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Durch das Kuhloch in die Bürser Schlucht

Die Geschichtenerzählerin Hertha Glück kennt Wege und Stege und möchte zum Mitwandern anregen. Heute beschreibt sie eine leichte und zugleich sehr interessante Landschaftswanderung.

Beim Gemeindeamt Bürs wendet sich der Wanderer in Richtung Alvierbachbrücke und folgt der Straße entlang dem „Gitzischröfle“. Auf der Höhe des letzten Hauses zweigt links der Waldweg in Richtung Kuhlöcher ab. Auf diesem wundervollen Weg über Wurzelstöcke, vorbei an großen moosbewachsenen Steinen, ist schon nach wenigen Minuten die Autostraße erreicht.

Kaisereichen

Bevor der Wanderer wieder in den Wald „eintaucht“, ruft der „Platzgufel“ (Gufel stammt vom rätoromanischen cuvel – Höhle, eventuell in Verbindung mit dem nahen Kuhloch oder mit den Ofenlöchern, die von dort aus über einen schmalen Felssteig zu erreichen waren) Staunen hervor: Denn hier wurden zur Silbernen Hochzeit (24. April 1879) von Kaiser Franz Joseph zwei Eichen hintereinander gepflanzt. Seitdem wachsen und beeindrucken diese Kaisereichen die Menschen.

Wieder im Wald geht der Wanderer direkt auf das „Kuhloch“ im ehemaligen Flussbett der Alvier zu. Das „Kuhloch“ ist mit Bestimmtheit älter als die Bürser Schlucht, denn erst später hat der Alvier (von rätoromanischem aual aviert – offener Bach)offensichtlich einen anderen Abfluss gefunden.

Durch Felsspalten

Eine absolute Seltenheit, der Wanderweg führt durch die Felsspalten hindurch hin zu einer weiten offenen Lärchenwiese dem „Spial“. „Ob das auf der ,Spial‘ weidende Vieh bei Schlechtwetter hier einen geschützten Unterstand hatte oder ob tatsächlich eine zwischen den Konglomeratblöcken abgestürzte Kuh dem ‚Kuhloch‘ den Namen gegeben hat, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen“, berichtet Hertha Glück. Wenn man bei der offenen Wiese mit den Lärchen in Richtung Straße schaue, dann sei das Dach der Wolfgangskapelle zu entdecken. Gleich dahinter führt die Straße am Petrusstein vorbei.

Dieser geschichtsträchtige Stein ist es, der in der heutigen Sage eine Rolle spielt. „Darum sei an dieser Stelle auch erwähnt, dass es gut sein kann, dass Nüßle, der Held der Sage, da entlang vor den Teufeln hin­ab nach Bürs geflüchtet ist“, meint die Geschichtenerzählerin.

Beim Kuhloch beginnt auch der Geologische Lehrpfad und imponiert gleich weiter oben mit den „Aufreißenden Spalten – die Schrunden“. Die Informationstafeln begleiten den Wanderer auf dem Weg in und durch die Bürser Schlucht und erklären das heutige Landschaftsbild.

Vorab verläuft der Forstweg geradeaus und geht in den Schluchtweg über. Nun wird es abenteuerlich: Holztritte, Holzrundlinge als liegendes Geländer, große, lange Brücken über den tosenden Alvier, Felsnasen oder gar Felsengesichter, Baumbärte und mys­tische Baumwurzeln führen den Wanderer hinab in die Schlucht und entlang dem Flusslauf hinaus nach Bürs.

Bänke laden zum Verweilen ein, Sandbänke zum Spielen, Felsenhöhlen zum Verstecken und Steinformationen zum Träumen – Abenteuer für die ganze Familie sind möglich.

wandern mit Glück

Eine Reise in die eiszeitliche Vergangenheit

Besonderes: Der Weg durch die Kuhlöcher entlang dem Geologischen Lehrpfad und dann durch das Naturdenkmal Bürser Schlucht lässt den Wanderer in eine alte Landschaftsgeschichte eintauchen.

Anforderung: Wenig Höhenmeter in gemütlichen zwei Stunden geben Zeit für die Betrachtung des Naturwunders. Anziehen und mitnehmen: Gutes Schuhwerk, Regenschutz und vor allem Wanderstöcke, denn gerade in der Schlucht kann der Weg durch Nässe sehr rutschig sein.Start und Ende: Gemeindeamt Bürs.Wetter: Schön ist die Wanderung auch bei strömenden Regen – die richtige Kleidung braucht es.

Einkehren: BürsWichtig: Wegen des möglichen Steinschlages ist die Benützung des Weges durch die Bürser Schlucht nur auf eigene Gefahr erlaubt. Bitte die weiß-rot-weiße Wegmarkierung nicht verlassen.

Sage um die heutige Tour:
Das Teufelswirtshaus

An der rechten Straßenseite, in der Nähe der Wolfgangskapelle, auf dem Weg von Bludenz nach Bürserberg, steht der sogenannte „Petrusstein“, da soll sich dieses in einer Sage „verpackte“ Geschehen zugetragen haben. Vor Zeiten lebte in Brand ein armer, alter Bauer mit Namen Nüßle. Eines Tages wanderte er zum Bludenzer Jahrmarkt. Unterwegs kehrte er in Bürserberg beim Gamswirt ein, um mit ihm einen Kuhhandel abzuschließen. Nachdem sich die beiden auf den Preis geeinigt hatten, wurde der Handel noch mit dem üblichen Kauftrunk begossen.

Trotz stockdunkler Nacht machte sich dann der Bauer wieder auf den Weg und wanderte talauswärts. Da bemerkte er auf dem einsamen Waldweg plötzlich einen grellen Lichtschein, und zugleich tönte vom Wald Tanzmusik. Als er näher kam, sah er ein stattliches Wirtshaus, von dem er früher nie etwas gesehen hatte. Da trat auch schon der Wirt freundlich grinsend aus der Haustür und lud den Bauern ein: „Komm doch herein, Nüßle, und freu dich mit denen da drinnen. Heut kostet’s nichts, denn der Hörnlebub feiert Hochzeit.“ Das ließ sich der Bauer nicht zweimal sagen, und voller Neugier betrat er das Haus.

Im Wirtshaus ging es hoch her. Der Bauer aß und trank nach Herzenslust und schaute dem Treiben neugierig zu. Die Tanzpaare drehten sich wie wild. An einem großen Tisch erfreuten sich Gäste am Würfelspiel und schmissen mit Geld um sich, als wäre es Buchenlaub. Nüßle war aus dem Staunen noch nicht herausgekommen, da näherte sich ihm der Wirt. In den Händen hielt er ein Stück Papier und ein Messerchen, auf seinem rechten Ohr steckte eine große Krähenfeder. Verschmitzt blinzelte er den Bauen an, klopfte ihm auf die Schulter und meinte: „Schau, lieber Mann, so gut wie die da kannst du es auch haben, wenn du nur willst. Es ist ganz einfach. Du brauchst nur mit dem Messerlein die linke Hand ein wenig aufritzen, die Feder in die Blutstropfen zu tauchen und auf diesen Zettel deinen Namen zu schreiben. Das ist alles gut und tut gar nicht weh.“

Das kam dem Bauer nicht ganz geheuer vor. Da gab es keinen Zweifel mehr, vor ihm stand der Teufel, der seine Seele wollte. Nüßle ließ sich betören. Er dachte an die ewige Hungerleiderei zu Hause. Kaum bewusst, was er tat, griff er nach der Feder und wollte mit seiner Unterschrift in den Besitz all dieser Herrlichkeiten gelangen. Aber der Nüßle war es gewohnt, alles, was er unternahm, in Gottes Namen anzufangen. So sprach er auch jetzt, als ihm der höfliche Teufelswirt selbst den linken Arm etwas geritzt hatte und schon die Feder ansetzte: „Nun, schreib ich halt in Gottes Namen.“ Im selben Augenblick gellte ein ohrenbetäubendes Geheul. Das Haus krachte in allen Fugen, die Lichter stürzten herab, die Mädchen auf der Tanzfläche verwandelten sich in alte Hexen. Aus den Männern wurden lauter langschwänzige Teufel, und allerhand Getier, wie Affen, Schweine und Hunde, lief dem Bäuerlein zwischen den Beinen hindurch.

Entsetzt und sich bekreuzigend, flüchtete er ins Freie. Ohne stehen zu bleiben, rannte er in den Wald hinaus. Als er zurückschaute, war vom ganzen Spuk nichts mehr zu sehen und zu hören.

Die Geschichte vom Teufelswirtshaus hat Nüßle aber erst auf dem Totenbett erzählt. Die Leute suchten dann nach dem Ort, wo sich das schaurige Ereignis zugetragen hatte. Nahe der Wolfgangskapelle fanden sie einen großen Felsbrocken. Auf ihn setzten sie eine Gedenktafel mit dem Bild des heiligen Petrus und dem Hahn. Denn wie Petrus, so hätte auch Nüßle den Herrn beinahe verraten. Darum nannte man von nun an diesen Felsbrocken den Petrusstein. (Aus: Vor Jahr und Tag, 101 Geschichten aus Vorarlberg, Eugen-Russ-Verlag, Bregenz.)

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