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Edelweiss und Gagabalier

Auch die 87. Academy Awards sahen wieder strahlende Sieger und große Verlierer. Was uns am meisten überraschte außer schrillen Roben und flotten Unterhosen: Österreich stand auch im Fokus und durfte sich sogar über einen Oscar freuen.

THEMA-TEAM: UTE BAUMHACKL, WERNER KRAUSE, MICHAEL TSCHIDA

Soll noch einer sagen, Österreich wäre heuer bei den Oscars leer ausgegangen! Daniela Skala hat einen. Gut, sie muss ihn mit Frances Hannon & Mark Coulier und anderen teilen. Aber die Wienerin hatte in jenem Team mitgewirkt, das für die Frisuren und das Make-up in der köstlichen Komödie „Grand Budapest Hotel“ verantwortlich gewesen war und in Los Angeles dafür ausgezeichnet wurde. Die 44-jährige Mutter eines Sohnes, früher auch für den ORF und die Volksoper tätig, arbeitete vor der britisch-deutschen Filmkomödie von Wes Anderson, die auf insgesamt vier Oscars kam, auch schon für Größen wie Roland Emmerich, Michael Haneke, Lasse Hallström oder George Clooney.

Soll noch einer sagen, Österreich stand bei der Gala im Dolby Theatre nicht im Mittelpunkt! Scarlett Johansson erinnerte an „Sound of Music“, den heuer 50 Jahre alten Film, aus dem Amerikaner alles wissen, was sie über Österreich wissen müssen – also Land der Berge, Land des Yodeling et cetera. Und dann sang Lady Gaga, die kurz vor ihrem Aufbruch zur Nacht der Nächte noch Probleme mit dem Abflussrohr gehabt haben dürfte (nein, die knallroten Handschuhe waren schon toll!), auf der Bühne im stilisierten Birkenwäldchen ein Medley aus dem Musicalfilm: „Do Re Mi,“ „Climb Ev’ry Mountain“, „The Hills Are Alive“ und natürlich „Edelweiss“. Eh ganz sauber. Ein Dirndl hätte halt besser gepasst. Oder eine Lederhose. Quasi Lady Gagabalier. Eine so strahlende wie bejubelte Julie Andrews, im Oktober 80, dankte ihr herzlich für die Performance.

Würde in Unterhosen

Neil Patrick Harris begann stark und begrüßte augenzwinkernd „Hollywood’s whitest and brightest“ (ein Schlenker Richtung Rassismusvorwurf). Der Neo-Präsentator warf sich mit einem Zitat aus dem Oscar-Abräumer „Birdman“ zwischendurch in Unterhosen („Die Schauspielerei ist ein Beruf, der Würde ausstrahlt“) und hatte auch für die überraschende Wahl von „Citizenfour“ über Amerikas Staatsfeind Nr. 1 zum besten Dokumentarfilm einen Seitenhieb parat („Edward Snowden kann aus gewissen Gründen heute nicht hier sein“). Sonst aber trug Harris, obwohl effizient agierend, zu einem größtenteils ereignislosen und entsprechend faden Ablauf der Gala sein Scherflein bei.

Bei den Hauptdarstellern gab es mit den Gewinnern Julianne Moore und Eddie Redmayne keine Überraschungen. Es schmälert die Leistungen der beiden keineswegs, wenn man darauf hinweist, dass die Academy seit jeher von der Darstellung von Krankheiten und Handicaps begeistert ist. Moore zeigt in „Still Alice“ als Sprachwissenschaftlerin, die vom Alzheimer beschlichen wird, ihre ganze Kunst. Zuvor schon vier Mal nominiert, war die Freude der 54-Jährigen über die Oscar-Statue echt und riesengroß. Auch, weil sie laut Statistik das Leben eines jeden Preisträgers im Schnitt um fünf Jahre verlängern soll: „Mein Mann ist nämlich jünger als ich.“

Ein Mann im Glück

Der erst 33-jährige Brite Eddie Redmayne überzeugte die Jury im Drama „Die Entdeckung der Unendlichkeit“, das auf dem Leben Stephen Hawkings basiert. Der berühmte Physiker leidet ja an Amyotropher Lateralsklerose (ALS), einer degenerativen Erkrankung des motorischen Nervensystems. „Ich hatte sehr, sehr großes Glück“, dankte Redmayne, „und dieser Oscar gehört allen auf der Welt, die gegen ALS ankämpfen, er gehört Stephen und seinen Kindern, ich bin nur der Aufpasser auf diesen Preis.“

Ein Abend mit strahlenden Siegern kennt immer auch große Verlierer. Zu ihnen zählten diesmal trotz des Nebenrollen-Oscars für Patricia Arquette Richard Linklaters wundervolles Langzeitprojekt „Boyhood“ und Clint Eastwoods an den Kinokassen brillierender, aber heftig diskutierter Film „American Sniper“.

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