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Freispruch: Autofahrerin wählte das kleinere Übel

Um Frontalkollision mit Inlineskater in der Dunkelheit zu vermeiden, wich überholende Pkw-Lenkerin aus und prallte gegen anderes Auto.

Seff Dünser

Der angeklagten Autofahrerin könne bei dem ungewöhnlichen Verkehrsunfall „kein Fehlverhalten“ nachgewiesen werden, sagte Richterin Christine Gstrein. Sie sprach gestern am Landesgericht Feld­-
kirch die unbescholtene Pkw-Lenkerin aus dem Bregenzerwald vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung unter besonders gefährlichen Verhältnissen im Zweifel frei. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

„Wie aus heiterem Himmel“, so die Richterin, sei am 22. Oktober 2011 in der abendlichen Dunkelheit auf der Bödelestraße in Dornbirn ein talwärts und unbeleuchtet fahrender Inlineskater aufgetaucht. Die 68-jährige Lenkerin befand sich mit ihrem Pkw beim Überholen eines Autos auf der Gegenfahrbahn.

Seine Mandantin habe sich „für das kleinere Übel entschieden“, sagte Verteidiger Dietmar Fritz. Um eine Frontalkollision mit dem entgegenkommenden Inlineskater zu vermeiden, wich die Autofahrerin nach rechts aus. Dabei prallte sie gegen das zu überholende Auto. In diesem Fahrzeug brach sich die 39-jährige Beifahrerin zwei Rippen. Ihr am Steuer sitzender Gatte (37) kam bei der Kollision mit leichten Blessuren davon.

Der Inlineskater riss den Außenspiegel des Autos der Angeklagten weg, kam zu Sturz und brach sich einen Arm. Er sei der „eigentliche Unfallverursacher“ gewesen, sagte der Anwalt der Angeklagten. Der 20-jährige Bregenzerwälder ist aber inzwischen verstorben. Er starb, ebenso wie der Pilot, am 23. März in Bregenz bei einem Absturz eines Kleinflugzeugs in den Bodensee.

Die mit Abblendlicht fahrende Autolenkerin habe auf das unvermittelt vor ihr auftauchende „dunkle Hindernis prompt reagiert“, bescheinigte ihr der verkehrstechnische Sachverständige Christian Wolf. Der Gutachter widersprach damit der Staatsanwaltschaft, die eine unaufmerksame Fahrweise annimmt. Ein Tempoverstoß war der Angeklagten nicht nachzuweisen. Sie fuhr nach eigenen Angaben mit den erlaubten 60 km/h.

Alkoholisierung

Beinahe zum Verhängnis wurde der Pensionistin strafrechtlich allerdings ihre Alkoholisierung. Das Gericht ging von 0,66 Promille aus, die der Gerichtsmediziner Walter Rabl für „gesichert“ hielt. Als „wahrscheinlich“ erachtete der Sachverständige 0,91 Promille. Hätte das Gericht diesen Wert angenommen, würde das Urteil „wahrscheinlich anders aussehen“, sagte die Richterin. Denn ab 0,8 Promille gelte das Fahrverhalten als „beeinträchtigt“.

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