Kultur

Spiel mit Farben und Brüchen

23.08.2022 • 19:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die schwedische Mezzosopranistin tritt seit bald 30 Jahren bei der Schubertiade auf. <span class="copyright">Schubertiade</span>
Die schwedische Mezzosopranistin tritt seit bald 30 Jahren bei der Schubertiade auf. Schubertiade

Lieder von Franz Schubert und Adolf Fredrik Lindblad gab es von Anne Sofie von Otter bei der Schubertiade in Schwarzenberg.

Sie hat etwas wunderbar Entspanntes in ihrem Auftreten: Die schwedische Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter hat sich über Jahrzehnte die Qualität ihrer warm leuchtenden Stimme bewahrt, kann mit ihr spielen und weiß genau, was sie ihr abverlangen darf – gerade, wenn sie jetzt nicht mehr so geschmeidig anspricht wie früher.

Mit ihrem breiten Repertoire zwischen Barock und Moderne, mit ihrer schlanken Stimmführung und klugen Gestaltung hat sie auch die Schubertiade seit 1994 immer wieder bereichert. Nun war sie an der Seite des südafrikanischen Hammerklavier-Spezialisten Kristian Bezuidenhout zu Gast, der zwischen die Liedgruppen einzelne Solostücke setzte und dessen Instrument die Stimme der Sängerin wunderbar trägt und nicht zudeckt.

Ironischer Touch

Im ersten Lied „Der Einsame“ hatte der Pianist für die fast stoisch klopfende Begleitung ein schnarrendes Register gewählt, das der gemütlichen Idylle der „stillen Ländlichkeit“ einen gut passenden ironischen Touch gab und den auch die Sängerin charmant betonte. Sie spielt mit den Farben, auch mit den Brüchen, setzt den heiteren Blick auch im schaurigen „Geistertanz“ ein. „Der Tod und das Mädchen“ spiegelt dann vollendet die ängstliche Unruhe des Mädchens und die tröstliche Ruhe des Todes in großen Atembögen.
Kristian Bezuidenhout greift diese Stimmung mit dem sacht schwingenden a-Moll-Rondo KV 511 von Mozart auf, hat eine schöne Balance zwischen Melodien und Verzierungen und verdichtet die Empfindungen bei einem konstanten Tempomaß.

Ganz bei sich

Mit einer Liedgruppe ihres Landsmanns Adolf Fredrik Lindblad ist Anne Sofie von Otter, die auch so fein zu moderieren weiß, natürlich ganz bei sich: Die Themen der Lieder entsprechen denen der deutschen Romantik, kreisen um Natur, Liebe, ein zartes Wiegenlied oder die tragisch endende Schlittenfahrt eines Bräutigams, der im Eis einbricht.

In den drei Liedern der Mignon von Franz Schubert kommen die Erfahrung und Gestaltungskunst der Sängerin in großer Ruhe und Innigkeit zum Leuchten. Das feine Schwingen in der Romanze aus „Rosamunde“ trägt über den schwachen Text hinweg und das innere Leuchten erfüllt auch die Melancholie von „Nachtstück“ und „Taubenpost“. Gemeinsam mit den charaktervollen Schubert-Stücken in Bezuidenhouts farbiger Interpretation rundet sich der Liederabend zu einem feinsinnig harmonischen Ganzen.

Von Katharina von Glasenapp