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Hollywood wird zu Neu-Mexiko

Mexikos „Beutezüge“ bei den Oscars dauern an. Im Vorjahr sorgte „Gravity“ für Furore, jetzt sorgt Alejandro González Iñárritu für furiose Höhenflüge.

Er macht nicht nur starke und doppelbödige Filme, er ist auch jederzeit für Emotionen und starke Worte zu haben. In allerletzter Minute griff der mexikanische Regisseur Alejandro González Iñárritu, dessen tiefschwarze Komödie „Birdman“ vier Oscars gewann (für den besten Film, die beste Regie, die beste Kamera und das beste Originaldrehbuch), bei der Gala im Dolby Theatre von L. A. nach der Dankesrede noch einmal zum Mikrofon und widmete seine Auszeichnungen auch den jungen Immigranten der USA: „Ich bete dafür, dass sie mit derselben Würde und demselben Respekt behandelt werden wie diejenigen, die vor ihnen kamen und diese unglaubliche Einwanderer-Nation aufgebaut haben.“ Es war der wohl eindringlichste Moment der gesamten Gala.

Und eindringlich sind auch die Filme, die Iñárritu schon zuvor zu Weltruhm verhalfen: „Amores Perros“, „21 Gramm“, „Babel“, „Biutiful“ – allesamt Meisterwerke, in denen der Regisseur mehrere Erzählstränge auf raffinierte und häufig himmeltraurige Weise verzahnt.

Oft sah sich der Filmemacher mit dem Vorwurf konfrontiert, er sei ein ausgefuchster Formalist. Eine Behauptung, die ihn in Rage versetzen kann. „Mir geht es um Gefühle. Wir leben in einer Zeit, in der die Emotionen wie betäubt sind. Um uns zu beschützen, verhärten wir oder reagieren mit Zynismen.“

Dass er sich nun mit „Birdman“ im weiten Feld der Komödie versuchte, sorgte schon im Vorfeld durchaus für Erstaunen. Und Iñárritu bekannte auch offen, dass ihm die Dreharbeiten erhebliche Ängste bescherten. Vielleicht trägt „Birdman“ ja auch deshalb den Untertitel „Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit“. Spekulation, mehr nicht.

Denn auch zum Thema Angst trifft der Oscar-Preisträger bildreiche Aussagen: „Angst ist das Kondom des Lebens. Damit kann man sich nicht so an den Dingen des Lebens freuen.“

Seine filmische Antwort darauf in „Birdman“ ist eine ausgelassene Emotionsschleuder, deren Fortsetzung wohl nicht lange auf sich warten lassen wird. Auf jeden Fall setzte Iñárritu die Dominanz mexikanischer Regisseure in Hollywood fort. Denn im Vorjahr nahm sein Landsmann Alfonso Cuarón den Goldjungen für sein Weltraum-Epos „Gravity“ in Empfang. Hollywood wird zu Neu-Mexiko. Schlecht? Kaum.

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