Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

tierklinik cepicka

„Körpergröße und Kraft sind nicht alles“

Gabi Cepicka (42) war eine der ersten Großtierärztinnen des Landes. Gemeinsam mit ihrem Mann Albert (47) führt sie eine Tierklinik in Schlins.

Michael Steinlechner

Vor 16 Jahren sind Gabi und Albert Cepicka als frischgebackene Tierärzte in Vorarlberg angekommen. Die Gemeinde Schlins sollte nach Abschluss des Studiums die private und berufliche Heimat des Paares werden. Sechs Jahre lang waren die beiden Teilhaber an der Tierklinik, dann haben sie diese selbst übernommen. „Bei der Bewerbung hatten wir zuerst gar keine großen Hoffnungen, überhaupt den Job in Schlins zu bekommen. Es wurde nämlich ein Tierärzte-Ehepaar gesucht. Und verheiratet waren wir damals noch nicht“, sagt der 47-Jährige. Ihre Stellensuche war dennoch erfolgreich, und die beiden Ostösterreicher wurden im Ländle gut aufgenommen. „Richtig heimisch habe ich mich allerdings erst gefühlt, nachdem unser erstes Kind geboren war. Da sind nämlich die Menschen plötzlich auf uns zugekommen und haben uns gefragt wie es dem Kleinen geht“, sagt Albert und schmunzelt.

Kennengelernt haben sich der Wiener und die Nieder­österreicherin während des Studiums an einem nicht gerade romantischen Ort: in einem Schlachthaus. Dort absolvierten sie gemeinsam ein Praktikum. „Ich hatte Gabi natürlich vorher schon an der Uni gesehen. Gefunkt hat es erst, als wir zusammengearbeitet haben.“

Heute teilt sich das Ehepaar die Arbeit. Die Domäne des 47-Jährigen sind die Kleintiere, die er in der hauseigenen Praxis in Schlins betreut. Gabi konzentriert sich eher auf „Stallbesuche“. Ihre Spezialität ist die Behandlung von Groß- und Nutztieren. „Das war eigentlich immer schon mein Traum“, sagt die 42-Jährige, die auf dem Land groß geworden ist. Schwierigkeiten, von den Landwirten akzeptiert zu werden, hatte sie nicht. Obwohl sie beim Start im Ländle eine der ersten Frauen in diesem Beruf gewesen ist.

Kostenfaktor

„Viele junge Menschen meinen, dass der Tierarzt der beste Freund des Bauern ist und quasi zu dessen Familie gehört. Dem ist aber nicht so. Vielmehr ist unsere Arbeit gerade in den vergangenen Jahren für viele Landwirte zu einem Kostenfaktor geworden.“ Für die Bauern werde es immer schwerer, angemessene Preise für ihre Produkte zu erzielen. Selbst die Tiere hätten heute viel weniger Wert als noch vor einigen Jahren. „Da ist es natürlich ungünstig, wenn etwa die Behandlung einer Kuh mehrere Wochen oder sogar Monate dauert. Gerade in solchen Fällen ist es wichtig, als Arzt zu erkennen, was man geleistet hat. So kann man sich selbst die Bestätigung geben, die oft ausbleibt.“

Berufswahl nicht bereut

Früher sei der Mediziner oft als Vertrauter und Helfer gesehen worden. „Heute halten uns viele für den Kontrolleur. Weil wir eben auch Dinge berücksichtigen müssen wie etwa die Lebensmittelhygiene oder welche Medikamente einem Tier verabreicht werden dürfen“, erklärt Gabi. Ihre Berufswahl hat sie dennoch nicht bereut. „Ich bin gerne draußen bei den Landwirten. Es gibt nicht viel Schöneres als einem kranken Tier zu helfen.“

Für die 42-Jährige ist die Arbeit mit den Kühen, Pferden oder Lamas nichts Ungewöhnliches. „Eine gewisse Körpergröße und Kraft sind bei meiner Tätigkeit sicherlich von Vorteil, aber keinesfalls Grundvoraussetzung. Mit Hilfe der richtigen Technik lässt sich vieles kompensieren“, sagt die gebürtige Niederöster­reicherin. Die Arbeit führt Gabi oftmals an entlegene Orte. So ist sie jedes Jahr einmal auf einer Alpe oberhalb des Lünersees. „Da fahren wir dann mit dem Boot über das Wasser und werden mit dem Motorrad abgeholt.“ Da viele dieser Einsätze einige Zeit beanspruchen, sind in der Großtierpraxis mit Eva Mayer und Gerhard Fruhauf noch zwei weitere Tierärzte beschäftigt. Auch Albert hilft bei Notfällen gerne aus. Diesem bereitet die Arbeit außerhalb der Praxis besondere Freude. „So eine Geburt auf der Alpe ist etwas Einzigartiges“, sagt er.

Ansonsten kümmert sich der Wahl-Schlinser eher um kleinere Vierbeiner. Hunde und Katzen machen einen großen Teil seiner Patienten aus. „Dabei ist es wichtig, dem Besitzer die richtigen Fragen zu stellen. Es gibt zwar Untersuchungsmethoden wie Röntgen oder Ultraschall. Eine gute Beschreibung der Krankheitssymptome ist bei der Diagnose aber genauso hilfreich“, erläutert Albert. Bei vielen besorgten Herrchen und Frauchen sind die psychologischen Fähigkeiten des Mediziners gefordert. „Viele Haustiere sind Familienmitglieder. Und wenn diese krank sind, sind die Ängste und Sorgen groß. Und dann muss ich beruhigend auf die Halter einwirken.“

Familienalltag

Die Arbeitsteilung mit seiner Ehefrau empfindet der 47-Jährige als angenehm. „Vor allem weil wir die Nöte des anderen verstehen. Etwa wenn wir außerhalb der Arbeitszeiten zu Notfällen gerufen werden.“ Die berufliche Tätigkeit war für das Ehepaar nicht immer leicht in den Familienalltag zu integrieren. Eine Tagesmutter betreute die beiden Kinder – Johannes (14) und Katharina (11) – während die Cepickas bei der Arbeit waren. „Wir wussten, dass die Kleinen in guten Händen sind.“ Einen Vorteil genoss zumindest Albert: Seine Praxis ist im Wohnhaus untergebracht.

Und der Beruf der Eltern hatte Auswirkungen auf die Karrierepläne des Nachwuchses. „Ich denke, wir haben die beiden von dem Bedürfnis ‚geheilt‘, Tierärzte werden zu wollen. Sie haben gesehen, wie viel Arbeit dahintersteckt und wie wenig Zeit für ein Privatleben bleibt“, sagt der gebürtige Wiener und schmunzelt. Sohn Johannes möchte zwar ebenfalls studieren, aber seine Wahl ist auf Jus gefallen. „Er hat auch lange kein Mobiltelefon gehabt. Wohl, weil er bei uns erlebt hat, wie stressig es sein kann, permanent für alle erreichbar zu sein.“

Eines haben jedoch alle Familienmitglieder gemeinsam: die Liebe zu den Tieren. So ist es kein Wunder, dass im Garten der Cepickas unterschiedliche Zwei- und Vierbeiner herumwuseln. Neben dem Hund und der Katze sind dies einige Hühner, ein Hahn sowie ein Hase. Selbst Großtierärztin Gabi verbringt gerne Zeit mit den tierischen Mitbewohnern. Die Stelle ihres Mannes würde sie jedoch nicht übernehmen. „Ich behandle ausschließlich Groß- und Nutztiere“, sagt sie und lacht.

tierklinik cepicka

Standort: Gabi und Albert Cepicka, Walgaustraße 19, Schlins

Großtierpraxis unter der Leitung von Gabi Cepicka,Kleintierpraxis unter der Leitung von Albert Cepicka.

Mitarbeiter: Johanna Begle, Gerhard Fruhauf, Eva Mayer, Astrid Enzenhofer und Daniela Häusle.

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.