wieder hat der Komponist hier Volkslieder und -Tänze eingeflochten, Giltburg und das Pavel-Haas-Quartett schufen höchst organische Übergänge zwischen lyrisch innigem Gesang und kraftvollem Rundtanz voller Lebensfreude. So ein Accelerando, wie es die fünf in der abschließenden Stretta da hinlegten, muss man sich erst mal trauen!

 Christiane Karg gab einen begeisternden Liederabend.<span class="copyright">Schubertiade</span>
Christiane Karg gab einen begeisternden Liederabend.Schubertiade

Glockenhell

Christiane Karg eröffnete am Abend mit ihrem glockenhell innigen Sopran, ihrer Textdeutlichkeit in allen Lagen, ihrem fein zurückgenommenen Pianozauber und ihrer klugen Gestaltung den Reigen der Liederabende, die bis zum kommenden Wochenende wieder das Festival prägen. Ihr erfahrener Klavierpartner Simon Lepper ist bei der Schubertiade bisher nur mit Mark Padmore im Markus-Sittikus-Saal in Hohenems aufgetreten, in Schwarzenberg war es sein Debüt.
Vielleicht war das der Grund, dass sein Spiel zunächst zwar fein gestaltet, doch sehr zurückhaltend gentlemanlike wirkte. Aus den ersten beiden Liedgruppen stachen „Die Rose“ nach Schlegel mit ihrem Silberklang, die kecken Vogelstimmen in „An die Nachtigall“ oder das zarte „Wiegenlied“ hervor.

Große Gestaltungskunst

Als abschließenden Höhepunkt des ersten Teils wählten Christiane Karg und Simon Lepper die von Friedrich von Schiller in 13 Strophen gefasste „Klage der Ceres“, die die Entführung ihrer Tochter Proserpina beklagt und zwischen rezitativischer und arioser Haltung wechselt. Allein sich in diese Bilder und Gestalten hineinzuleben, die Spannung über 15 Minuten aufzubauen und verschiedenste Emotionen zu spiegeln, ist eine Aufgabe, der sich die Sängerin und der Pianist mit großer Gestaltungskunst hingaben.

Im zweiten Teil des Konzerts erschufen sie mit „Der Zwerg“ in teils gespenstisch fahlen Klängen, dem tragischen Ton von „Wehmut“, der Dichte von „Die Mutter Erde“ oder „Der Tod und das Mädchen“ ein farbenreiches Spektrum. Zwei facettenreiche Minidramen, wieder nach Schiller, beendeten das offizielle Programm. Mit zwei Vertonungen von „Wanderers Nachtlied“, einmal natürlich von Schubert, einmal in der spätromantisch dichten Harmonik des ukrainischen Komponisten Valentin Silvestrov, der Anfang März mit seiner Familie nach Berlin geflohen ist. In großer Ruhe spannte Simon Lepper das lange Klaviernachspiel aus, während die Stimme der Sopranistin noch im Saal schwebte.

Von Katharina von Glasenapp