Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Reizvoll: An jedem Tag Neues erschaffen

Alexander Bayer (47) ist selbstständiger Fotograf. Viele Auszeichnungen zeugen von seinem Können. Jüngst war er mit Missio Vorarlberg in Ostafrika, hat dort das Leben von Lepra- und Aidskranken in Bilder gefasst.

Matthias Rauch

Mit verschränkten Armen steht Alexander Bayer vor zweien seiner Werke. Er trägt ein schwarzes Hemd. Mit den Fotos im Hintergrund wirkt das wie ein Schwarz-Weiß-Bild. Selbstbewusst blickt er durch die Brille mit dem dunklen Gestell in die Welt. Es ist nicht leicht, ihn zu fotografieren, denn Bayer ist vom Fach. Zwischen den einzelnen Aufnahmen gibt er Vorschläge: einmal mehr von der Seite fotografieren, einmal ein anderes Objektiv. Sein Auftreten macht deutlich, dass er vor allem eines ist: Künstler.

Nichts Alltägliches

Alexander ist seit 23 Jahren selbstständiger Fotograf und Chef eines achtköpfigen Teams. Doch seine neueste Ausstellung „AFRIKA, oh AFRIKA“ im Vorarlberger Landhaus ist trotzdem für ihn nichts Alltägliches. Die Fotografien spiegeln die Arbeit von Lehrerinnen in den Klassen, von Ordensschwes­tern in Krankenhäusern wider. Zeigen lächelnde und ängstlich blickende Kinder, Dorfvorstände im Kontakt mit Einwohnern und von Sorgen gezeichnete Ärzte. Abgebildet sind stolze Menschen, bei ihrer Arbeit und in ihrem Leben. Der 47-jährige Fotograf dokumentierte zusammen mit einem Filmteam die Arbeit des Hilfswerks Missio an den Ufern des ostafrikanischen Viktoriasees. Missio Vorarlberg kämpft als Aussätzigen-Hilfswerk Vorarlberg in Uganda und Kenia gegen Lepra, Aids und Tuberkulose.

„Afrika ist ein unglaublich natürlicher Ort. Die Menschen sind dort nicht verfremdet“, schildert Alexander Bayer seine Eindrücke. Er habe sich oft gefragt, woher die Menschen ihre Lebensfreude nehmen würden. Vor allem die Kinder hätten zuvor wohl kaum weiße Menschen gesehen. Für viele sei es anfangs wohl eine Art Mutprobe gewesen, ihn anzufassen. Es habe jedoch nie lange gedauert, bis er an jeder Hand 20 fröhliche Kinder ge­habt habe. Da sei ihm mehr als nur einmal das Herz aufgegangen.

Kein „furchtbares“ Afrika

„Das ‚furchtbare‘ Afrika ist nicht existent“, sagt der gebürtige Lustenauer. Dies sei vielmehr eine Sache der Wahrnehmung des Einzelnen. Auffällig sei die für einen Europäer ungewohnte Denkweise. Ein Haus sei in einer Woche erbaut, nichts müsse winterfest sein. Das bedeute aber auch, dass ein Neubau meist weniger Mühe bereite als etwas zu erhalten. „Das spiegelt sich auch im Denken der Einheimischen wider. Was kaputt ist, wird ersetzt, nicht repariert. Doch eine Wasserpumpe lässt sich nicht so einfach ersetzen. Man muss den Leuten richtiggehend beibringen, dass auf so etwas geachtet werden muss.“ Dort sei das Leben auch freier und nicht so reglementiert wie etwa in Vorarlberg. Der Fotokünstler schildert seine Erlebnisse ernst. Und doch huscht immer wieder ein Lächeln über sein Gesicht.

Elend, Korruption und mangelnde Infrastruktur prägten das Leben in Ostafrika. „Dort musst du stundenlang kilometerweit zu einem Arzt wandern und hoffen, mit dem Leben davonzukommen. Bei uns wärst du innerhalb einer Stunde in einem Krankenhaus und am nächsten Tag könntest du oft ohne Risiko wieder nach Hause.“ Da lerne man erst das Leben in Europa zu schätzen. „Wir haben hier einen unglaublichen sozialen Frieden, solch unverschuldetes Elend wie in Afrika ist kaum zu finden. Wenn sich die Menschen dessen bewusster wären, könnten viele ihr Leben mehr genießen.“

Die Herausforderung war für den 47-Jährigen daher auch weniger die Fotografie, sondern das Eintauchen in eine fremde Welt. „In einer der ersten Nächte gab es eine Art Feier, während ich im Bett lag. Geschrei, unbekannte Gerüche und dazu die Wolke des Moskitomittels rund um mich. Da kommt in einem die unbegründete Angst vor dem Fremden auf“, erinnert sich Alexander. Er hatte immer schon Respekt vor solchen Projekten und Angst, dass er die Erlebnisse und Eindrücke mit nach Hause nehmen würde. Dass ihn dies nicht mehr los lassen würde. Doch als Hornik mit dem Missio-Projekt auf ihn zukam, gab er sich einen Ruck und machte mit.

Fotograf aus Berufung

Fotograf wurde Alexander aus einem eher banalen Grund: „Ich glaube, ich wurde einfach für meine Fotos gelobt. Es war aber auch einfach cool in der Schule zu sagen, man wolle Fotograf werden.“

Mit 16 begann der gebürtige Lustenauer seine Lehre, schloss dann die Meisterprüfung ab. Danach zog es ihn ins Ausland. Ein Jahr lang war Alexander Freelancer in Zürich. Nach zwei Jahren in verschiedenen Vorarlberger Fotoateliers gründete er mit den „Vision Studios“ in Balgach sein eigenes Studio. „Eigentlich aus Zwang – es wollte mich keiner einstellen“, sagt er. Und das mit dem Bewusstsein: Wer zuletzt lacht, der lacht am besten. „Ich ging in die Schweiz, in Vorarlberg war ja schon alles mit Studios zugepflastert und drüben gab es meines Wissens nach noch kaum jemanden.“

23 Auszeichnungen

Eine gute Idee, denn mit den Jahren kamen nicht nur Aufträge, sondern auch Auszeichnungen. Inzwischen sind es 23. Besonders stolz ist Alexander, dass Fotos von ihm in die Polaroid Collection aufgenommen worden sind. „Ich dachte mir immer, das sind Künstler mit solch tollen Fotos. Als ich dann selbst da dabei war, das war Hammer.“ Doch auch der Preis von Hahnemühle, einem Kunstpapierhersteller, ist für ihn wichtig. In dieses Projekt habe er viel Herzblut und Einsatz gesteckt. Dessen Umsetzung wurde mit einer weltweiten Ausstellung belohnt.

Natürlich gibt es Tage, an denen Alexander seine Jobwahl bereut. An denen kein Projekt klappen will. An denen ihm ein Beruf lieber wäre, bei dem man um fünf nach Hause geht und die Sache damit erledigt ist. Doch dann kommen Ideen für Projekte, mit Herausforderungen, die ihn wieder mitreißen. Improvisieren und organisieren, jeden Tag was Neues erschaffen. Das macht für Alexander den Reiz der Kunst aus. „Ich bin sicher, wenn man sich in einem Beruf einsetzt, erreicht man auch etwas. Dann macht es Spaß. Ich bin zwar Fotograf aus Berufung, aber nicht als solcher geboren worden.“

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.