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Jägerlatein

SOKO Sibratsgfäll

Das Fernsehprogramm wird seit Jahren immer schlechter. Jetzt war es auch in den 70er- oder 80er-Jahren nicht so, dass sich Filme von Bergman, Buñuel und Hitchcock gegenseitig die Zuschauer abspenstig machten, weil sie zeitgleich liefen. Aber da es damals noch üblich war, zwischen acht Uhr vormittags und Mitternacht zu senden, musste nicht so viel Zeit „gefüllt werden“. Seit dem zweiten Irak-Krieg (den ja auch via TV niemand versäumen wollte) senden jedoch alle Sender rund um die Uhr und das merkt man dem Programm auch an.

Ärgerlich sind ständige Wiederholungen, etwa der durchaus erheiternden US-Serien „Mein cooler Onkel Charlie“, „Malcolm mittendrin“ oder „Scrubs – Die Anfänger“. Zwar sind diese allesamt witzig, aber bei der Viertausstrahlung mag man dann doch nicht mehr so richtig mitlachen. Deutschsprachige Komikkost ist dagegen schwierig; deutsche Comedians passen sich zunehmend dem Niveau der auch untertags konsumierenden Hartz-IV-Empfänger an, während hoch gelobte österreichische Machwerke wie „Braunschlag“ einmal mehr (man erinnere sich an Kottan) die Skurrilität übertreiben und daher an Witz verlieren. Aber ein Phänomen (weitere wären die ständigen Kochsendungen sowie die gefakten Gerichtsverhandlungen) erstaunt mich wirklich: Morde in Kleinststädten.

Mittlerweile ermitteln oder ermittelten die „Garmisch Cops“ in der Alpenmetropole Garmisch Partenkirchen (26.000 Einwohner), der „Bulle von Bad Tölz“ (18.000 Einwohner) sowie die „SOKO Kitzbühel“ in der mit 8.000 Einwohnern nun wirklich recht überschaubaren Gemeinde. Lassen wir Greise und Kinder mal außen vor, so bräuchte es cirka 5000 Folgen, um das Skiparadies völlig zu entvölkern. Dies würde bei wöchentlicher Ausstrahlung etwa im Jahre 2500 passieren, die ermittelnden Beamten inklusive. Tatsache ist aber, dass es in Garmisch, Tölz und vor allem Kitzbühel ausschließlich Alkoholleichen gibt (meist wenn in diesen Orten Skiprofis über schneebedeckte Hänge jagen), aber kaum Mal Mordfälle. Selbst in deutlich größeren Orten wie Bregenz oder auch Inns­bruck ist es ein absolutes Medienereignis, wenn ein Mord geschieht – man erinnere sich an den „Fall Cain“.

Den meisten TV-Konsumenten scheint dies egal zu sein, Hauptsache man erschießt, ersticht oder erwürgt das Opfer in malerischer Kulisse. In diesem Sinne müssten Serien wie „SOKO Sibratsgfäll“, „Einsatz in Zürs“ oder die „Klostertal Cops“ unglaubliche Einschaltquoten erreichen, denn punkto Landschaft und auch spinnerter Bewohner nehmen es der Bregenzerwald oder die Arlbergregion mit Gemeinden aus dem Tirol oder Bayern allemal auf. Und im Gegensatz zu Metropolen wie San Francisco (Monk) oder New York (Kojak) müssen die Ermittler nicht neurotisch sein – da reichen uns die Ureinwohner.

Raimund Tschako Jäger

Hinweis: Der Inhalt dieser Kolumne muss nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

raimund.jaeger@medienhaus.at

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