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Jägerlatein

Aus dem privaten Nähkästchen

Kürzlich meinte ein lieber Freund: „Du bist Vorarlbergs Charly Sheen“. Ein wenig geschmeichelt war ich ob dieser Aussage durchaus (es gibt ja Momente, in denen ich etwas schicker aussehe als am obigen Kolumnenkopf mit Jägerhut). Bei Nachfrage, warum er denn meinen würde, dass ich dem Serienhelden aus „Mein cooler Onkel Charlie“ in irgendeiner Weise ähnlich sein sollte, meinte der geliebte Kollege, mit dem ich herausragende Jugendjahre verbracht habe: „Du säufst gleich viel wie dieser Charlie und warst früher ein echter Womanizer!“

Abgesehen davon, dass ich Anglizismen nur mäßig mag („Frauenheld“ klingt doch noch viel heroischer) , schrumpfte mein Enthusiasmus ob seines Kompliments ein wenig. Zugegebenerweise bin ich den Segnungen des Alkohols nicht völlig abhold; die Unmengen an Scotch, die Herr Sheen allerdings in sich reinschüttet, wären meinem sozialen Umfeld aber doch etwas suspekt (zudem trinke ich nur Jack Daniels). Und was meine Affinität zum anderen Geschlecht betrifft, hat er mit „früher“ recht; die allerbesten Jahre sind vorbei, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich ja zuletzt. Zusätzliche Unterschiede: 1.) Ich tu mir schwer, Menschen bei mir übernachten zu lassen – ständig bei mir wohnen wäre selbst für Familienangehörige undenkbar. 2.) Als Autor für Kinderlieder eigne ich mich in etwa so wie Helmuth Qualtinger als Skiflieger. 3.) Aufgrund meiner fast durchsichtig weißen Beine lehne ich das Tragen von Shorts ab. Gemeinsamkeiten: Flügel in der Wohnung, Stalkerin, Balkon.

Schöner wäre aber, wenn ich ein ähnliches Einkommen hätte, wie der zugegebenermaßen sehr witzige Sohn des von mir verehrten Martin Sheen (Apokalypse Now!, Das Mädchen am Ende der Straße), das laut Regenbogenpresse etwa eine Million Dollar pro Folge betrug. Und zwar zurecht: Die einzige Zeit, in der ich den ersten Sender unseres Staatsfernsehens schamfrei genießen kann, ist jene zwischen 8 Uhr 30 und 10 Uhr 30; sprich: Malcolm mittendrin, Scrubs – Die Anfänger, Two & a half men und die Big Bang Theory (Sheldon, ich liebe dich). Selbst bei Wiederholungen entlocken mir diese überaus witzigen Serien immer wieder ein müdes Morgenlächeln, während ich bei deutschen Comedys meine Lippen an die Wangen antuckern müsste, um Belustigung zu signalisieren.

Wen das alles interessiert? Ich weiß es nicht – aber da ich das Gespräch zwischen den US-Präsidentschaftskandidaten verschlafen habe und von der „Causa Hofer“ (Mann kauft Grund, Mann verkauft Grund – gähn) ungefähr soviel Ahnung habe wie in der vorherigen Klammer geschildert, kann man dies als Appell verstehen, die ohnehin überhöhten Zwangsgebühren für den ORF wenigstens ein wenig zu rechtfertigen. Sofern man nicht arbeiten muss und einen Fernseher oder Computer besitzt.

Raimund Tschako Jäger

Hinweis: Der Inhalt dieser Kolumne muss nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

raimund.jaeger@medienhaus.at

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