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„Aber verliebt in sie war ich schon“

Berührend und tragisch: Alfred Polgars Versuch einer Marlene-Dietrich-Biografie.

Beim Namen Alfred Polgar kannte selbst Marcel Reich-Ranicki keine Lobesgrenzen mehr. Als „Grandseigneur der deutschen Prosa“ würdigte er den bis heute in all seinem Esprit einzigartigen Meister der ganz großen kleinen Form. Und klein, formal gesehen, blieb auch Polgars nun erstmals veröffentlichter Versuch, der damals auf dem Weg zur weltberühmten Diva befindlichen Marlene Dietrich ein biografisches Denkmal zu setzen.

Nur knappe 70 Seiten umfasst die Ehrerbietung, deren wahrer, tragischer und berührender Wert sich aber erst bei genauerer Kenntnis der Hintergründe erschließt. 1927 wohnte Alfred Polgar in den Wiener Kammerspielen einem Stück namens „Broadway“ bei und geriet restlos ins Schwärmen. Keineswegs über die sonderbare Gangsterklamotte, sondern über „die zweite Dame von links“, deren Stern, so Polgar, damals „noch unterm Horizont“ stand. Ihr Name: Marlene Dietrich.

Eine einige Jahre währende Freundschaft folgte, aber letztlich auch das verzweifelte Bemühen, eine Bringschuld einzulösen. Polgar gelang es auf abenteuerlichsten Wegen vor den Nazis zu fliehen, er strandete in den USA, wo Marlene Dietrich bejubelt wurde. Durch Vermittlung eines Freundes ließ sie Polgar immer wieder Geld zukommen, er erbot sich, als Dank eine Biografie zu schreiben, die den „Blauen Engel“ längst nicht mehr interessierte. Polgar brachte sein Dilemma lakonisch auf den Punkt: „Wie macht man’s, ein Schnorrer zu sein und doch ein Gentleman zu bleiben?“

Als Biografie an sich ist das Werklein unergiebig, weil es nur ein Jahrzehnt umfasst und das exzessive Leben des Hollywood-Stars fast gänzlich ausspart, als Zeitdokument aber durch die ausführlichen Erläuterungen des Nachlass-Betreuers Ulrich Weinzierl im Nachwort unentbehrlich.

Zumal Polgar, der in seiner Huldigung brilliert wie selten, später eingestand: „Aber verliebt in sie war ich schon.“ Unter uns gesagt: Man merkt es schon. WERNER KRAUSE

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