Kultur

Zivilcourage und eine positive Richtung

01.03.2023 • 19:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ausschnitt aus „The Earth is Blue as an Orange“. <span class="copyright">Ali Jalilvand</span>
Ausschnitt aus „The Earth is Blue as an Orange“. Ali Jalilvand

In wenigen Tagen startet das siebte Human ­Vision Filmfestival im Spielboden Dornbirn ­unter dem Motto „Colours of Courage“

Vor mehr als sieben Jahren wurde das Human Vision Filmfestival im Spielboden Dornbirn gegründet. Am Samstag startet die siebte Ausgabe. Der Kerngedanke dahinter sei immer noch der gleiche: Aufzuzeigen, wo Menschenrechte und gemeinsame Werte verletzt und wo sie gewahrt bleiben, erklärt der Kurator Johny Ritter im Gespräch.

Starke Protagonisten

Ab Samstag werden die Menschenrechte an sieben Tagen mit einem umfassenden Film- und Rahmenprogramm gefeiert. Dabei soll ein Bewusstsein für Verletzungen und Probleme geschaffen werden. Ritter möchte durch das Festival Handlungsräume für persönliche Begegnungen ermöglichen, so würden sich Menschen unabhängig von ihrer politischen, sozialen oder ökonomischen Herkunft im Kino versammeln. Nicht nur die Filme, sondern auch weitere Erzählformate, wie beispielsweise der Bazar, die anschließenden Gespräche mit Regisseuren, Protagonisten und Experten sollen für die Menschenrechte sensibilisieren.

Heuer steht das Festival unter dem Motto „Colours of Courage“, weil sich in allen Filmen sehr starke Protagonisten finden, die für die Wahrung der Menschenrechte kämpfen. „Die Filme haben alle einen recht positiven Kern, trotz der schwierigen Situationen zeigen sich die Protagonistinnen und Protagonisten in den Filmen sehr zuversichtlich.“ Diese Stärke könne sich auch auf das Publikum übertragen, sagt Ritter.

Die Auswahl gestaltete sich schwierig. Große Richtlinien gab es nicht, am wichtigsten sei der Inhalt der Filme, und „dass sie emotional bewegen und sensibilisieren und die Emphatie gegenüber anderen stärken“. begründet Ritter. Das Medium Film habe für ihn persönlich etwas Magisches, weil „etwas Zweidimensionales wie ein Film – diese audivisuelle Erscheinung – die Menschen mitfühlen lässt“.

Ausschnitte aus  „Beyond the Wall“. <span class="copyright">Cat&amp;Docs</span>
Ausschnitte aus „Beyond the Wall“. Cat&Docs

Einzigartige Bildsprache

Im Premierenfilm am Sonntag werde die aktuelle Situation im Iran aber auch die – oft vergessene – psychische Gesundheit thematisiert. „Vor allem bei diesem Film ist die eindrückliche Bild- und Klangsprache einzigartig“, betont Ritter. Der iranische Spielfilm von Vahid Jalilvand wurde im September bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig uraufgeführt. Nach einer unerlaubten Demonstration flüchtet Leila und versteckt sich im Wohnhaus eines blinden Mannes (Ali), dessen Suizid vom Hausmeister noch verhindert wird. Nach und nach entwickelt Ali eine emotionale Bindung zu Leila.

Zum Eröffnungstag gibt es einen Bazar mit Info- und Verkaufsständen, so werde den Besuchern eine Erfahrung geboten, die über die Filme hinausgeht. Den Auftakt macht der Familienfilm „Im Himmel ist auch Platz für Mäuse“. In dem Stop-Motion-Abenteuer begegnen die Zuseher einer Maus und einem Fuchs, die nach einem unglücklichen Unfall im Tierhimmel zueinanderfinden. Abends schafft der Dokumentarfilm „The Earth is Blue as an Orange“ Einblicke in das von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägte Leben einer ostukrainischen Familie. Der Film begleitet eine Mutter und ihre vier Kinder, die versuchen, sich im Kriegsgebiet einen sicheren Hafen zu schaffen.

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Am Dienstag wird mit dem Film „Lass mich fliegen“ das Down-Syndrom in den Fokus gerückt. Vier Menschen werden dokumentarisch beim Erreichen ihrer Ziele begleitet. Das anschließende Gespräch mit einer inklusiven Moderation wird auch in Gebärdensprache übersetzt. Zum Weltfrauentag wird in „Sirens“ das Leben von fünf libanesischen Musikerinnen beleuchtet, deren Band von komplizierten Beziehungen zueinander, und den Auswirkungen des politischen Regimes gefährdet wird. Die Dokumentarfilme „Pongo Calling“ und „Shadow Game“ thematisieren die Diskriminierung einer Roma-Familie und die gefährliche Flucht eines Jugendlichen nach Europa. Zum Abschluss am 11. März wird in „Meat the Future“ die künstliche Fleischrevolution aus dem Labor präsentiert. In „Bigger than Us“ wird die 18-jährige Melati begleitet, die gegen die Plastikverschmutzung in ihrer Heimat Indonesien kämpft und dafür um die Welt reist.

Ausschnitt aus dem Film "Lass mich fliegen". <span class="copyright">Polyfilm Verleih</span>
Ausschnitt aus dem Film "Lass mich fliegen". Polyfilm Verleih

Persönlicher Austausch

Nach den Filmen ist das Publikum in Filmgesprächen eingeladen, zu den jeweiligen Themen in den Dialog zu treten. So können während der Festivalwoche tiefgehende Einblicke in die Vielfalt der Themen gewonnen werden und es gibt Raum für Diskussionen. Neben Ausstellungen und Workshops veranstaltet der Spielboden erstmals ein Pub-Quiz zu Menschenrechten. Prince Moussa Cissokho sorgt mit einer Verschmelzung von westafrikanischer Musik und Einflüssen aus Pop/Rock, Reggae, Hiphop, Funk und Soul für die Musik bei der abschließenden „This is Africa“-Party.

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