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MEF Höchst

Miniwelt mit höchster Detailtreue

Im „Untergrund“ des Höchster Gasthauses „Schwanen“ ist eine Miniaturwelt versteckt. Ältere „Buben“ haben sich hier einen Kindheitstraum erfüllt: eine detail­getreue Anlage der Modelleisenbahnfreunde (MEF) Höchst.

Heidrun Joachim

Unser Verein ist der jüngste im Ort. Aber nicht vom Alter der Mitglieder her, sondern vom Zeitraum des Bestehens. Er ist erst vor sechs Jahren gegründet worden“, erzählt Obmann Alois Humpeler (72) und lacht. Die Idee, einen solchen Modelleisenbahn-Verein aus der Taufe zu heben, wurde im Jahr 2005 geboren. Otto Nigsch (52), Johann Hirschbichler (66) und Alois Humpeler kamen ins Gespräch über das Hobby Modelleisenbahn und meinten, von ihrer Sorte müsse es doch noch mehr in Höchst geben. „Wir starteten einen Aufruf, um Gleichgesinnte zu suchen. Wir wollten schauen, ob Interesse da ist“, erinnert sich Humpeler an den Beginn. Bereits zum ersten Treffen im Oktober 2005 kamen elf Leute. Von Anfang an mit von der Partie war auch OSR Herbert Huber (64), der heutige Schriftführer.

Treffen im „Schwanen“

Weitere Treffen, immer im „Schwanen“, folgten. Um aber den Kindheitstraum wieder aufleben zu lassen, musste eine entsprechende Räumlichkeit her. Nach zunächst erfolgloser Suche wurden die Modellbahn-Freaks endlich fündig: „Die ,Schwanen’-Wirtsleute, Doris und Othmar Schneider, haben uns den Raum der alten Kegelbahn angeboten. Der wurde damals als Abstellfläche genutzt. Im Mai 2006 haben wir dann den Kellerraum angemietet. Der Verein wurde am 26. Mai 2006 gegründet“, berichtet Humpeler.

Endlich konnte die Anlage gebaut werden. „Aber ganz so schnell ging das nicht“, sagt der Obmann. Denn vor dem Spaß stand die Mühsal. Der Raum war stark renovierungsbedürftig und musste auf Notwendigkeiten für den Bau einer Modellanlage eingestellt werden. Die Mechanik der stillgelegten Kegelbahn und die entsprechende Einrichtung waren auszubauen und zu entsorgen, der Boden zu sanieren und vor allem die elektrische Anlage neu zu installieren sowie Lampen zu montieren. Ende 2006 war es schließlich so weit: Der Raum präsentierte sich frisch gestrichen und bot Platz für eine Sitzecke sowie eine kleine Werkbank. Anfang 2007 erfolgte die Einweihung des Vereinslokals. „Mitgeholfen, dass dieses Werk gelungen ist, haben neben den Vereinsmitgliedern bis heute auch viele Sponsoren“, sagt Humpeler.

Planung

Modellbahnbauer sind „Nietenzähler“. Da wird nicht einfach losgelegt mit dem Bauen. Denn die Hobbyeisenbahner lassen ihre detailget­reuen Nachbildungen nicht einfach im Kreis herum fah­ren. Zuerst wurde also geplant – unter der Leitung von „Bauchef“ Otto Nigsch. „Die Anlage muss ja in den Raum passen. Klarheit sollte zudem darüber herrschen, was wo eingepasst wird“, erklärt Humpeler. Auch das wurde gemeinsam in aller Ruhe über die Runden gebracht, und im Mai 2007 begannen die Vereinsmitglieder mit dem Bau der H0-Anlage. Konzipiert ist die Miniwelt als sogenannte Rundumanlage. In Modulbauweise ist und wird diese von den Tüftlern individuell gestaltet. Fingerspitzengefühl und Genauigkeit sind gefragt, müssen die Schienen doch auf den Zehntel-Millimeter zusammenpassen. Die winzigen Menschen, die sich auf dem Gelände tummeln, wirken lebensecht. Da gibt es etwa Arbeiter, deren winziges Schweißgerät Funken sprüht. Oder einen Friedhof mit roten Grablichtern. Oder Vogewosi-Wohnungen mit einem Tennisplatz.

Wenn die Bahnen fahren, dann sind die Geräusche wirklichkeitsgetreu zu hören. Alles, was zu sehen ist, wurde im Maßstab 1:87 gebaut. Mit jedem Blick ist Neues zu entdecken, was von der Geschicklichkeit und der Fantasie der Modellbauer zeugt. Was eigentlich als Spiel begonnen hat, ist zu einer mit Hingabe betriebenen Leidenschaft geworden. „Schuld“ daran ist natürlich auch die Technik-Verliebtheit.

Und das, was da in unzähligen Stunden emsiger Arbeit, mit handwerklichem Geschick und enormer Detailtreue entstanden ist, bringt auch den Laien zum Staunen. Insgesamt 3700 Stunden wurden bisher investiert, um über 100 Meter Modellbahngleis im abwechslungsreich gestalteten Gelände zu verlegen. Die Anlage beeindruckt zudem durch manche lokale Idee. Da gibt es den Bahnhof „Brugg am Rhein“, eine Fahne mit Höchster Wappen ist ebenso zu sehen wie der Höchster Kirchturm. Die Miniatur-Zuggarnituren sind mit Logos heimischer Unternehmen versehen. „Wir sind froh, dass wir so viele Sponsoren haben“, sagt Vereinsobmann Humpeler.

Jetzt herrscht auf den Gleisen geregelter Fahrbetrieb. Völlig neu gestaltet ist die Beleuchtung: Der Raum lässt sich abdunkeln, und dann erstrahlen Lichter im mit Felsen und Mauern gestalteten Gelände, in den Gebäuden, in Zügen und Autos. Bis zu vier Zugsgarnituren gleichzeitig sind auf der H0-Spur unterwegs. Zwei Schattenbahnhöfe im Hintergrund – einer davon mit Zugförderungsanlage – ermöglichen den laufenden Wechsel. 26 verschiedene Züge können gezeigt werden. „Dem Verein selbst gehören nur wenige Garnituren. Alle anderen stellen die Mitglieder“, berichtet Humpeler. Befahren wird die H0-Anlage digital mit Gleichstrom. Fünf Personen braucht es, um die gesamte Anlage in Betrieb zu nehmen, 36 Zug-Garnituren können insgesamt fahren.

Aktive Jugendgruppe

Heute gehören dem Verein 16 Mitglieder an. Die Männer kommen aus den unterschiedlichsten Berufen. Unter ihnen sind ein ehemaliger Volksschuldirektor, ein Textilhändler, ein Messner und ein Bestatter. Seit 2008 gibt es auch eine Jugendgruppe. Neun Buben und ein Mädchen im Alter von zehn bis 15 Jahren treffen sich einmal in der Woche, um an ihrer eigenen Anlage mit dem Thema „Wilder Westen“ zu basteln. Regie führen Otto Nigsch und Johann Hirschbichler. Inzwischen sind ein Fort, ein Indianerdorf und weitere Bauten zu bewundern.

Alles, was im Vereinslokal zu sehen ist, ist winzig. Nur das Ortsschild „Schwanenstadt“ ist original groß. „Das Schild habe ich bei eBay ersteigert. Der Verkäufer konnte das sperrige Ding nicht per Post versenden. Da hat er sich in den Zug gesetzt und mir die Tafel am Bahnhof Dornbirn gegen einen Transportkosten-Beitrag übergeben“, erzählt Alois Humpeler. „Schwanen“-Wirt Othmar Schneider erhielt das Schild als Geschenk zum 60. Geburtstag. Inzwischen markiert es den „Hauptbahnhof“ der Modellbahnanlage.

Neues Vorhaben

Und ist die Anlage nun fertig? „Nein, das ist sie nie. Es gibt immer etwas zu verändern, zu verbessern. Und wir tüfteln schon an einer neuen Idee“, verrät Humpeler. Mitte des vorigen Jahrhunderts gab es den Plan, im Rheindelta eine große Hafenanlage zu errichten. Lastschiffe sollten über Schleusen beim Rheinfall in den Bodensee gehoben werden. Der Umschlag von Rohstoffen vom Schiff auf die Bahn sollte beim Rheinschifffahrtshafen Gaißau-Höchst erfolgen, die Gleisverbindung war am Damm des Alten Rheins geplant. Der Plan verschwand wieder in der Schublade. Die Vereinsmitglieder haben ihn wieder ans Licht geholt und wollen nun Hafen samt Gleisanschlüssen nachbauen.

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