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Jägerlatein

Ein Ort, zwei Meldungen

Zwei Meldungen um Ereignisse am gleichen Ort sagen viel über die Medien, aber auch die Seh-, Hör und Lesegewohnheiten der Konsumenten aus. Zum einen wurde vergangene Woche die mit rund 700 Kindern und Jugendlichen größte Schule des Landes in sanierter und teilweise neu erbauter Form eröffnet: Das Schulzentrum Oberau in Feldkirch-Gisingen, dessen Umbau immerhin 25,5 Millionen Euro gekostet hat, rund 200.000 Arbeitsstunden lang dauerte und punkto Ökologie, Energieeffizienz und Umfeld (Spiel- und Sportzentrum) in Vorarlberg Maßstäbe setzt. Klar, es wurde davon berichtet, aber gerade Mal und ohne besondere Euphorie.

Ganz anders sah das Medieninteresse aus, als unlängst ein Mann mit einem Gewehr in diese Schule ging. Jetzt ist man ja seit Colum­bine oder Erfurt, in denen die Jugendlichen Harris, Klebold und Steinhäuser Massaker anrichteten, recht sensibel auf Waffen in Schulgebäuden und so wurde gleich die „Cobra“ geholt. Hätte man allerdings statt des Sondereinsatzkommandos die Feldkircher Stadtpolizei angerufen, wäre zwar der Schauwert der ganzen Aktion geringer gewesen, hätte aber wohl erfahren, dass zwei Schützenvereine im Kellergeschoss des Gebäudes beheimatet sind. Jetzt kann man sich zwar fragen, ob dies ein sinnvoller Platz für einen Schießverein ist und ob der Mann, der sein Gewehr dort unterbringen wollte, noch recht bei Trost ist, mit diesem unverpackt durch eine Schule zu spazieren – sicher ist jedenfalls, dass diese an sich höchstens dumme Aktion deutlich mehr medialen Raum fand als die Eröffnung.

Man sendet halt lieber die Katastrophe als die Aufräumarbeiten danach, filmt lieber Kriegsschauplätze als Friedensverhandlungen und ist enttäuscht, wenn es bei einem Autorennen einmal nicht „kracht“. Besonders eklatant trat diese Sensationslust beim „Sprung aus dem All“ von Felix Baumgartner zutage. Dass diese Aktion die höchsten ORF-Einschaltquoten seit dem Erstinterview mit Natascha Kampusch (!) hatte, spricht für sich. Abgesehen davon, wie sinnvoll es sein soll, im freien Fall die Schallmauer zu durchbrechen (ähnlich sinnvoll wie mit den Raketenautos in den 70ern), stierten dennoch Millionen in die Glotze (den mehrstündigen, furchtbar langweiligen Aufstieg inklusive). Dass das Ganze so nebenbei 50 Millionen gekostet haben soll, ist in Zeiten, in denen die Armut auch schon Mitteleuropa erfasst, ohnehin glatter Hohn – aber Mateschitz hat’s ja.

Die Liste ließe sich beliebig fortführen und endet bei völlig hirnfreien Filmen wie „Jackass“, dessen „Humor“ sich darin erschöpft, dass einer der Darsteller auf ein Eis uriniert und es nachher isst. Dagegen sind Laurel & Hardy richtige Dramatiker. Wo dies alles noch hinführen soll, werden wir erst wissen, wenn es das Duft-Fernsehen gibt.

Raimund Tschako Jäger

Hinweis: Der Inhalt dieser Kolumne muss nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

raimund.jaeger@medienhaus.at

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