Kultur

Entdeckungen, Abschied und Feuerwerk

29.08.2022 • 20:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Diana Damrau und Xavier de Maistre in der Kombination von Gesang und Harfe (links) sowie André Schuen und Daniel Heide (oben) in Schwarzenberg. <span class="copyright">Schubertiade</span>
Diana Damrau und Xavier de Maistre in der Kombination von Gesang und Harfe (links) sowie André Schuen und Daniel Heide (oben) in Schwarzenberg. Schubertiade

Zweite Schubertiadewoche in Schwarzenberg ging am Sonntag zu Ende.

Bei herrlichem Spätsommerwetter waren an diesem für heuer letzten Schubertiade-Wochenende in Schwarzenberg auch das britische und niederländische Publikum, die das Festival so prägen, und die vielen Stammgäste aus dem deutschsprachigen Raum wieder zugegen.

Am Freitagnachmittag gestalteten der Bariton Andrè Schuen und sein Klavierpartner Daniel Heide wieder in vertrauter Meis­terschaft ein ungemein dichtes und dramaturgisch durchdachtes Programm „Lieder der Nacht und des Abschieds“. Dunkle Farben dominierten in den Liedgruppen von Schubert, Mahler und Korngold und doch wurde man innerhalb der brodelnden Bewegung oder dramatischen Erregung („Erlkönig“!) gefangen genommen von der Wärme und Sanftheit mancher Wendung.

Fülle und leichte Höhe

Nach dem brausenden „Lied von der Erde“ am Vorabend war nun der Mahler der „Kindertotenlieder“ zu hören, mit zartem Vor- und Nachspiel im Klavier, langen und ruhigen Atembögen oder einer fast tonlosen Verlorenheit in „Wenn dein Mütterlein“. Schuens Stimme entwickelt sich mächtig in der Fülle der tiefen Lage, bewahrt sich aber die leichte Höhe in der Kopfstimme.

In einer Auswahl von Korngold-Liedern waren zwei schwärmerisch aufgewühlte Eichendorff-Vertonungen des 14-jährigen Wunderkinds zu entdecken. Über dem harmonisch reichen Klaviersatz, der dank der Differenzierungskunst von Daniel Heide manchmal üppig, manchmal transparent schwebend erschien, spannte Schuen die komplex geführten Melodien. Eine melancholische, sanft aufgehellte Schubertgruppe beendete das so dichte Programm, bevor die Künstler mit „Morgen“ von Richard Strauss eine Wetterprognose wagten und Heides feines Tongespinst im Nachspiel das letzte Wort hatte.

Auflösung. Das Emerson String Quartet hat mit seinen Interpretationen auch die Schubertiade über Jahrzehnte mitgeprägt und war nun zum letzten Mal zu Gast, bevor es sich im Herbst kommenden Jahres nach 47 Jahren auflöst. Die beiden Geiger Eugene Drucker und Philip Setzer sind sogar noch Gründungsmitglieder in diesem langen Quartettleben und sie wechseln sich am ersten Pult ab.

Am Freitag erlebte man den Jüngsten des Ensembles, den Cellisten Paul Watkins, der seit 2013 bei den Emersons spielt, auch als Pianisten und Kammermusikpartner seiner Kollegen: Schuberts a-Moll-Sonatine gemeinsam mit Philip Setzer strömte im feinen Miteinander, mit dem Bratschisten Lawrence Dutton entfalteten sich in warmem Ton die silbrigen Linien der Arpeggione-Sonate. In Schuberts letztem Quartett in G-Dur D 887 entstand, nun mit Eugene Drucker am ersten Pult, jene Endzeitstimmung mit fahlen und schroffen Klängen, die alles bisher Geschaffene an Kühnheit übertrifft. Die lange Zusammenarbeit und Vertrautheit der vier Herren trugen natürlich Früchte in ihrer pulsierenden Interpretation.

Gesang und Harfe

Nur wenige Tage nach ihrem Liederabend bei den Salzburger Festspielen kehrten die Starsopranistin Diana Damrau und der Harfenist Xavier de Maistre auch bei der Schubertiade ein und bezauberten das Publikum mit ihrer ungewöhnlichen, aber stimmigen Verbindung von inniger Leuchtkraft, französischer Poesie, glitzernder Virtuosität und klangvoll beweglichem Fundament durch die Harfe.

Dabei wirkte die Schubertgruppe zu Beginn eher als ein sanftes Zugeständnis an das Fes­tival. Die französischen Klangfarben der Lieder von Gabriel Fauré und Claude Debussy entsprachen der schimmernden Stimme mit ihrer Wärme und Leichtigkeit in der Höhe viel mehr. In der abschließenden Gruppe mit Werken von Rossini zündete die Sängerin ein Feuerwerk zwitschernder und funkelnder Linien – hier ist sie zu Hause, das strahlt sie als Gesamtkunstwerk bis in die Fingerspitzen und den Augenaufschlag aus!

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