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„Es braucht eine ehrlichere Politik“

27.08.2022 • 18:06 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Fabienne Lackner ist seit 2018 Junos-Landesvorsitzende.<span class="copyright">Hartinger</span>
Fabienne Lackner ist seit 2018 Junos-Landesvorsitzende.Hartinger

Interview. Junos-Landsvorsitzende Fabienne Lackner über Themen, welche junge Menschen beschäftigen, und ihre politische Herzensangelegenheit.

Vorarlbergs Junos haben diese Woche eine Petition zur Sperrstundenregelung gestartet. Warum?
Fabienne Lackner:
Eines der vielen Themen, die uns von jungen Menschen immer wieder genannt werden, ist die Frage, wie attraktiv das Nachtleben in Vorarlberg ist. Für die Meisten besteht diesbezüglich noch Luft nach oben. Ein Punkt, um es attraktiver gestalten zu können, betrifft die Sperrstunde.

Inwiefern?
Lackner
: Jedes Bundesland hat – typisch österreichisch – eine eigene Verordnung dazu. Im Vergleich zeigt sich, dass in Vorarlberg eine Bar um 2 Uhr schließen muss. In Tirol darf diese dagegen bis 6 Uhr geöffnet sein oder in Kärnten bis 4 Uhr. Wir sagen ganz klar, dass eine Sperrstunde nicht zu einer fortschrittlichen Gesellschaft passt. Die Lokalbetreiber sollen selbst entscheiden, wann sie öffnen oder schließen. Warum soll ein Club, der etwa in einem Industriegebiet liegt, nicht bis 6 Uhr geöffnet sein dürfen. In anderen Bundesländern funktioniert das und auch in Deutschland wurde in vielen Bundesländern die Sperrstunde abgeschafft.

Es besteht die Möglichkeit für Ausnahmen von der Sperrstunde. Ist die Regelung zu wenig flexibel?
Lackner:
Ja, es gibt diese Möglichkeit. Der Bar- oder der Clubbetreiber muss zur Gemeinde und zum Bürgermeister „spazieren“ und darauf hoffen, dass es die Genehmigung gibt. Manche Bürgermeister sind konservativer, manche sind lockerer. Dadurch ist es nicht möglich, dass ein attraktives Nachtleben entsteht.

Laut Fabienne Lackner interessieren sich junge Menschen sehr wohl für politische Themen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Laut Fabienne Lackner interessieren sich junge Menschen sehr wohl für politische Themen. Hartinger

Die Junos sind gerade auf Sommertour im Land. Welche Themen beschäftigen die Jugend?
Lackner:
Zwei Themen sind natürlich der Krieg in der Ukraine und die Teuerung. Viele Fragen sich, wo diese Entwicklungen hinführen. Daneben ist aber auch das Klima ein Thema – gerade wenn man sich die Vorfälle vor einer Woche anschaut. Was auch immer wieder genannt wird, ist die Bildung, welche in den politischen Debatten völlig in den Hintergrund gerückt worden ist. Dabei bräuchte es schon längst eine größere Reform anstatt nur an kleinen Schrauben zu drehen. Ein weiterer Punkt ist auch die Frage des Aufstiegsversprechens. Junge Leute sollen sich durch Leistung wieder etwas aufbauen können – unabhängig davon woher sie kommen. Dabei spielen viele Dinge mit hinein, so wie etwa die Steuerbelastung oder auch die Tatsache, dass sich junge Menschen in Vorarlberg Eigentum nicht mehr wirklich leisten können.

Wie sehr werden junge Menschen in der Politik gehört?
Lackner:
Wenn ich mir die aktuelle österreichische Politik anschaue, dann wird nicht in Generationen gedacht, sondern immer nur bis zur nächsten Wahl. Es braucht einen Mentalitätswandel. Wie sehr die jungen Menschen gehört werden, hängt wahrscheinlich auch von der Partei ab. Bei Neos funktioniert das sehr gut, aber man bekommt auch nichts geschenkt und muss sich für seine Themen einsetzen.

Im Vorarlberger Landtag gibt es durchaus einige sehr junge Abgeordnete wie etwa Johannes Gasser von den Neos. Wie wichtig ist das?
Lackner:
Das ist sehr wichtig, weil junge Menschen eine ganz andere Perspektive in den Landtag bringen. Die Entscheidungen, die heute getroffen werden, betreffen uns am Längsten.

Nach der jüngsten Landtagswahl gab es ja eine kontroverse Diskussion, ob Sie in den Landtag einziehen oder Gerfried Thür.
Lackner:
Ich verstehe, dass die Entscheidung eine bestimmte Außenwirkung gehabt hat, aber wir haben diese damals gemeinsam getroffen. Ich habe auch immer gesagt, dass man von mir noch einiges hören wird. Das ist ein Versprechen und keine Drohung.

Immer wieder wird auch über Politikverdrossenheit bei jungen Menschen gesprochen. Spüren Sie eine solche, und wie kann man die Jugend besser in die Politik einbinden?
Lackner:
Die Jungen sind nicht politikverdrossen, sondern ich würde eher sagen, die Politik ist ab und zu „jugendverdrossen“. Wir jungen Menschen sind politisch und wollen uns einbringen. Das sehe ich auch auf Social Media. Dort bekomme ich ständig Rückmeldungen von Menschen, die sich nicht unbedingt einer Partei anschließen würden, aber trotzdem sich trotzdem für einzelne politische Themen interessieren. Für eine bessere Einbindung in die Politik müssen auch die Parteien selbst offener werden. Junge Menschen merken schnell, ob man mit ihnen auf Augenhöhe spricht. Sie möchten nicht nur Flyer verteilen, sondern auch mitbestimmen und mitgestalten. Diese Möglichkeit sollte man ihnen innerhalb einer Partei geben. Außerdem braucht es eine ehrlichere und langfristig denkende Politik.

Fabienne Lackner bei einer Spendenaktion gemeinsam mit der jungen Volkspartei. <span class="copyright">neue</span>
Fabienne Lackner bei einer Spendenaktion gemeinsam mit der jungen Volkspartei. neue

Was hat Sie selbst dazu bewogen, sich politisch zu engagieren?
Lackner:
Ich war immer schon politisch interessiert und zum Beispiel in der Schule auch Klassensprecherin. Bei bestimmten Parteien habe ich von vornherein gesagt, dass diese nicht für mich in Frage kommen. 2016 habe ich mich immer stärker mit den Neos beschäftigt. Damals wusste ich vielleicht noch nicht, dass ich liberal bin, aber es hat sich gezeigt, dass ich die Werte der Neos teile und mir auch ihre Themen wichtig sind. Gerald Loacker (Anmerkung: Neos-Nationalratsabgeordneter) hat mich auf Facebook angeschrieben und gefragt, ob ich nicht einmal ein Neos-Event besuchen möchte. Das habe ich getan, und es hat gleich gut gepasst.

Neos war damals noch eine junge Bewegung. Haben Sie sich Gedanken darüber gemacht, ob diese lange Bestand haben wird?
Lackner:
Ich war damals schon fest davon überzeugt, dass es eine liberale Partei in Österreich braucht – eine Partei, die sich für Erneuerung in den verschiedensten Bereichen und vor allem für die Generationsgerechtigkeit einsetzt. Denn meiner Meinung nach, tut das keine andere Partei so wie wir.

Was sind Ihre persönlichen politischen Ziel?
Lackner:
Mir geht es am Ende des Tages nicht darum, dass auf meiner Visitenkarte irgendwann einmal „Landtagsabgeordnete“ oder „Nationalratsabgeordnete“ steht. Ich möchte mich einfach dafür einsetzen, dass junge Menschen mehr Chancen haben. Das Aufstiegsversprechen ist meine Herzensangelegenheit. Leistung und Fleiß müssen den Unterschied machen. Das Aufstiegsversprechen gehört daher dringend erneuert. Ob ich mich politisch lieber auf Landes- oder Bundesebene engagieren würde? Ich könnte mir durchaus beides vorstellen. Im Land gibt es mit den anderen Parteien eine ganz andere Art der Zusammenarbeit, die nicht so ideologisch geprägt ist. Im Bund befasst man sich dagegen mit den großen Themen wie Bildung oder Klima. Mit diesen befasst man sich im Land zwar auch, aber der Bund hat natürlich ganz andere Kompetenzen.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den anderen Jugendorganisationen im Land? Es gibt ja immer wieder auch gemeinsame Aktionen.
Lackner:
Im Land funktioniert es ganz gut. Ich sage mir immer: Wenn es Überschneidungen bei den Themen gibt, warum soll man dann nicht zusammenarbeiten? Mit der Jungen Generation der SPÖ haben wir beispielsweise schon zum Thema Abtreibungen gemeinsame Postings gemacht oder auch eine gemeinsame Aktion zum Klimaschutz. Genauso haben wir auch mit der Jungen ÖVP eine Sammelaktion für die Ukraine organisiert. Wir sind da ganz pragmatisch und als Junos stehen wir sowieso in der Mitte und da ist es sehr leicht, mit den anderen zusammenzuarbeiten.

zur person

Fabienne Lackner wurde am 13. September 1997 in Bregenz geboren. Die Feldkircherin hat 2017 an der HAK Feldkirch maturiert und ist als Personalberaterin tätig. 2016 ist sie den Neos und Junos (Junge Liberale Neos) beigetreten. 2017 wurde sie zur stellvertretenden Junos-Landesvorsitzenden. Seit 2018 ist Lackner Landesvorsitzende und wurde im Mai 2022 wiedergewählt.

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