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Nach drei Jahren wieder zu Besuch in der Heimat

28.07.2022 • 19:14 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Francis Thaniyath, der Bruder von Pfarrer Georg, bei einer Schlüsselübergabe. <span class="copyright">Privat</span>
Francis Thaniyath, der Bruder von Pfarrer Georg, bei einer Schlüsselübergabe. Privat

Insgesamt 1800 Häuser für bedürftige Menschen haben Pfarrer Varghese “Georg” Thaniyath und der Verein “Dach überm Kopf” in Indien gebaut.

Schon seit drei Jahren war Pfarrer Varghese „Georg“ Thaniyath schon nicht mehr in seiner indischen Heimat. Die Coronapandemie, aber auch gesundheitliche Probleme haben in den vergangenen beiden Jahren Reisen unmöglich gemacht. Bald geht es für ihn jedoch wieder zu einem Besuch nach Indien. Am 5. August startet die Reise in sein Geburtsland.

Der Geistliche freut sich nicht nur darauf, seine frühere Heimat und seine Familie zu sehen. Er hat auch noch einen weiteren Grund, warum er dem Trip in die indische Provinz Kerala mit Freude entgegenblickt. Denn während seines Besuches darf Pfarrer Georg zahlreiche neue Häuser für bedürftige Menschen einweihen und den Betroffenen den Schlüssel übergeben. Alleine im heurigen Jahr wurden bereits 35 neue Heimstätten für Arme gebaut.
Ermöglicht wird dies durch den Verein „Dach überm Kopf“, den der Geistliche mit mehreren Unterstützern gegründet hat. Mithilfe der gesammelten Spenden sind bisher genau 1800 Häuser für Bedürftige errichtet worden. In mehreren dicken Ordnern in seinem Büro hat der Priester jedes einzelne Heim fotografisch dokumentiert. Neben einem Foto sind dort auch Informationen zu den Spendern zu finden, die die Errichtung des Hauses ermöglicht haben.

Auch Nähzentren werden vom Verein betrieben. <span class="copyright">Privat</span>
Auch Nähzentren werden vom Verein betrieben. Privat

Arbeitsplätze für Frauen

Über die Jahre hat sich der Verein jedoch nicht nur für die Errichtung von Unterkünften für Bedürftige stark gemacht. Die armen Menschen in Indien werden auch noch auf andere Weise unterstützt. So wird beispielsweise Frauen die Möglichkeit geboten, in Nähzentren zu arbeiten und mit dem dabei verdienten Geld ihre Familie zu ernähren. „Insgesamt 3000 Frauen haben wir so schon geholfen“, berichtet Pfarrer Georg. Daneben wurden bisher auch Waisenheime für Mädchen unterstützt. Die Einrichtungen wurden von Klos­terschwestern betrieben, der Verein „Dach überm Kopf“ leis­tete finanzielle Unterstützung für die Schuluniformen, Schulbücher und Verpflegung der Mädchen. Neue staatliche Regelungen haben jedoch jüngst dazu geführt, dass die Kloster die Waisenheime auflösen mussten: „Unter den neuen Bedingungen konnten die Schwestern die Einrichtungen nicht mehr weiterführen.“

Pfarrer Georg bei einem früheren Besuch. <span class="copyright">Privat</span>
Pfarrer Georg bei einem früheren Besuch. Privat

Schulausbildung

Dennoch soll es weiterhin Unterstützung für bedürftige Kinder durch den Verein geben. Wie zuvor die Mädchen in den Waisenheimen sollen auch sie bei der Grundschulausbildung finanziell unterstützt werden. Neben den Kosten für die Schuluniform und die Bücher soll auch für eine gute Verpflegung gesorgt werden. Außerdem möchte Pfarrer Georg für jene Mädchen und Buben, welche einen langen Schulweg haben, Fahrräder anschaffen. „Manche sind bis zur Schule zu Fuß eine Stunde lang unterwegs und für umgerechnet 70 Euro könnte man ihnen in Indien ein Fahrrad kaufen.“ Doch nicht nur jungen Kindern aus armen Verhältnissen möchte der Priester helfen, sondern auch ältere sollen Unterstützung erhalten. So soll es Stipendien geben, um den Betroffenen eine Krankenpflegeausbildung zu ermöglichen. Die Frauenprojekte in den Nähzentren gehen weiter wie bisher.

Nichts zu essen

Dem Geistlichen ist es ein Anliegen, anderen Menschen zu helfen – vor allem jenen, die nicht auf der sonnigen Seite des Lebens stehen. Denn er selbst weiß nur allzu gut, was es heißt, nicht genug zu essen zu haben. Denn Pfarrer Georg lebte als Kind auch in ärmlichen Verhältnissen. „Es gab Tage, an denen wir nicht genug zu essen hatten. Mein Vater hat dann zu uns Kindern gesagt, dass wir vor der Schule viel Wasser trinken sollen, damit die anderen nicht sehen, dass wir nichts gegessen haben“, erinnert sich der Wahl-Vorarlberger. Später machte sich sein Vater mit Erfolg selbstständig und die Familie musste nicht mehr Hunger leiden. Geprägt hat den Priester, dass seine Eltern dann darauf bedacht waren, der Gesellschaft etwas zurückzugeben und ihrerseits dann notleidende Menschen im Ort unterstützt haben.

Pfarrer Varghese „Georg“ Thaniyath engagiert sich für Bedürftige in Indien.<span class="copyright">neue</span>
Pfarrer Varghese „Georg“ Thaniyath engagiert sich für Bedürftige in Indien.neue

Vorfreude

Dieser Einstellung ist der gebürtige Inder bis heute treu geblieben. So erklärt es sich auch, dass er nicht – wie ursprünglich geplant – nach den ersten 1000 Häusern mit dem Spendensammeln aufgehört hat. Stattdessen ist er weiterhin aktiv, um den armen Menschen in seiner indischen Heimat zu helfen. Der Reise dorthin fiebert er entgegen und freut sich vor allem auf die Schlüsselübergaben sowie die Einweihung der Häuser. Er hofft, dass sich die Lage im Zusammenhang mit der Pandemie in den kommenden Monaten weiter entspannt. Denn eigentlich sind bei den Reisen in seine alte Heimat auch immer einige Spender mit dabei. Sie haben dann die Gelegenheit sich vor Ort anzusehen, was mit i­hrer Unterstützung umgesetzt ­worden ist. Heuer ist dies ­aufgrund der Unsicherheit ­wegen der Pandemie jedoch nicht der Fall. Bei der nächsten Reise soll sich das aber wieder ändern.

Hintergrund

Im Jahr 2001 wurde die Organisation „Dach überm Kopf“ von Pfarrer Varghese „Georg“ Thaniyath und Vorarlberger Unterstützern gegründet. Ziel war und ist es, obdach- und arbeitslosen, armen Menschen zu helfen. Schon zuvor war der Priester diesbezüglich mit verschiedenen Spendenaktionen aktiv gewesen. Durch die Gründung der Organisation sollten die Bemühungen jedoch in geregelte Bahnen gelenkt werden. In Indien kümmert sich die Partnerorganisation „Fr. Varghese Thaniyath Charitable Trust“ um die Belange des Vereins. Geleitet wird diese von Francis Thaniyath, einem der Brüder von Pfarrer Georg, der ebenfalls Priester ist.

Der Grundstein für die Organisation wurde jedoch bereits kurz nach der Primiz von Pfarrer Georg im Jahr 1987 gelegt. Denn in Indien begegnete der damals frisch gebackene Pries­ter einer armen Familie. Er beschloss, umgerechnet rund 2000 Euro, welche er von Menschen in Hohenems zu seiner Priesterweihe bekommen hatte, in den Bau eines Hauses für die beiden Eltern und ihre vier Kinder zu investieren. Als sich weitere Bedürftige an den Priester wandten, unterstützte er sie mit Hilfe aus Vorarlberg ebenfalls. Sein Engagement setzte Pfarrer Georg dann auch fort, als er 1990 wieder zurück ins Ländle kam – erst als Pfarrer in Hohenems und nun als Pfarrer im Pfarrverband Göfis-Satteins.


Spendenkonto: IBAN: AT80 3743 8000 0108 9960

Weitere Infos: www.dachuebermkopf.com.

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