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Hoch hinaus mit Angeboten für Jung und Alt

Nachwuchssorgen haben die Verantwortlichen des Alpenvereins in Vorarlberg nicht. Und – zumindest ideell – ein hohes Vermögen.

Sonja Schlingensiepen

Wer zur Geschäftsstelle des Alpenvereins will, muss zunächst durch die Boulderhalle. Diese erstreckt sich im Gebäude an der Bludenzer Untersteinstraße vom Erdgeschoss bis in den obersten Stock. Zwischen 6 und 22 Uhr können die Kletterbegeisterten dort dem Sport frönen, die Kletterkünste verbessern, Schwierigkeiten meistern.

Im ersten Stock hat auch Rainer Schlattinger, Geschäftsführer des Österreichischen Alpenvereins Vorarlberg, seinen Arbeitsplatz. Zusammen mit den Mitarbeiterinnnen Silvia, Hedwig und Susanne lenkt er die Geschicke des Vereins.

22.000 Vorarlberger dabei

Knapp 22.000 Mitglieder zählt der Landesverband Vorarlberg. „Schon aufgrund des Versicherungsschutzes und der Ermäßigung, die es auf den Hütten gibt, haben wir viele Mitglieder“, weiß der Geschäftsführer.

Nachwuchssorgen haben die Verantwortlichen des Alpenvereins nicht. Fast 30 Prozent der Mitglieder sind unter 27 Jahre alt. „Ich denke, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagt Schlattinger. Mit zahlreichen Kletterangeboten in den 15 Alpenvereins-bezirken sowie etlichen Kletteranlagen – wie eben der in der Untersteinstraße – werde gerade für die Jugendlichen viel geboten. „Die Jungen fühlen sich vor allem durch den Klettersport angezogen. Aber auch für kleine Wanderer, Familien oder Senioren haben wir unterschiedliche Angebote“, erklärt Schlattinger. Geführte Bergtouren, Ausflüge mit dem Mountainbike oder auch Lawinenkurse zählen dazu.

700 Ehrenamtliche sind beim Alpenverein in Vorarlberg tätig. „Sie opfern sehr viel Zeit. Der Alpenverein lebt von dem Engagement, speziell, was die Bereiche Tourenveranstaltungen und Wegebetreuung betrifft.“ Rund 400 Kilometer Wanderwege werden regelmäßig kontrolliert und ausgebessert.

Ebenfalls in den Händen der Verantwortlichen des Landesverbands liegt die Betreuung der acht Alpenvereinshütten. Die Sarotlahütte, die Tilisunahüttte, die Totalphütte, die Hochälpelehütte, die Fraßenhütte, das Freschenhaus, die Heinrich-Hueter-Hütte und die Lustenauerhütte sind noch im Besitz des Vereins.

Engagierte Unternehmer

„Die Sarotlahütte war eine Schenkung der Bludenzer Unternehmerfamilie Familie Getzner, die sich, ähnlich wie die Familie Gassner, sehr engagiert hat. Die Fraßenhütte wiederum war das Gemeinschaftswerk beider Familien – zu Gunsten des Alpenvereins. Die Tilisunahütte haben wir selbst gebaut, die Totalphütte haben wir von den Illwerken übernommen. Das war eigentlich eine Baubaracke, die wir nach und nach umgebaut haben,“ berichtet Andreas Schmidt, Obmann von Alpenverein Vorarlberg.

Andere Hütten wiederum wurden vom Alpenverein gebaut und im Laufe der Jahre wegen Geldmangels weiterverkauft – wie beispielsweise die Douglashütte am Lünersee. „Die haben wir an die Illwerke verkauft, weil die Investitionen einfach nicht machbar waren. Dieses Problem wird uns auch in nächster Zeit beschäftigen. Die Bauten sind rund 100 Jahre alt. Es gibt viele Auflagen der Behörden zu erfüllen wie zum Beispiel in den Bereichen Brandschutz, Wasserrecht, Arbeitnehmerschutz oder Betriebsanlagengenehmigung. Hinzu kommen die Gäste, die einen gewissen Komfort fordern. Die wollen nicht in Matratzenlagern, sondern lieber in Zweier- oder Vier-Bettzimmern schlafen“, erklärt Schmidt.

Im großen Stil zu investieren, erachten die Verantwortlichen der Alpenvereine als nicht sehr sinnvoll. „Wir wollen nicht in Konkurrenz treten zu Alpengasthöfen oder anderen. Und wir wollen keine Hotels in die Berge bauen, denn auch das Thema Naturschutz ist uns sehr wichtig“, betonen Schmidt und Schlattinger.

Bereits 1927 wurde der Naturschutz in die Statuten aufgenommen. In Zeiten von geplanten Schiverbindungen und anderen Bauvorhaben ist der Gedanke wichtiger denn je. „Wir sind nicht nur der größte Bergsportverein im Land, sondern auch die größte Naturschutzorganisation“, erklärt Schlattinger. Die Frage sei, ob Natur erschlossen, gangbar gemacht werde. „Da gibt es bei vielen Themen gewisse Reibungspunkte – auch innerhalb des Vereins, da wir Mitglieder haben, die im Tourismusbereich arbeiten. „Damit die Natur nicht auf der Strecke bleibt, sieht sich der Alpenverein primär auch als Anwalt der Alpen.“

Was den Umweltschutz betrifft ist die Alpenkonvention so etwas wie ein „Gebetsbuch“. „Wir investieren Geld für umweltgerechte Hütten, bauen Photovoltaikanlagen auf die Dächer der Unterkünfte und schauen, dass diese energieeffizient saniert und betrieben werden.“

Diese sanierten Hütten sieht Schmidt wiederum als wertvolles Gut. „Dass der Alpenverein ein reicher Verein ist, stimmt eigentlich nicht. Wir lassen uns die Sanierungen unserer Immobilien einiges kosten. Wenn man diese Hütten als wertvoll betrachtet, dann haben wir jedoch zumindest ideell ein hohes Vermögen.“

n Ab sofort erscheint die neue Serie „Verein(t) erleben“ jeden Freitag in der NEUE Vorarlberger Tageszeitung.

In der Akademie der Wissenschaften in Wien gründen drei Studenten im Jahr 1862 den Österreichischen Alpenverein. Dieser entwickelt sich zum vielseitigen Kulturverein. Es gibt Kritik an der wissenschaftlich-publizistischen Ausrichtung. Konsequenz ist die Gründung des Deutschen Alpenvereins im Jahr 1869. Im ersten Jahr gibt es 15 Sektionen, darunter Frankfurt, Heidelberg, München, Salzburg, Innsbruck und Vorarlberg.

1873 verschmelzen die beiden Vereine bei einer gemeinsamen Jahreshauptversammlung in Bludenz zum Deutschen und Österreichischen Alpenverein.

Die Sektionen wählt sich ihr Arbeitsgebiet im Gebirge, wo sie Hütten und Wege errichten. Innerhalb der ersten 50 Vereinsjahre werden 319 Hütten erbaut, Rettungsgeräte deponiert, Führer und Hüttenwirte als Ersthelfer ausgebildet.

Bereits 1927 ist der Naturschutz wichtig. In der Satzung wird festgehalten, die „Schönheit und Ursprünglichkeit der Berge“ zu erhalten. Es gibt Konflikte wegen Erschließungen, Seilbahnen, Kraftwerken.

Während des Nationalsozialismus wird der Antisemitismus zum „Mainstream“, Juden werden ausgeschlossen. Der Deutsche Alpenverein wird in den Reichsbund für Leibesübungen integriert.

Der Österreichische Alpenverein besteht nach 1945 als eben dieser in Österreich weiter. 1946 wird der Alpenverein Südtirol neu gegründet, 1950 der Deutsche Alpenverein. Ab 1955 erfolgt die Rückgabe der deutschen Hütten.

Im Laufe der Jahre werden professionelle Strukturen aufgebaut. Heute ist der Österreichische Alpenverein mit 360.000 Mitgliedern der größte alpine Verein Österreichs. Er ist unterteilt in 197 Sektionen und acht Landesverbände.

22.000 Mitarbeiter und Funktionäre sind im Verein tätig. Betreut werden 241 Schutzhütten mit 13.000 Schlafplätzen sowie 40.000 Kilometer Wanderwege und mehr als 200 Kletteranlagen.

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