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Zum 87. Mal werden in der Nacht auf Montag in Los Angeles die Oscars verliehen. Film ab für Geschichte und Geschichten. von luigi heinrich

Zentimeter hoch und mehr als drei Kilo schwer, bestehend aus 92,5 Prozent Zinn und 7,5 Prozent Kupfer (ergibt Bronze), ein Überguss aus Kupfer, Nickel, Silber und schließlich aus 24-karätigem Gold. Ergibt ein Männlein, das heute Nacht zum 87. Mal das wichtigste der Welt sein wird. Sein Name: Oscar. Das heldenhafte Aussehen der Statue täuscht, denn kein Geringerer als Dustin Hoffman hatte seinerzeit nach genauer Analyse festgestellt, dass der „Oscar ein Mann ist, dem die Hoden und das halbe Hirn fehlen“. Nichtsdestotrotz bleibt er bei seinen Empfängern sehr begehrt.

Der Schauspieler Neil Patrick Harris, bekannt vor allem aus der Serie „How I Met Your Mother“, tritt im Dolby Theater in Los Angeles heuer als Moderator in die Fußstapfen seiner TV-Kollegin Ellen DeGeneres. Lampenfieber braucht er nicht zu haben, immerhin hat er schon Emmy und Tony Awards souverän über die Bühne gebracht.

Die Oscar-Verleihung ist natürlich Barometer für das gesamte Kinojahr, und jenes war nicht so wie die Jahre vorher. Hollywood ist in eine leichte Krise gerutscht und ging in seinen Produktionen sehr oft auf Nummer sicher, das bedeutete: Fortsetzung auf Fortsetzung. Dass Disney die Comic-Firma Marvel gekauft hat, erwies sich dabei für das Unternehmen als Goldgrube. Denn viele Figuren aus den Comics werden in neuen Abenteuern zusammengemixt und bringen Milliarden in die Kassen. Für den Oscar kommt derlei natürlich nicht infrage. Im Gegensatz zur Vergangenheit gab es 2014 keinen Film, der sich gleich für eine größere Anzahl von Männlein aufdrängte, und interessanterweise war es im vergangenen Jahr in Österreich auch kein Hollywoodspektakel, das die meisten Zuschauer in die Kinos lockte, sondern die gescheite französische Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ (aktueller Stand: 421.000 Besucher).

Also wird 2015 wohl unter einigen Produktionen „aufgeteilt“ werden, und da sind sogar Komödien („Grand Budapest Hotel“ und „Birdman“) gut im Rennen. Meistens galt jedoch: je trauriger ein Film, umso größer die Oscar-Chancen. Wenn sogar eine Hauptfigur stirbt, sind die Aussichten noch besser. Und wenn jemand gar einen Behinderten glaubhaft mimen konnte, war ihm fast automatisch eine Nominierung sicher. Daher Achtung auf die heurige Preisvergabe. Eddie Redmayne ist als schwerbehindertes Physikgenie Stephen Hawking im Rennen, Julianne Moore als Alzheimer-Kranke. Da wohl nicht zwei Darsteller aus dieser Ecke ausgezeichnet werden, dürfte Golden-Globe-Gewinner Redmayne auf der Strecke bleiben. Zu hoch sind die Gewinnchancen für Julianne Moore.

Eine Schande: das offensichtliche Nicht-zur-Kenntnis-Nehmen des grandiosen Maler-Porträts „Mr. Turner – Meister des Lichts“ (außer in Nebenkategorien). Altmeister Mike Leigh hätte sich eine Nominierung ebenso verdient wie Hauptdarsteller Timothy Spall.

Österreich darf diesmal nur zuschauen, wenn die Formel „And the Oscar goes to . . .“ gesprochen wird, denn Michael Haneke hat 2014 kein neues Opus abgeliefert und Christoph Waltz ist eh schon verwöhnt genug.

Zurück zum Männlein: Ein Oscar darf nicht verkauft, sondern höchstens zurückgegeben – oder verschenkt – werden. Letzteres hat Shelley Winters praktiziert, als sie 1959 für die beste weibliche Nebenrolle in „The Diary of Anne Frank“ ausgezeichnet wurde. Sie vermachte die Trophäe dem Anne-Frank-Museum in Amsterdam. Ein berühmter Verweigerer war George C. Scott („Patton“). Seine Begründung: „Das Leben ist kein Wettrennen, ich betrachte mich daher auch nicht als Konkurrent meiner Kollegen, was Auszeichnungen oder Anerkennung betrifft.“ Marlon Brando machte einmal gar eine Show aus der Preisverleihung, indem er eine Indianerin namens Sacheen Littlefeather auf die Bühne schickte, die Hollywood in einer flammenden Rede der Indianerfeindlichkeit bezichtigte. Später stellte sich heraus: Das Mädchen war eine Schauspielerin und ehemalige Miss Bikini. Und Woody Allen drückt sich seit jeher ums Dabeisein, seine Oscars mussten ihm stets per Post zugestellt werden. Verschmitzt wie immer erklärt er: „Wenn man sieht, wer diese Männlein gewinnt und wer sie nicht gewinnt, merkt man schnell, wie bedeutungslos sie sind.“

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