Kultur

Von der großen Bürde der Schuberttexte

25.08.2022 • 18:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Programm barg für Julia Kleiter und André Schuen (rechts) so manche Hürden. <span class="copyright">Schubertiade</span>
Das Programm barg für Julia Kleiter und André Schuen (rechts) so manche Hürden. Schubertiade

Die Sopranistin Julia Kleiter und der Bariton André Schuen konnten am Mittwoch Nachmittag in Schwarzenberg nicht wirklich überzeugen.

Die Gesamtaufführung aller Schubertlieder in der Reihung durch den Komponisten, wie er sie für die Drucklegung vorbereitet hat, birgt auch für die Ausführenden manche Hürden. Zu spüren und zu hören war das selbst im gemeinsamen Liederabend der Sopranistin Julia Kleiter und des Baritons Andrè Schuen, die doch sonst beide für vollendete Liedkunst stehen und die von den warmen oder stetig pulsierende Klavierklängen von Daniel Heide getragen wurden.

Zwar schufen Kleiter mit Humor und Mimik und Schuen mit eher kernigem Zugriff in den abwechselnd vorgetragenen Refrain-Liedern op. 95 nach Johann Gabriel Seidl eine Art „Beziehungsgeschichte“. Doch zu ungleich ist in der zweiten Liedgruppe nach Schiller das Verhältnis zwischen der lyrischen „Andromache“ und dem tatendurstigen Helden in „Hektors Abschied“. Wärmer und zarter klingt Schuens „An Emma“, in ruhigen Bögen gestaltet Kleiter „Des Mädchens Klage“. Eine echte Herausforderung für inspirierte Textgestaltung sind die Lieder op. 106 nach Karoline Louise von Klenke und Karl Gottfried von Leitner: Da vernuschelt sogar Kleiter, die doch von der Sprachkultur ihres Onkels Christoph Prégardien geprägt ist, die Worte, zaubert dagegen mit Farben und Bögen ihrer Stimme.

Überzeugender

Mehr überzeugen können Kleiter und Schuen in den fünf Liedern nach Walter Scott mit den drei Gesängen der Ellen und den beiden Männerliedern: Über Heides schön gestalteten Klavierklängen mit Jagd- und Galopprhythmen singt die Sopranistin ihre lockenden, innigen, tröstenden Melodien, lässt die Stimme manchmal aufflammen oder nimmt sie zu feinstem Pianissimo zurück. Das berühmt gewordene „Ave Maria“ berührt in zart schimmernder Gestaltung.
Schuen schlägt dagegen die heldischeren und ritterlichen Töne an: Seine Interpretationen wirkten an diesem Nachmittag erstaunlich unrund, vielleicht hat er sich für den heutigen Liederabend mit Schubert, Mahler und Korngold geschont, den er dann hoffentlich ohne Noten singt – mit ihnen ist er automatisch unfrei und das ist schade bei diesem Publikumsliebling.

Von Katharina von Glasenapp

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