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Herr Ritter, Sie waren Spitzenfußballer und haben bei der Handelskette eine beachtliche Karrriere hingelegt. Was haben Sport und Management beim Marktführer im Lebensmittelbereich gemeinsam?

Gerhard Ritter: Ja, Spitzensportler – das ist relativ zu sehen. Ich war sicher für die Vorarlberger Verhältnisse ein ordentlicher Fußballspieler. Und danach auch als Trainer aktiv. Wichtig im Sport wie im Job ist für mich der Teamgeist. Und Sportler sind Kämpfernaturen. Das ist im Berufsleben auch förderlich. Als Geschäftsführer muss man – wie ein Trainer – bereit und fähig sein, die Fäden in den Händen zu halten. Natürlich muss man im Sport wie im Management die Stärken der Mitarbeiter erkennen, um sie effizient einsetzen zu können. Und – in beiden Bereichen ist das Vertrauen in die „Mitspieler“, ins Team, eine wichtige Komponente.

Was bedeutet eigentlich die Tanne im Spar-Logo?

Ritter: Die erste Spar-Organisation weltweit wurde 1932 in Holland gegründet. Ziel des Zusammenschlusses war – damals wie heute – die „Konzentration der Kräfte“, von der alle Mitglieder profitieren. Auf Niederländisch heißt „De Spar“ eben „die Tanne“. Und „de Spar“ ist auch die Abkürzung für den Leitgedanken „Door eendrachtig Samenwerken profiteren allen regelmatig” (Durch einträchtiges Zusammenwirken profitieren alle gleichermaßen). Die Stilisierung der Tanne hat sich im Laufe der Jahre zwar verändert. Aber der Leitgedanke ist bis heute geblieben.

Spar ist in Vorarlberg stark vertreten. Ist eine Expansion überhaupt noch möglich?

Ritter: Natürlich ist noch einiges zu bewegen. Stillstand gibt es nicht. Expansion geht vor allem in die Richtung, in die Jahre gekommene Märkte zu ersetzen oder auf neue Erfordernisse einzustellen. Eines der jüngsten Beispiele ist der Markt in Sulz. Der ist inzwischen mit seinen 300 Quadratmetern Verkaufsfläche aus allen Nähten geplatzt. Bei den Kundenzufriedenheits-Umfragen wurde immer wieder der Wunsch nach einem neuen größeren Markt deutlich. Nun wird am 30. Oktober ein neuer Markt mit 750 Quadratmetern Verkaufsfläche seine Türen öffnen. Das Personal aus dem früheren Markt wird übernommen, aber die Zahl aufgestockt. Expansion bedeutet also, inves­tieren in die alten Verkaufsstätten. Es gibt in Vorarlberg noch Märkte aus der Gründungszeit von Spar in Vorarlberg, aus dem Jahre 1957. Da ist zwar schon erweitert und modernisiert worden. Aber – gerade eine ausreichende Anzahl von Parkplätzen sind noch manchmal ein Problem.

Spar versteht sich als Nahversorger. Woran wird das festgemacht? Öffnen in diesem Jahr weitere Märkte?

Ritter: Wir sind die einzige Organisation, die in Vorarlberg in allen Tälern vertreten ist. Wir haben auch da Märkte, wo es etwa außerhalb der Urlaubs-Saisonen schwierig ist, das Geschäft zu halten. Da zeigt sich Spar als Partner der selbstständigen Kaufleute und unterstützt sie.

In diesem Jahr werden wir neben dem Markt in Sulz einen weiteren in Hittisau am 11. Oktober eröffnen. Dies ist wie jüngst in Egg eine Übernahme von Adeg. Heiß ersehnt von den Bludenzern wird der Markt im Kronenhaus der Alpenstadt, der am 22. November seine Pforten öffnet. Und am 29. November wird der neue Markt an der Lauteracher Bundesstraße, gegenüber dem Hofsteigsaal, verkaufsbereit sein. Für unser kleines Vorarlberg ist 2012 ein sehr starkes Jahr. Zum Stichwort Nahversorger gehört auch: Wir möchten, dass unsere Märkte eine Stätte der Begegnung und der Kommunikation sind.

Was ist das Besondere an Spar-Märkten? Ist es schwierig sich gegen Discounter zu behaupten?

Ritter: Eine der Hauptstärken von Spar liegt neben der Nahversorgung darin, dass möglichst viele regionale, in kleineren Märkten sogar lokale, Produkte im Sortiment sind. Und wir haben auf verändertes Kundenverhalten reagiert. Der Konsument von heute ist hybrid, das heißt: Einerseits kauft er teure Top-Produkte, zum anderen hat er im gleichen Einkaufskorb Waren aus der Billigschiene liegen. Wir haben die S-Budget-Palette, aber genauso die Premium und Natur-pur-Biolinie. Gegenüber den Mittbewerbern punkten wir wohl gerade mit diesen beiden Schienen und natürlich mit unserer Nahversorgerkompetenz. Die Waffe, die hinsichtlich der Discounter sticht, ist S-Budget.

Stichpunkt Lehrlingsausbildung. Was ist das Besondere an einer Ausbildung bei SPAR Vorarlberg?

Ritter: Derzeit werden 255 Lehrlinge in Vorarlberg ausgebildet, österreichweit sind es 2700. Spar, Interspar und Hervis bilden in 15 verschiedenen Lehrberufen aus – beispielsweise im Lebensmittel­einzelhandel, zur Bürokauffrau oder zum EDV-Techniker. Im Fokus ist eine starke Praxis­orientierung. Die Spar-Akademie-Klassen unterstützen dies mit einer zusätzlichen Ausbildung. Da stehen die Lehrlinge beispielsweise in der Früh um 5 Uhr auf dem Nachbaur-Hof in Meiningen, um zu sehen, wie der Salat geerntet wird und dann frisch in die Märkte gelangt. Für die Lehrlinge lohnt es sich außerdem, wenn die Leistung passt. Die Extras sind da etwa der Gratis-B-Führerschein, monatliche Lehrlings- und Zeugnisprämien, Fremdsprachenunterricht. Der Nachwuchs hat zudem die Möglichkeit, parallel zur Lehre Teilprüfungen für die Matura abzulegen. Bei positivem Abschluss werden alle Kosten übernommen. Generell hört das Lernen mit dem Abschluss nicht auf. Es gibt weitere Bildungsprogramme, die unter anderem etwa in einem Spar-Meisterbrief münden.

Ist es schwierig Anwärter für eine Ausbildung zu finden? Werden alle Lehrlinge übernommen?

Ritter: Schwierig ist es nicht, Lehrlinge zu finden, sondern solche Mädchen und Burschen zu finden, die bereit und motiviert sind, die dreijährige Ausbildung auch durchzuhalten. Heuer hatten wir keine Probleme, die 100 neuen Lehrlinge einzustellen. Nach Ausbildungsende werden sie übernommen. Ausnahme – wenn die jungen Leute andere Zukunftspläne haben.

Was ist aus Ihrer Sicht das Erfolgsrezept von Spar Vorarlberg?

Ritter: Das ist auf jeden Fall eine hohe Kundenbindung und das Vertrauen der Menschen in die Ehrlichkeit der Handelskette. Grundlagen dafür sind die Frische und die Regionalität der Produkte sowie ein ausgewogenes Preis-Leistungsverhältnis. Nicht zu vergessen: Freundlichkeit, Freundlichkeit, Freundlichkeit. Die Mitarbeiter sind da das wichtigste Potenzial. Und das leben wir. Zusammenhalt, Partnerschaft und angemessene Sozialleistungen sind die Basis für die Zufriedenheit der Beschäftigten und für ihre Freundlichkeit gegenüber den Kunden. Spar Vorarl­berg ist da auf einem sehr guten Weg. Das zeigt sich auch darin, dass wir immer wieder Besucher haben, die sich über die Konzepte informieren. Beispielsweise ist gerade Spar-China im Entstehen. Da sind wir immer wieder Anlaufpunkt für die Chinesen.

Derzeit sind Spar-Kaufleute aus ganz Österreich im Ländle?

Ritter: Ja. Seit Sonntag und bis heute sind etwa 100 Vertreter der selbstständigen Spar-Kaufleute in Vorarlberg. Die alljährliche Delegiertentagung ist ihre wichtigste Tagung. Es werden Erfahrungen ausgetauscht, Projekte vorgestellt, Fachvorträge über Personalentwicklung, Social Media und gesellschaftliche Verantwortung ergänzen das Programm.

Interview: Heidrun Joachim

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