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Ein Zentrum für Kunst und Kultur

In Hohenems öffnet heute das Kulturzentrum seine Pforten. 20 Jahre mussten Bernhard Amann und seine Mitstreiter darauf warten.

Michael Prock

Bernhard Amann sitzt an seinem mit Papierkram bedeckten Schreibtisch. Nur an wenigen Stellen schimmert das Holz des Tisches durch den Blätterwald. Zwischen den Bergen von Papier ragt ein großer ,weißer Bildschirm empor, der eigentlich gar nicht zum 1904 erbauten Haus passt. Der Hohenemser zieht genüsslich an seiner Zigarette. „Nach 20 Jahren Planung haben wir es endlich geschafft. Das Kulturzentrum wird Realität“, erzählt er stolz. Heute um 10 Uhr eröffnet das Kultur- und Kommunikationszentrum in Hohenems.

Der Weg dorthin war ein Langer. 1992 gründete eine kleine Gruppe den Kulturverein Transmitter zur Implementierung einer interdisziplinären Kultur- und Kunstszene. Doch die geplanten Projekte kamen nicht zustande. Stattdessen demonstrierte der Verein Jahr für Jahr eine Woche lang, wie ein selbstorganisierter Kulturbetrieb ausschauen würde. 20 Jahre und unzählige harte Arbeitsstunden später sieht das Ergebnis so aus: Auf 650 Quadratmetern erstrecken sich 21 Räume, die durch verwinkelte Gänge und Treppen verbunden sind. Über 180 Kubikmeter Müll mussten die rund 20 Freiwilligen aus dem alten Haus in der Kaiser-Franz-Josef-Straße schleppen. Jedes Zimmer wurde in Eigenregie renoviert. Ab heute sollen Jung und Alt diese Räume mit Leben füllen. Engagierte Menschen, die sich aktiv beteiligen und zusammen dieses generationsübergreifende Freiraumprojekt gestalten. Bernhard Amann wird enthusiastisch, als er das Konzept des Kulturzentrums erklärt: „Es soll ein Gegenkonzept zur generell vorherrschenden kommerziellen Kultur- und Politikverblödelungsmaschinerie darstellen.“ Seine Stimme wird lauter. Wer ihn kennt weiß um seinen Idealismus: „In der Politik wird nur geredet. Menschen müssen handeln, sich aktiv bei der Gestaltung einer besseren Welt beteiligen.“ Er zitiert Christoph Schlingensief, der erklärte, dass nur in einem kleinen Rahmen neue Lebensentwürfe erarbeitet werden können.

Insgesamt 21 Räume

Dann beruhigt sich der schlanke, langhaarige Vollblutpolitiker wieder. 16 der 21 Räume sind bereits fertig gestellt. Einer ist für Radio Proton vorgesehen. Der Sender wird nicht nur produzieren, auch Workshops für Kinder und Jugendliche sind geplant. Im Dachgeschoss befindet sich der Musikraum, daneben die Küche. Hier darf sich jeder zu günstigen Preisen etwas kochen. „Eine Volxküche, also Essen für alle“, erklärt Amann. In einem anderen Trakt befinden sich die Kinderbetreuungsräume sowie ein Lern- und Übungszimmer. Im Erdgeschoss fällt vor allem der hell erleuchtete große leere Raum auf.

Geld soll keine Rolle spielen

Dieser trägt den Titel „Zack und Poing!“-Raum und beherbergt den Verein zur Förderung von Artistik, Bewegungskunst und Kultur. Daneben das Herzstück des Gebäudes: Das ehemalige Emsigen-Beisl. Es präsentiert sich nun heller und größer. Hier sind Veranstaltungen geplant. „Aber nicht wie bei anderen ehemaligen Kulturbetrieben, bei denen es jetzt nur noch ums Geld geht. Sprich: Bands einkaufen und verkaufen“, stellt Amann klar.

Die ehrenamtlichen Helfer haben tolle Arbeit geleistet. Trotzdem hat so ein Vorzeigeprojekt auch seinen Preis. Das gesamte Budget des Transmitter-Festivals verwendete der Verein für Miete, Betriebskosten und Sanierung des teilweise morsch gewordenen Holzhauses. Darum wurde das Festival dieses Jahr gestrichen, 2013 soll es aber wieder wie gewohnt über die Bühne gehen. Insgesamt rechnet Amann mit jährlich circa 70.000 Euro, um das Projekt am Leben zu erhalten. Ein Projekt, das sich im ständigen Wandel befinden wird. Was genau in den Räumlichkeiten passieren wird, entscheiden die Menschen, die sich daran beteiligen. Amann wird dabei nur eine untergeordnete Rolle einnehmen.

Hilfe für Kunstschaffende

Er ist für die Administration verantwortlich, natürlich ehrenamtlich. Auch eine beratende Rolle wird er einnehmen. Er wird Künstlern und Kulturschaffenden bei organisatorischen Fragen zur Seite stehen. Nicht wie verkauft wird, oder wie es Amann ausdrückt: „Nicht für die Komerzschaßpartie!“ Mit diesen Worten drückt er seine Zigarette aus und widmet sich wieder seinem großen, weißen Bildschirm.

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