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Schwingen in der Sonne

Bertrand Piccard, aus einer legendären Familie von Überfliegern stammend, plant einen neuen Meilenstein: Mit dem Sonnenflugzeug „Solar Impulse 2“ umrundet er ab 1. März in 13 Etappen die ganze Erde. VON NORBERT SWOBODA

Man muss ja unwillkürlich an die Sage von Dädalus und Ikarus denken: Wird Bertrand Piccard, Schweizer Ballonfahrerlegende, mit dem fragilen Fluggerät „Solar Impulse 2“ der Sonne zu nahe kommen und abstürzen?

Am 1. März soll es losgehen, just von Abu Dhabi weg, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Der riesige Motorsegler „Solar Impulse“ soll demonstrieren, dass man ohne einen einzigen Tropfen fossiler Brennstoffe die gesamte Welt umrunden kann. Als Energiequelle wird die Sonne genutzt, insgesamt 17.000 Kacheln an Solarzellen fangen während des Tages möglichst viele Sonnenstrahlen ein. Damit werden nicht nur die Propeller betrieben, sondern auch Batterien geladen. Mit bescheidenen 17,5 PS pro Triebwerk steigt die „Solare Impulse 2“ während des Tages dabei auf eine Höhe von rund 8500 Metern. Abwechselnd werden die beiden Piloten Piccard und André Borschberg im engen Cockpit Platz nehmen.

In der Nacht fehlt freilich die Sonnenenergie, und das Flugzeug, dessen enorme Spannweite von gut 70 Metern ihm gute Gleitfähigkeit gewährleistet, sinkt langsam ab. Bevor die Sonne aufgeht, befindet sich das Flugzeug auf etwa 1500 Meter Höhe.

Damit das funktioniert, ist ein gewaltiges Team von 50 Personen im Hintergrund notwendig. Schon der Start des Gerätes, das aus modernsten, leichten Materialien besteht, ist diffizil. Am Boden radeln Starthelfer mit und halten dabei das Fluggerät – kleinste Böen können den Sonnenflieger aus der Bahn werfen oder beschädigen.

Selbst in seinem ureigensten Element, der Luft, bleibt das futuristische Gerät verwundbar. Um die Energiebilanz nicht zu gefährden, sollte der Flugweg wolkenlos sein – Gewitter muss die „Solar Impulse 2“ ohnehin meiden. Die Geschwindigkeit des Luftschiffes ist eher bescheiden; es zuckelt im Tempo eines Kleinwagens dahin. Stärkerer Gegenwind muss daher vermieden werden. Deshalb sorgen Meteorologen am Boden dafür, dass die Mannschaft einen idealen Kurs wählt. Das Solarflugzeug der Nasa, Helios, stürzte 2003 vor Hawaii in den Pazifik, weil sich in Turbulenzen die Tragflächen zu zerstörerischen Schwingungen hochgeschaukelt hatten.

Kritisch sind die großen Etappen über die Weltozeane. Auf der längsten Teiletappe zwischen Nanjing in China und Hawaii verbleibt das Flugzeug fünf Tage und Nächte nonstop in der Luft. Zwar wird der Pilot von einem Autopiloten unterstützt, aber zum Ausrasten und Ausruhen ist die „Solar Impulse“ nicht wirklich gemacht. Mit einer Serie von kurzen „power naps“ soll der Pilot die vielen Stunden überstehen, ehe es zur Landung geht.

Das gesamte Unternehmen wird allerdings wochenlang dauern. Denn überall, wo Piccard und Borschberg hinkommen, wird es Tausende Bewunderer geben. Bereits bei den Vorgängermodellen, die durch Europa, Nordafrika, Nord- und Südamerika getourt sind, war die Aufmerksamkeit riesengroß. Das futuristische Design, die enorme Größe und Fragilität, die Lautlosigkeit begeisterten nicht nur Fliegerfans. Es erinnert – so zukunftsgerichtet das Design auch sein mag – doch eher an die Ära der Luftschiffe und Zeppeline als an eine Alternative für den heutigen kommerziellen Flugverkehr.

Davon kann auch keine Rede sein. Gerade am Beispiel der „Solar Impulse“ zeigt sich markant, wie sehr der Elektroantrieb hinter konventionellen Antrieben herhinkt. Die Energiedichte der Hochleistungsakkus beträgt eben nur ein Fünfzigstel von Kerosin. Eine Fluggeschwindigkeit von etwa 70 Stundenkilometern ist auch nicht konkurrenzfähig.

Das schert aber Bertrand Piccard genauso wenig, wie einst sein Vater und sein Großvater von Nützlichkeitserwägungen geleitet waren. Der Physiker und Erfinder Auguste Piccard (1884–1962) beschäftigte sich mit Stratosphärenforschung und erreichte mit dem Ballon Höhen von 16.000 Metern und 23.000 Metern. Dessen Sohn Auguste Piccard (1922–2008), der Vater von Bertrand, wurde Ozeanograph und erreichte mit einem Tauchboot die Rekordtiefe von knapp 11.000 Metern.

Bertrand Piccard selber gelang zusammen mit Brian Jones nach einem jahrelangen Wettstreit mit Milliardären wie Steve Fossett und Richard Branson 1999 die erste Nonstop-Umrundung der Erde mit einem Ballon.

Und jetzt? Vermessenheit wie einst Ikarus? Oh nein, das weist Piccard weit von sich: „Wir wollen Botschaften transportieren, wie wollen zeigen, was mit heutigen Technologien möglich ist.“

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