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Das letzte große Abenteuer

Das Wettrennen zum Mars ist in vollem Gang. Welche Projekte die besten Chancen haben und warum man vorher einen Asteroiden fangen muss. von susanne rakowitz

Entdecken, erforschen, Grenzen ausloten. Der Mensch und seine Sehnsucht, immer noch einen Schritt weiter zu gehen. Sie verführt ihn, sie treibt ihn und sie quält ihn bis zur Höchstleistung. Doch damit ist bald Schluss: Der höchste Berg bestiegen, der tiefste Meeresgraben befahren, sogar in die Arktis fährt man mittlerweile mit dem Kreuzfahrtschiff. Wohin die Zeiten, als große Entdecker wie Amundsen und Humboldt wagemutig von einem Abenteuer ins nächste stolperten? Die Erde hat als Abenteuerspielplatz ausgedient. Jetzt also der Mars.

Aus heiterem Himmel kommt der Wunsch nicht: Die Eroberung des Roten Planeten steht bei allen Weltraumagenturen als Dauerbrenner auf der Wunschliste. Ausgerechnet eine private Stiftung aus den Niederlanden macht mit dem Projekt „Mars One“ der Nasa und anderen potenziellen Mars-Interessierten Konkurrenz. Eine Kampfansage wie ein Meteoriteneinschlag.

Bereits 2025 soll mit der Besiedelung des Mars begonnen werden. Für die Mission ohne Rückflugticket haben sich 200.000 Menschen beworben, ein Österreicher hat es unter die Top 100 geschafft. Die Heimat der Neo-Abenteurer verspricht zumindest die Idealversion einer Grenzerfahrung: Wer die neunmonatige Reise in der Schwerelosigkeit übersteht, darf sich auf Temperaturen zwischen minus 130 und plus 27 Grad Celsius freuen. Wer sich auf Arbeit, Sport und Spiel im Freien einstellt, muss mit gewaltigen Stürmen mit bis zu 400 Stundenkilometern rechnen. Ohnehin eignet sich der Eisenoxid-Staub weniger gut für ausgedehnte Wanderungen – nicht zu vergessen, das kleine Problem mit der Sauerstoffversorgung.

Keine Chance auf Erfolg

Geht es nach Wolfgang Baumjohann, einem der führenden Weltraumforscher des Landes, können sich die „Mars One“-Teilnehmer das aufkommende Lampenfieber ohnehin sparen: „Das Projekt ist absolut unrealistisch.“ Zwar würde es auf diesem Sektor nicht an der vorhandenen Technologie fehlen, so Baumjohann, jedoch sei es an der Zeit, sie für das Projekt weiterzuentwickeln. Nicht zuletzt ist die bemannte Raumfahrt eine fliegende Geldvernichtungsmaschine – schon 1989 wurden die Kosten für eine Mars-Mission unter der Initiative des damaligen US-Präsidenten George H. W. Bush mit 400 Milliarden Dollar veranschlagt. Eine gigantische Summe, die sich auch nach Baumjohanns Einschätzung nicht verändert hat. Ob „Mars One“, die auf ihrer Website um Spenden bitten, diese Summe zur Verfügung hat, ist fraglich. Hätten sie das Geld, müssten sie umgehend auf große Shoppingtour gehen, um ihr Zeitfenster zu schaffen: eine Raumkapsel, eine Rakete und ein Transportsystem, um Lasten auf den Mars zu bringen. Dass es diese Technologie nicht im Space-Supermarkt um die Ecke gibt, sieht man an der amerikanischen Mars-Mission. Nach jahrelanger Intensivforschung ist die Nasa im Besitz eines Erstmodells einer geeigneten Raumkapsel plus dazugehöriger Rakete – und doch kann die Nasa frühestens im Jahr 2035 mit Menschen zum Mars starten – also ein Jahrzehnt nach dem anvisierten Start von „Mars One.“

Das Rennen ist eröffnet

Auch Baumjohann sieht die Nasa bei der bemannten Mars-Mission in der Poleposition: „Die Nasa ist sicherlich die Weltraumagentur – vorausgesetzt sie investiert das Geld –, die das Rennen machen könnte.“ Der Direktor des Instituts für Weltraumforschung bringt einen ernst zu nehmenden Konkurrenten ins Spiel: „Die Chinesen wollen 2050 auf den Mars fliegen. Technologisch gesehen haben sie in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht.“ Europa hätte zwar die Technologie, hier scheitere es jedoch an der finanziellen Bereitschaft. Die Nasa ist in Sachen Mars-Mission mit Warp-Geschwindigkeit unterwegs: Nach dem erfolgreichen Test der Raumkapsel „Orion“ im Dezember, brechen Ende März zwei Astronauten zum bislang längsten Aufenthalt auf der Raumstation ISS auf. Erforscht wird, wie sich der Daueraufenthalt in der Schwerelosigkeit auf Körper und Geist auswirkt – die Erkenntnisse dienen vor allem der Mars-Mission.

Richtig spektakulär wird es in fünf Jahren bei der geplanten Asteroiden-Mission, die sehr nach Science-Fiction klingt, aber bereits auf Schiene ist: Mithilfe eines Raumschiffs wird ein Asteroid „eingefangen“ und in eine Umlaufbahn des Mondes gebracht, die Raumkapsel „Orion“ soll darauf landen. Das Vorhaben soll nicht nur Know-how für die Mars-Mission liefern, sondern künftig dabei helfen, die für die Erde gefährlichen Asteroiden „umleiten“ zu können. Wie man einen Asteroiden fängt, daran wird gerade getüftelt – für die Nasa ist das keine große Sache: „Wir tun Dinge, die noch nie jemand zuvor getan hat. Das ist unsere Spezialität“, so Nasa-Chef Charles Bolden. Möge die Macht mit ihnen sein.

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