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Onkel Falco lässt grüßen

So exaltiert war Austro-Pop seit Falco nicht mehr. Heute erscheint „Schick Schock“ von Bilderbuch. Das Album soll den enormen Hype um die Band einlösen. Was mühelos gelingt.

UTE BAUMHACKL

Die Homepage des traditionsreichen Stiftsgymnasiums Kremsmünster gibt als prominenten Zögling nur den Dichter Adalbert Stifter an. Das Internetlexikon Wikipedia auch den Komponisten Franz Xaver Süßmayr, den Dichter Franz von Schober und den Architekten Otto Wagner. Weder da noch dort vermerkt finden sich vorerst die Mitglieder der Band Bilderbuch.

Dafür kommt derzeit kein Artikel über die Kapelle (siehe auch: dieser hier) ohne den Hinweis aus, dass sie an der oberösterreichischen Klosterschule gegründet wurde. Damals waren ihre Mitglieder zwischen 14 und 15 Jahre alt. In den ziemlich genau zehn Jahren seither hat sich das Quartett um seinen charismatischen Frontmann Maurice Ernst zum Liebkind sowohl des Publikums als auch der gestrengen Pop-Exegeten des deutschen Feuilletons entwickelt; das Album „Schick Schock“, das heute offiziell erscheint, wird reihum bejubelt, die nächsten Konzerte sind größtenteils ausverkauft.

Böllernde Gitarren

Erstaunlicherweise hält der Hype, was er verspricht. Die Band, die sich mit ihren beiden ersten Alben „Nelken & Schillinge“ und „Die Pest im Piemont“ die Anerkennung der Indie-Radiogemeinde erspielte, verändert auf „Schick Schock“ ihren beatlastigen Sound aus Pop, Hip-Hop, Post-Punk zu einer chartkompatiblen Mixtur aus böllernden Gitarren und treibenden Drums auf glänzendem Synthie-Parkett. Und serviert dazu in giftig bunten Videos deutsch-englische Texte, deren unverkrampfte Oberflächlichkeit sich bisweilen fast dadaistisch anhört: „Klemens und Andi haben Stress / Ich sage nichts. Ich mache less /Mit Lamborghini und dem richtigen Qi /Quit living on dreams, mein kleines Genie“ heißt es etwa im aktuellen Hit „Om“. Man darf sich da durchaus an Falco erinnert fühlen, insgesamt auch an Prince, die Red Hot Chili Peppers und Kanye West (mit dem Maurice Ernst übrigens die Leidenschaft für Autotune auf der Gesangsspur teilt).

Schon lange nicht mehr hat Popmusik so unverstellt den Hedonismus gefeiert wie bei der mittlerweile in Wien beheimateten Band. Eine reine Spaßpartie ist das Projekt aber keineswegs: „Wir haben jetzt diesen Zug nach vorne: ein fokussiertes Arbeiten, so wie man sich das wünscht“ betont Maurice Ernst ganz klosterschülerhaft in Interviews. Fokussiert arbeiten wird Bilderbuch in nächster Zeit vor allem auf Tournee, die am 11. März beginnt und deren Österreich-Termine bis Juni ausverkauft sind. Noch zu haben sind Karten für ein Arena-Open-Air in Wien (18. 6.) und für das Nuke-Festival in Graz (29. 8.).

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