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„Runde Frauen gefallen mir inzwischen besser“

Heute akzeptiert Hilde Fehr (49) ihren Körper, so wie dieser ist. Das ist nicht immer so gewesen. Ihren freiwilligen Ausstieg aus der „Sekte Schönheitsindustrie“ beschreibt die Schauspielerin in ihrem soeben erschienenen Buch.

Du bist zu dick. Das darfst du nicht essen.
Das kannst du nicht anziehen.“ Lange Zeit hörte Hilde Fehr (49) diese Stimme in ihrem Kopf. Viele Jahre akzeptierte die schlanke, mit ein paar Rundungen an den richtigen Stellen „ausgestattete“ Schauspielerin ihre paar Kilos zu viel nur schwer. Die Folge: Sie probierte unzählige Diäten aus. Mindestens 20 an der Zahl seien es gewesen, erzählt die in Wien lebende Vorarlbergerin. Doch vor zwei Jahren begann sich das Selbstbild der Personality- und Rhetoriktrainerin zu ändern. Darüber hat die 49-Jährige nun ein Buch geschrieben. Mit viel Selbstironie brachte sie die Zeilen zu Papier „Endlich lieb ich mich! Du dich auch? – Eine Anleitung zum Ausstieg aus dem Schönheitswahn.“

Inspiriert, ihren „Kampf“ mit den Kilos öffentlich auszutragen, wurde die Schauspielerin vor rund zwei Jahren. „Damals hatte ich innerhalb von nur vier Wochen zwölf Kilo zugenommen. Gleichzeitig hatte ich ein Engagement beim Vorarlberger Volkstheater. Meine Rolle sah vor, dass ich in Unterwäsche auf der Bühne stehen sollte“, erzählt Fehr. Der Auftritt in Dessous – für sie die reinste Katastrophe. Sofort wollte Fehr ihre überschüssigen Kilo los werden. „Ich versuchte es mit Metabolic Balance, mit der Methode der Weight Watchers oder mit Hilfe einer Säure-Basen-Kur. Aber nichts half. Immer spätestens nach zwei Wochen drehte ich fast durch“, erzählt die Mutter einer Tochter und eines Sohnes.

Neue Methode erfunden

Eines Nachts wollte sie dann eine neue Methode erfinden. „Ich dachte mir, wenn ich an seelischem Gewicht zunehme, dann verliere ich automatisch an Körpergewicht. Aber das funktionierte, wie man sieht, auch nicht“, sagt Fehr und lacht. Genau an diesem Punkt setzt ihr Buch an und ihre Entwicklung, sich jeglichem Diät- sowie Schönheitswahn zu entziehen, beginnt. „In dem Buch habe ich sämtliche Pleiten- und Scheitergeschichten, die mir passiert sind, verpackt“, gibt Fehr einen kleinen Einblick in ihr Werk.

Ein ausschlaggebender Moment, um wie Fehr es nennt, mit der „Sekte Schönheitsindustrie“ zu brechen, war ein Fernsehbericht über das besagte VoVo-Theaterstück. „Zweieinhalb Stunden stand ich angezogen auf der Bühne. Nur wenige Minuten war ich in Unterwäsche zu sehen. Und was wurde gesendet: Natürlich der Auftritt in Unterwäsche. Und das habe ich überlebt“, sagt Fehr. In ihrer Fantasie hatte sie sich das jedoch ganz anders vorgestellt. Die Schauspielerin dachte, es würde sich vor lauter Scham im Boden ein großes Loch öffnen, sie falle hinein und existiere nicht mehr. „Dem war aber nicht so. Ich merkte: Ich atme noch. Ich existiere noch.“

Nach der Lektüre der Bücher von Julia Onken („Zurück ins Gleichgewicht“) sowie von Naomi Wolf („Mythos Schönheit“) war für Fehr endgültig klar: Sie ist einer Gehirnwäsche unterzogen worden und befindet sich definitiv in der „Sekte Schönheitsindustrie“. Entkommen sei sie dieser nicht, sondern sie sei bewusst ausgestiegen, sagt Fehr heute. „Ich war ein sehr fleißiges und dienendes Sektenmitglied. Ich habe zwar immer darüber geschimpft, aber dennoch war ich dabei. Jetzt würde ich nicht mehr sagen, dass ich zu dick bin, sondern: Ich bin rund und mir gefällt‘s.“

Körper ist perfekt

Aber auch die Erkenntnis „Gott hat dich erschaffen und zwar perfekt erschaffen“ half ihr dabei, zukünftig Diäten zu entsagen. „Die logische Konsequenz aus dieser Erkenntnis ist doch, dass mein Körper perfekt ist. Egal, ob ich mehr oder weniger Gewicht habe. Seitdem ich das erkannt habe, habe ich meine Ruhe“, stellt die Schauspielerin fest. Auch selbst zu bestimmen, was schön ist und sich dies nicht von außen vorschreiben zu lassen, half der 49-Jährigen ihr inneres Gleichgewicht zu finden. „Inzwischen gefallen mir runde Frauen besser. Eines ist für mich auch noch verrückt: Wir leben in einer Zeit, in der Individualität gefragt ist. Neue Jobs werden erfunden. Es heißt, jeder darf sich selbst verwirklichen. Und dann sollen wir alle gleich aussehen? Einen Körper, mit viel Busen, keiner Taille und keinem Hintern haben? Nein, das mache ich nicht mehr mit“, gibt sich Fehr selbstsicher.

Heute fühlt sie sich in ihrem Körper wohl, ist mit sich selbst im Reinen. „Für meinen Hängebauch, für meinen Busen der nach zwei Kindern nicht mehr so straff ist wie vorher und meine Schwangerschaftsstreifen schäme ich mich heute nicht mehr. Ich will nicht dafür bestraft werden und als hässlich beschimpft werden, weil ich zwei Kinder zur Welt gebracht habe. Eher will ich einen Orden dafür“, sagt Fehr in einem Tonfall, der keine Diskussion zulässt.

Sie hat den Ausstieg aus dem Schönheitswahn geschafft. Und das wünscht sich Hilde Fehr auch für die Leser ihres Buches. „Mein Wunsch wäre, dass die Leute bei der Lektüre viel lachen. Und vielleicht an dem Punkt anlangen, den ich erreicht habe.“

Dunja Gachowetz

Information

Hilde Fehr präsentiert heute Abend (23. Oktober, 20 Uhr, Altes Kino Rankweil) ihr Buch „Endlich lieb ich mich! Du dich auch? Eine Anleitung zum Ausstieg aus dem Schönheitswahn“.

Weitere Informationen unter www.hildefehr.at oder

www.alteskino.at.

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