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Juan Diego Flórez ist Peruaner, Österreicher, Spitzentenor, bei den Salzburger Festspielen im Einsatz, aber derzeit auch Heimwerker. VON LUIGI HEINRICH

Er ist mit dem Radl da. Der Herr Kammersänger (seit 2012) parkt es vor dem Sacher, ins dortige Café bringt er seine aktuelle CD „L’amour“ als Souvenir mit. Der Peruaner Juan Diego Flórez, 41, ist heute einer der internationalen Spitzentenöre, mittlerweile österreichischer Staatsbürger und Wahlwiener. Bei den Salzburger Festspielen wird er heuer mit Elina Garanča in „La Favorite“ mitwirken.

Ihre aktuelle Rolle, Herr Flórez?

JUAN DIEGO FLÓREZ: Heimwerker. Ich habe eben im vierten Wiener Gemeindebezirk, nicht allzu weit von der Staatsoper, eine neue, größere Wohnung bezogen. Und da lege ich echt Hand an. Bis zum Nägeleinschlagen.

Warum sind Sie Wahlwiener geworden?

FLÓREZ: Weil ich Wien und das hiesige Publikum liebe und weil es die ideale Stadt ist, meine zwei Kinder aufzuziehen. Das jüngste, ein Mädchen, ist erst ein paar Monate alt.

Wie haben Sie die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten?

FLÓREZ: Wegen meiner künstlerischen Verdienste. Wie Anna Netrebko. Auch habe ich hier meine Frau kennengelernt und sie vor sieben Jahren standesamtlich geheiratet. Die kirchliche Trauung, die international im Fernsehen übertragen wurde, haben wir in Lima nachgeholt. Ich habe auch noch einen peruanischen Pass.

Wie war das Kennenlernen?

FLÓREZ: Ich habe an der Staatsoper 2003 „La sonnambula“ gesungen, ging beim Bühneneingang raus, sie stand da, bat um ein Autogramm und ich bat um ihre Hand. Nein, so schnell ist es nicht gegangen, es hat schon ein bisschen gedauert.

Ihre Frau ist die Deutsche Julia Trappe, einst gefragtes Model, auch Schauspielerin und damals in Ausbildung als Koloratursopran.

FLÓREZ: Richtig, sie hat bereits in einem Film mitgewirkt und sie ist musikalisch sehr talentiert. Aber weil wir viel reisen, hat sie auf eine Karriere verzichtet. Ich habe sie zwar ermutigt, mit der Stimmausbildung weiterzumachen. Sie wollte aber nicht, hat erklärt, dass sie glücklicher ist, wenn sie unsere Kinder betreut.

Die Musik liegt Ihnen sozusagen im Blut. Ihr Vater Ruben ist einer der populärsten Pop- und Folksänger in Peru. Sie haben Ihre Weltkarriere faktisch als „Buberl“ gestartet. Wie hat das begonnen?

FLÓREZ: Mit einem Vorsingen in Bologna in meinen frühen Zwanzigern. Ich wurde nach Pesaro engagiert, dort fiel in „Matilde di Shabran“ zwei Wochen vor der Premiere der Tenor aus, voller Verzweiflung fragten sie mich: „Traust du dir das zu?“ Und ich antwortete frech: „Selbstverständlich!“ Ich ließ mir von einem Pianisten die Partie vorsingen, die Premiere kam, ich habe natürlich gezittert, doch alles, was dann geschah, war nicht von dieser Welt. Für mich öffneten sich überall die Türen.

Auch bei Riccardo Muti.

FLÓREZ: Er holte mich für Glucks „Armide“ an die Scala. Ich sollte erst in der zweiten Vorstellung singen. Bei den Proben änderte der Maestro seinen Plan. Er kam auf mich zu, tätschelte meine Wangen, sagte „Bravo! Bravo!“ und bei der Generalprobe teilte er mir mit, dass ich die Premiere singen würde.

Und Ihre erste Erfahrung mit Wien?

FLÓREZ: Ich begann hier mit dem „Barbier“, sollte ohne die schwierigste Arie „Cessa di piu resistere“ auftreten, weil sie auch an der Scala immer weggelassen wurde. Doch Direktor Ioan Holender blickte mir tief in die Augen und sagte: „Ich möchte, dass du sie singst.“ Ich lehnte ab, aber versuchen Sie einmal, einem Holender etwas abzulehnen. Kurzum: Er hat mich weichgeklopft. Mein Puls schnellte hoch, aber ich habe es geschafft und nachher war ich sehr glücklich. Denn ich muss zugeben: Ohne diese Arie ist die Partie irgendeine Rolle, mit ihr wird sie was Besonderes.

Eine spezielle Beziehung hatten Sie zu Luciano Pavarotti.

FLÓREZ: Aus irgendeinem Grund hatte er mich besonders ins Herz geschlossen. Er lud mich wiederholt in sein Haus ein, er erzählte, ich lauschte. Er hat mich auch eingeladen, wenn er Unterricht gab, und einmal auch zu einem Event in New York. Dafür hat man ihm viele junge Sänger angeboten, doch er ließ mich einfliegen, meinte: „Die will ich nicht. Ich will dich.“

Bei den Salzburger Festspielen treten Sie heuer in „La Favorite“ als Fernand auf.

FLÓREZ: Eine der wundervollsten Tenor-Partien. Sie wurde für den französischen Tenor Gilbert Duprez komponiert. Er war der erste Tenor, der das hohe C mit der wirklichen Stimme und nicht aus dem Falsetto sang.

Der Herr Flórez macht das auch.

FLÓREZ: Ja, macht er.

Noch ein paar Worte zu Ihrer letzten CD „L’amour“.

FLÓREZ: Der Titel sagt es ja schon, es geht ausschließlich um Liebe. Einige Arien sind mehr, einige weniger bekannt.

Was singen Sie unter der Dusche?

FLÓREZ: Meistens spanische und italienische Songs. Zum Beispiel so was wie „Volare“.

Man hat das Gefühl, Sie sind ein rundum glücklicher Mensch.

FLÓREZ: Das Gefühl täuscht nicht. Privat bin ich sowieso glücklich. Und beruflich habe ich den schönsten Job der Welt. Wenn man dazu überhaupt Job sagen darf.

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