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Regionaler Mehrwert durch Ideenaustausch

Aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet: Die Studienfahrt von IfS und Gemeindeverband zum Thema „Jugendarbeit in den Niederlanden“.

Immer wieder stecken die vier Männer ihre Köpfe zusammen. Sie tuscheln, gestikulieren oder zeigen auf die Unterlagen, die vor ihnen auf dem Tisch liegen. Ab und an ist ein Lächlen zu sehen. Oder die Augenbrauen werden fragend gerunzelt. Am anderen Ende des Raumes referiert gerade ein Mitarbeiter des „Youth and Family Centre Rijnmond“ in Rotterdam über seine Tätigkeit.

Gottfried Brändle, Alfred Bargetz, Kuno Sandholzer und Markus Giesinger sind Teilnehmer der diesjährigen Studienfahrt des IfS und des Vorarlberger Gemeindeverbands. Unter den knapp 30 Experten, Gemeindechefs und Landesbediensteten sind die Männer „Exoten“. Denn während die meisten übrigen Reisenden „Einzelkämpfer“ sind, sind in der Altacher Delegation gleich vier Personen. Brändle steht der Kommune als Bürgermeister vor. Giesinger ist Amtsleiter. Bargetz führt die Geschäfte im Sozialzentrum, und Sandholzer leitet als Obmann den Jugendausschuss.

Viele Informationen

Das Gemeindeoberhaupt ist ein „alter Hase“ in Sachen IfS-Studienfahrten. „Ich bin sicher schon bei 15 dieser Reisen dabei gewesen“, sagt er. Irgendwann hat der 60-Jährige festgestellt, dass acht Ohren mehr hören als zwei. Darum beschloss er, fortan nicht mehr alleine zu reisen. Vielmehr suchte er sich Begleiter, die sich während ihrer täglichen Arbeit in der Kommune mit dem jeweiligen Thema beschäftigen. „Während dieser Exkursionen werden sehr viele Informationen geboten, die ansonsten nicht so leicht zugänglich sind. Darum ist es mir wichtig, möglichst viele Verantwortungsträger direkt daran teilhaben zu lassen. Sie sollen diese nicht nur aus zweiter oder womöglich dritter Hand erfahren.“ Zudem bieten die Fahrten die Möglichkeit, Kontakte mit anderen Bürgermeistern sowie Vertretern des Landes beziehungsweise des IfS zu knüpfen. Kontakte, die im Ländle später vielleicht die Arbeit erleichtern, meint Brändle.

In Altach sieht er vor allem Nachholbedarf in Sachen Schülerbetreuung. „Ich denke, dass wir in diesem Bereich bis zum Ende der Volksschule eine gute Grundlage geschaffen haben. Bei den älteren Kindern fehlt diese noch,“ erklärt der Ortsvorsteher. Zudem habe die Zahl der Jugendlichen, die ein auffälliges Verhalten zeigten, in den vergangenen Jahren zugenommen. „Ein bis zwei solcher Kinder mit Schwierigkeiten aller Art gibt es mittlerweile pro Jahrgang. Mithilfe des vorhandenen Systems kann diesem Problem jedoch nicht begegnet werden. Umso wichtiger ist es, solche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und entsprechende Änderungen vorzunehmen.“

Eine der Erkenntnisse, die Brändle aus den Niederlanden mitnimmt, ist der Fokus auf die betroffenen Kinder und Jugendlichen. Deren Wohl soll bei allen Maßnahmen im Vordergrund stehen. „Und natürlich die Zusammenarbeit mit den Eltern. Sie sind schließlich die Hauptverantwortlichen für die Erziehung.“

Ähnlich sieht dies Caroline Reibnegger. Die Sozialarbeiterin ist seit neun Jahren in der Offenen Jugendarbeit im Harder Sozialsprengel beschäftigt. „Wir arbeiten sehr gut mit den Jugendlichen zusammen“, meint sie. Trotzdem kann es aus ihrer Sicht nicht schaden, über den Tellerrand hinauszublicken. „Es hat gut getan, sich mit den Kollegen in den Niederlanden zu unterhalten. Zu hören, mit welchen Problemen sie tagtäglich konfrontiert sind, und wie sie diese bewältigen.“

Schrittmacherfunktion

Dieser Blick über den Tellerrand ist auch für IfS-Präsident Hans-Peter Bischof der Reiz der Studienfahrten. „Vorarlberg hat seit Jahren in vielen Bereichen eine Schrittmacherfunktion für Österreich inne. Nicht weil wir um so viel klüger wären als alle anderen. Sondern weil wir nicht davor zurückschrecken, uns andere Länder und Regionen zum Vorbild zu nehmen“, glaubt der ehemalige Gesundheitslandesrat und Landesstatthalter. Es geht ihm jedoch nicht darum, Ideen eins zu eins zu kopieren. Viel mehr gelte es, sich die Konzepte in anderen Ländern anzuschauen und diese dann für das Ländle zu adaptieren. „Und manchmal kommt man vielleicht auch zum Schluss, dass diese Idee überhaupt nichts für Vorarlberg ist“, sagt er und lacht.

Michael Steinlechner

Reise-impressionen

Ungewöhnlich. In Zaanstad besuchten die Vorarlberger das Zentrum für Jugend und Familie. Nicht nur die Ausführungen der Gemeindeverantwortlichen erstaunten die Teilnehmer der Studienfahrt, sondern auch das Design des „Stadhuis“ (Rathaus). „So etwas dürfte bei uns nie gebaut werden“, lautete der Tenor.

Jugendarbeit. In Rotterdam erzählten Mitarbeiter des Zentrums für Jugend und Familie über ihre tägliche Arbeit. Am Beispiel einer Familie wurden die möglichen Maßnahmen erläutert. Das Wohl der Kinder soll dabei im Mittelpunkt stehen.

Botschafter. Erst seit kurzem ist Werner Druml (links) Österreichischer Botschafter in Den Haag. Er ließ es sich jedoch nicht nehmen, die Delegation aus Vorarlberg zu empfangen. Landesrätin Greti Schmid überreichte ihm ein Geschenk aus dem Ländle.

Werkstätten. In Hoenderloo werden mehrere hundert Jugendliche in offener und geschlossener Unterbringung betreut. Dabei haben die Burschen und Mädchen auch die Möglichkeit, in unterschiedlichen Werkstätten den für sie richtigen Weg bei der Berufsausbildung zu finden.

Fotogelegenheit. Eine Gruppe Mädchen hatte in ­Rotterdam leichtes Spiel bei der Bewältigung einer Schulaufgabe. Sie sollten mehrere Männer in Anzügen in einer vorgegebenen Pose ablichten. Die Bürgermeister und Sozial-Experten aus dem Ländle ließen sich nicht zweimal bitten und posierten für die Fotoaufnahmen.

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