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Hammer. Amboss und Steigbügel

Für eine vornehme Gangart: Jakob Hofer ist Hufschmied im Bundesgestüt Piber und somit quasi der Orthopäde in der Gehschule der Spanischen Hofreitschule. VON CARMEN OSTER

Jakob Hofer genießt in Piber vollstes Pferdtrauen. Bestes Beispiel: Lipizzanerstute Caprietta. Sie lässt das Prozedere samt Sohlesäubern sowie Tragrandkürzen mit einem erhobenen Bein und stoischer Gelassenheit über sich ergehen. Was bei vornehmen Damen die Pediküre, das ist im Bundesgestüt Piber, in der weststeirischen Gehschule der Spanischen Hofreitschule, die Hufpflege.

Denn da packt Hufschmied Jakob Hofer ein kleines Arbeitswagerl, „meinen Ferrari“, und rollt zu seinen Kunden – 260 an der Zahl – in Stall und Box, um deren Hufe zu pflegen, sie zu beschlagen oder Hufeisen neu anzupassen. Dabei ist der Beruf des Hufschmieds dem des Orthopäden gar nicht so unähnlich. „Man sieht sich an, wie das Pferd geht und was vielleicht korrigiert gehört. Mit dem Eisen kann man dann Fehlstellungen der Beine korrigieren. Meistens werden Kutschen- und Reitpferde beschlagen“, sagt der 28-jährige Hufschmied mit dem – no na net – festen Händedruck zuvor in der Schauschmiede neben Werkzeug und Amboss.

Wenig später schon treffen den Amboss die schweren Hammerschläge des Schmieds und formen ein glühend rotes Eisenstück so lange, bis es sich nach und nach geschlagen gibt und langsam die Form eines grauen Us annimmt. Immer und immer wieder hält Hofer das Eisen über die züngelnden Flammen und justiert mit kurzen, festen Hammerschlägen nach, bis es schließlich seine endgültige symmetrische Form annimmt.

Ein U samt Huffalz, in der mit dem „Dorn“ die Löcher für die Hufnägel eingeschlagen werden, mit denen das Eisen später am Huf befestigt wird. Dazu wird es noch am oberen Rand mit der „Zehenkappe“ versehen, für besseren Halt. „Früher sind die Eisen immer extra gemacht worden. Heute kaufen wir fertige und passen sie individuell an das Pferd an“, erzählt Hofer, während er das Eisen mit dem Hammer traktiert. „Das dauert schon, bis man das in der Schule im Griff hat.“ Mittlerweile nimmt der Hufschmied bei den Pferden nur noch Augenmaß und passt die Eisen aus dem Gedächtnis an.

A-Klasse-Pferde

Pferde, Eisen, Feuer, so sieht Hofers Arbeitstag aus, der um sieben Uhr startet und um 16 Uhr endet. Seit insgesamt fünf Jahren arbeitet der gelernte Schlosser nun in dem Gestüt, seit drei Jahren ist er einer von zwei Hufschmieden, die sich um die Hufe der zukünftigen A-Klasse-Pferde kümmern. Und der Gang ist für die Lipizzaner nicht bloß Visitenkarte, sondern auch mitentscheidend bei der endgültigen „Musterung“ für ein Ticket in die Spanische Hofreitschule.

Der Hufschmied sieht die Arbeit mit dem österreichischen Nationalheiligtum aber gelassen. „Mir geht es gar nicht so darum, dass es Lipizzaner sind. Mir geht es um die Arbeit mit den Tieren. Ich mag das ganze Spektrum. Mein Opa hatte schon immer Pferde. Ich erlebe hier immer wieder Neues, das macht mich zufrieden.“ Nicht umsonst sind Hufeisen seit jeher ein Glückssymbol. „Man sollte es übrigens immer mit der Öffnung nach oben aufhängen, damit das Glück auch ja nicht ausrinnt. Das sagt man zumindest immer so“, meint der Hufschmied lachend.

Caprietta jedenfalls wird Jakob Hofer in Zukunft nicht mehr betreuen. Die siebenjährige Stute wurde als Freizeitpferd nach Holland verkauft, da aus ihrer Linie genügend Stammhalter vorhanden sind. Man sieht, Lipizzaner sind in aller Welt begehrt, genießen sie doch einen überaus guten Huf, äh Ruf.

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