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Jägerlatein

Ich bin ein Killer

Man sollte mit vorsätzlichen Mördern nicht soviel Gnade haben.“ Dieser überaus martialische Satz stammt nicht etwa aus einem B-Movie mit Jean-Claude van Damme oder einem militanten Todesstrafenbefürworter aus den vom Ku-Klux-Klan dominierten amerikanischen Südstaaten, sondern von dem ansonsten in punkto Aggressivität und Kompromisslosigkeit noch nicht so besonders in Erscheinung getretenen Vorarlberger Gesundheitslandesrat Christian Bernhard in einem vorgestern erschienenen Interview. Der gute Mann meint damit aber nicht Leute wie den amerikanischen Serienmörder Ed Kemper, der unter anderem seiner Mutter den Kopf abschnitt und diesen dann als Dartscheibe benutzte (und deshalb zu lebenslanger Haft verurteilt worden ist) oder – aktueller – jenen Frühpensionisten, der den kleinen Cain zu Tode prügelte (und sicherlich auch nicht mit der Todesstrafe zu rechnen hat), sondern Menschen wie mich, die es sich in dieser Operettendemokratie doch tatsächlich erlauben, sich zu ihrem Kaffee eine Zigarette anzuzünden. Wohlgemerkt: Nicht in einem Speiserestaurant oder einer deklarierten rauchfreien Zone, sondern in einem ausdrücklich für Raucher gekennzeichneten Teil eines Lokals.

Ja, ja, es geht wieder ums Rauchen und der scheidende Chefredakteur des Großformats bläst diesbezüglich zu seinem letzten Halali: Nach einer wohl nur unter Nichtrauchern durchgeführten Umfrage, bei der eine Mehrheit für komplettes Rauchverbot stimmen würde (man hat ja unlängst in der Schweiz gesehen, wie die Menschen wirklich darüber denken), nun noch der Nachschlag mit dem Landesrat. „Rauchen ist ein Killer“, meinte dieser zudem grammatikalisch bedenklich. Wahrscheinlich meinte er „Rauchen killt“ oder „Ein Raucher ist ein Killer“. Schöner ist aber der oben angeführte Nachsatz, gesamthaft übrigens „Man sollte mit vorsätzlichen Mördern (wie das oder dem Rauchen) nicht soviel Gnade haben“. Ein Fall für die vorletzten Seiten. Das war’s dann aber mit Schmunzeln. Von mir aus – dann bin ich halt ein Killer und wage es auch weiterhin, in den dafür gekennzeichneten Zonen meinen Pesthauch des Todes auch Leuten, die selbst nicht aktiv rauchen, entgegenzuwehen. (Übrigens für alle, die nicht so gern mit mir plaudern: Bei einem Treffen in einem Nichtraucherlokal komme ich immer ganz schnell zur Sache und schnell zu deren Ende.) Und werde das wohl noch länger tun, da der selbsternannte „gnadenlose“ Bernhard andererseits keinen Vorstoß in Richtung strengere Gesetze machen will oder kann. Und in punkto der anderen „Killer“ wie Alkohol (Hauptursache für Verkehrstote und Tötungsdelikte), Tabletten (Volksdroge Nummer eins)oder Fettsucht (weit vor dem Rauchen hauptsächlicher Todesverursacher) wollen wir uns das Schnäbelchen sowieso nicht zerreißen.

Raimund Tschako Jäger

Hinweis: Der Inhalt dieser Kolumne muss nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

raimund.jaeger@russmedia.com

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