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“Oh Gott, es gehört so vieles geändert”

27.03.2021 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ronals Stefani ist seit 2010 Pfarrer in Feldkirch-Altenstadt. <span class="copyright">Hartinger</span>
Ronals Stefani ist seit 2010 Pfarrer in Feldkirch-Altenstadt. Hartinger

Pfarrer Ronald Stefani über notwendige Reformen und seinen Weg ins Priesteramt.

Als sich Ronald Stefani vergangenen Sonntagmorgen vom Pfarrhof in Feldkirch-Altenstadt zur Messe nach Levis aufmachte, konnte er zunächst nicht glauben, was er sah, oder besser gesagt: was er nicht sah. Die Regenbogenfahne, die er zwei Tage zuvor gemeinsam mit den Mitgliedern des Pfarrgemeinderats als wehendes Zeichen der Toleranz am Kirchplatz gehisst hatte, war über Nacht verschwunden. Der offensichtlich gezielte Angriff gegen das offene Weltbild der Pfarre Altenstadt, der zwei Tage später mit zwei in Brand gesetzten Fahnen in Hard und Feldkirch seine traurige Fortsetzung fand, macht den 42-jährigen Geistlichen fassungslos.

„Lebensfremdes Verbot“

Pfarrer Stefani vor der Kirche in Feldkirch-Altenstadt. <span class="copyright">Hartinger</span>
Pfarrer Stefani vor der Kirche in Feldkirch-Altenstadt. Hartinger

Empört zeigt er sich aber vor allem über das Nein der vatikanischen Glaubenskongregation zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Das Verbot gehe an der Lebensrealität vorbei, urteilt der Pfarrer. Homosexualität als Sünde zu bezeichnen, das lasse sich weder theologisch noch biblisch begründen. „Hier braucht es eine theologische Aufklärung. Naturwissenschaftlich Erwiesenes muss ernst genommen und integriert werden.“ Niemanden von vornherein abzustempeln und für alle einladend zu sein, bezeichnet der gebürtige Bregenzer als ureigenste Aufgabe der Kirche. Seine Antwort auf die Frage, was er sich von Rom wünschen bzw. erwarten würde, gleicht einem Stoßgebet. „Oh Gott, es gehört so vieles geändert.“ Als Beispiel nennt Stefani etwa die Abschaffung des Pflichtzölibats oder die Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern.
Kirchlich geprägt wurde der aufgeschlossene und sympathische Priester in seiner Herkunftsgemeinde Kennelbach. Wie viele andere im Dorf diente er als Ministrant – und wurde irgendwann auch Mesner. In der Hauptschule, so erzählt Stefani, habe er den Pfarrer einmal gefragt, was man denn so tun müsse, um Pfarrer zu werden. Mit dessen Antwort, „zuerst einmal Matura machen“, konnte sich der junge Ronald zunächst überhaupt nicht anfreunden. Schließlich schaffte er den Abschluss dann doch und ging anschließend nach Innsbruck, um Theologie und Religionswissenschaften zu studieren.

Entscheidung am Tabor

Ronald Stefani.<span class="copyright"> hartinger</span>
Ronald Stefani. hartinger

Es folgte eine Zeit des Ringens und Suchens, aber auch des Reifens und Wachsens, „Ich habe mich gefragt, ob ich wirklich Pfarrer werden will, auch wegen der zölibatären Lebensform.“ Entschieden hat sich Stefani letztlich nach einem stillen Gebet auf dem Berg Tabor, wo Jesus – nach christlicher Überlieferung – vor den Augen dreier Jünger in göttliche Gestalt verwandelt wurde. „Es war keine Erscheinung oder so. Ich habe einfach gemerkt, dass es passt.“ Auch danach habe es immer wieder Auf und Abs gegeben, denn auch er habe „Gott nicht in der Tasche“, schmunzelt der 42-Jährige. Nach seinem Pastoral- und Diakonatsjahr in der Pfarre Nenzing wurde er im Jänner 2006 zum Diakon und fünf Monate später zum Priester geweiht. Wie es der Zufall wollte, passierte ersteres auf den Tag genau 27 Jahre nach seiner Taufe. Anschließend war er Kaplan in Bregenz St. Kolumban und Buch. In die Pfarre Altenstadt, wo es ihm sehr gut gefällt, kam Stefani im Jahr 2010, seit fünf Jahren zelebriert er auch die Messen im Stadtteil Levis.

Osterfest

Dass das anstehende Osterfest heuer wieder in der Kirche gefeiert werden darf, freut den Pfarrer. Er wünscht sich, dass es stärkt, Mut macht und Hoffnung gibt. „Ich denke, das können wir alle gebrauchen in dieser sehr herausfordernden Zeit.“

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