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Mehrerau: „Missbrauch zu wenig ernst genommen“

Altabt räumte als Zeuge in Schadenersatzprozess eines Missbrauchs­opfers Fehler ein: Pater wurde trotz Missbrauch-Vorstrafe Internatsleiter.

Seff Dünser

Er habe den „Missbrauch offenbar zu wenig ernst genommen“, gab der Mehrerauer Altabt Kassian Lauterer gestern als Prozesszeuge am Landesgericht Feldkirch zu. 1967 wurde ein Mehrerauer Pater wegen sexuellen Missbrauchs eines nicht im Kloster lebenden Jugendlichen aus Bregenz am Landesgericht zu einer bedingten Haftstrafe von vier Monaten verurteilt. Der Geistliche durfte dennoch im Kloster 15 weitere Jahre tätig sein, dann als Lehrer und Erzieher. Erst 1982 wurde der damalige Internatsleiter von der Mehrerau abgezogen, aber nicht bei der Polizei angezeigt – nach einem neuerlichen Fall von sexuellem Missbrauch.

Ein damals 15-jähriger Internatsschüler aus Liechtenstein wurde nach eigenen Angaben vom Regens vergewaltigt. Der Pater, der sich versteckt hält, soll das zugegeben haben. Das Opfer fordert nun in einem Zivilprozess am Landesgericht vom Kloster als Schadenersatz eine sechsstellige Summe.

Unter dem Vorsitz von Richterin Birgit Vetter wird es zur Einvernahme weiterer Zeugen noch eine Verhandlung geben. Mehrerau-Anwalt Bertram Grass hält die geltend gemachten Ansprüche für verjährt. Klagsvertreter Sanjay Doshi hingegen meint, es gelte doch die noch nicht abgelaufene Verjährungsfrist von 30 Jahren – weil der Regens ein sogenannter Machthaber im Kloster gewesen sei, der als Internatsleiter weitreichende Befugnisse gehabt habe. Der Altabt habe das in seiner eineinhalbstündigen Einvernahme „zu verwässern“ versucht.

Altabt räumte Fehler ein

Der 79-jährige Altabt räumte mehrmals ein, Fehler gemacht zu haben. So habe er den Pater nicht zur Rede gestellt, als er über die polizeiliche Einvernahme im Missbrauchsfall von 1967 erfahren habe. Erst 2004 will der von 1968 bis 2009 amtierende Abt bei seiner Zeugeneinvernahme durch das Landeskriminalamt von der gerichtlichen Verurteilung des Paters informiert worden sein.

Das Sexualdelikt von 1982 habe er nicht hinterfragt: „Ich habe mir keine Vergewaltigung vorstellen können.“ Er sei davon ausgegangen, der Schüler sei lediglich nackt fotografiert worden. Der Täter habe jene Mehrerauer Pfadfindergruppe geleitet, der das Opfer angehörte. Der Internatsschüler verließ nach dem letzten von mehreren brutalen Übergriffen die Mehrerau.

Der Pater wurde als Pfarrer in eine Tiroler Gemeinde versetzt. Ausgerechnet dort hielt dann die Mehrerauer Pfadfindergruppe ein Sommerlager ab.

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