Kultur

Die Frage nach dem Alleinsein

30.08.2022 • 18:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der deutsche Autor und Journalist Daniel Schreiber (links) sprach mit Martin Pesl über das Alleinsein. <span class="copyright">Furxer</span>
Der deutsche Autor und Journalist Daniel Schreiber (links) sprach mit Martin Pesl über das Alleinsein. Furxer

Literatur, Kulinarik und Musik gab es zum Auftakt des FAQ Bregenzerwald in Alberschwende.

Wer das FAQ Bregenzerwald kennt, das mittlerweile in die siebte Auflage geht, der weiß, dass die Kulinarik einen großen Stellenwert hat. Am Eröffnungsabend wurden die Gäste in der ausverkauften Taube in Alberschwende von Haubenkoch Wolfgang Mätzler bekocht, der eine Liebstöckelsuppe mit Grießknödel als Vorspeise und Kalbsbäckle und Kalbshuft mit Spitzkrautgemüse und Serviettenschnitten auf den Teller brachte.

Wohlgenährt durch diese Leckerbissen konnte man dann dem Gespräch von Autor Daniel Schreiber und Moderator Martin Pesl lauschen. Mit seinem neuen Essaybuch „Allein“ trifft Schreiber einen wunden Punkt unserer Gesellschaft. Er stellt sich die Frage, wie ein Leben aussehen kann, dass nicht der Norm der romantischen Paarbeziehung entspricht. Erst habe er ein Buch über Freundschaft schreiben wollen, erläuterte er, aber dann sei er zum eigentlichen Thema gekommen, das ihn beschäftigt habe: „Was ist, wenn ich in meinem Leben alleine bleibe, keine Familie gründe und keine Kinder habe?“

Singles

Mit diesem Buch habe er bewusst versucht, die gesellschaftliche Selbstverständlichkeit der Paarbeziehung aufzubrechen, die längst keine mehr ist, so der Autor. In Österreich leben derzeit nämlich 1,8 Millionen Singles, das sind 29 Prozent der Bevölkerung (Quelle: orf.at, 4. Jänner 2022). Der 45-jährige Daniel Schreiber ist nach einem Leben in Beziehungen in diese Phase des Alleinseins mehr oder weniger gewollt hineingekommen, die für ihn gerade während der Pandemie sehr schmerzhaft gewesen sei.

Lösungsvorschläge oder Rezepte für ein gelingendes Leben als Single geben, war nicht das Anliegen an diesem Abend. Vielmehr stellte Schreiber den Zwiespalt aber auch die Zuversicht dar, die sich aus dieser Lebensform ergeben kann. Er wolle eine neue kulturelle Erzählung des Alleinlebens anstoßen, sagte er. Diese Erzählung kam bei den Passagen, die er aus seinem Buch vorlas, sehr gut zum Ausdruck. Mit viel Empathie und Wortwitz näherte er sich diesem doch schweren Thema.

Klangcollage

Die Jazzmusiker Martin Eberle (Kompost 3, Die Strottern, 5K HD, Gastmusiker bei 5/8erl in Ehr’n) auf der Trompete und Benny Omerzell (5K HD, Kompost 3 und andere) am Klavier nahmen nach dem Gespräch diesen Faden auf und begeisterten das Publikum mit einer 30-minütigen allumfassenden Klangcollage. Diese beiden Ausnahmemusiker, die mit Leichtigkeit zwischen Pop, Elektronik und Jazz wechseln können, übersetzten den Schmerz, der im Buch von Schreiber ausgedrückt wurde, in Töne. Aber auch die Hoffnung wurde leise angedeutet. Improvisation und fixe Klangmotive verschmolzen ineinander und bildeten einen fantastischen Abschluss dieses ereignisreichen Abends.
Daniel Schreiber ist mit seinen Büchern „Zuhause“ (2. September) und „Nüchtern“ (3. September) noch beim FAQ Bregenzerwald live zu erleben. Das Festival dauert noch bis 4. September.

www.faq-bregenzerwald.com

Von Daniel Furxer

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