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aus dem Gerichtssaal

OLG: Fußfessel-Chance für die Mutter von Cain

Strafe auf 30 Monate, davon zehn Monate unbedingt, leicht erhöht – aber kein Fußfessel-Verbot.

Seff Dünser

Sie hat ihren jüngsten Sohn verloren. Vor allem deshalb kam Cains Mutter bei ihrem Strafprozess mit einer milden Strafe davon. Die von German Bertsch verteidigte 27-Jährige hat grundsätzlich die Chance, die Haftstrafe mit einer Fußfessel daheim zu verbüßen. Das Innsbrucker Oberlandesgericht (OLG) setzte gestern die Freiheitsstrafe mit 30 Monaten fest, davon zehn Monate unbedingt. Das wegen Vernachlässigens von Unmündigen mit Todesfolge ergangene Urteil mit einem Strafrahmen von ein bis zehn Jahren Haft ist nun rechtskräftig.

Das Berufungsgericht sah, trotz des gegenteiligen Antrags der Oberstaatsanwaltschaft, davon ab, eine Fußfessel für einen bestimmten Zeitraum zu verbieten. Sollte die 27-Jährige, neben anderen Voraussetzungen, wieder zu einem Job kommen, dürfte sie damit rechnen, die Freiheitsstrafe statt im Gefängnis in ihrer Wohnung absitzen zu können. Als Ersttäterin wird sie voraussichtlich nach der Hälfte des unbedingten Teils der Strafe vorzeitig entlassen werden.

Am Landesgericht Feldkirch war die Angeklagte am 24. Mai 2012 noch zu einer teilbedingten Strafe von 24 Monaten, davon acht Monate unbedingt, verurteilt worden. Die Bregenzerin war geständig. Sie hat ihren dreijährigen Sohn Cain im Stich gelassen und nicht vor den letztlich tödlichen Schlägen ihres Freundes bewahrt.

Am Morgen des Tattages habe sie gesehen, wie ihr Sohn unter den massiven Schlägen vom Vortag gelitten habe, gab die Angeklagte zu. Cain sei „wie ein Pinguin“ gegangen. Sie hat dennoch weder einen Arzt noch die Polizei verständigt. Stattdessen hat sie den Buben weiterhin ihrem als Babysitter auftretenden Freund überlassen, als sie zur Arbeit fuhr.

Unterlassen von Hilfe

Der Schuldspruch gegen sie umfasst auch das Unterlassen von Hilfe für ihren älteren Sohn. Auch der damals Sechsjährige wurde von ihrem Freund mehrmals massiv geschlagen und dabei im November 2010 einmal schwer verletzt. Statt einzuschreiten verließ die junge Frau damals das Zimmer, um die Schläge nicht mitansehen zu müssen.

Ihr mittlerweile achtjähriger Sohn lebt wieder bei ihr. Ihm muss sie, so das OLG, ein Trauerschmerzensgeld von 5000 Euro bezahlen.

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