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Kreatives Schwarz und Geradheit

Grafikdesigner ­Andreas Haselwanter (42) ist ein „leiser“ Typ. Heißt: Er drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern lässt seine Ideen-Produkte für sich sprechen. Internationale und nationale Auszeichnungen sind der Lohn.

Spartanisch eingerichtet ist der weitläufige Raum im alten Stadthaus am Dornbirner Marktplatz. Dominant ein großer schwarzer Tisch, eine passende Bank und – zwei Riesen-Bildschirme auf einem Schreibtisch mit kreativer Unordnung. Im Gegensatz dazu – weiße Wände. Vor der einen steht ein mit fast penibler Akkuratesse eingeräumter Schrank. Andreas Haselwanter ist kein Freund der Schnörkel, steht für Geradheit, Struktur. Der überwiegend schwarz gekleidete Mann ist auch nicht unbedingt für Buntheit im Arbeitsumfeld. Weiß ist sachlich und klar, zeigt die Bereitschaft für Veränderung. Schwarz verweist auf Eindeutigkeit und Funktionalität, ist aber auch in der Symbolik die Farbe der Kreativität.

Schwarz und Weiß – diesen Farben wurden von jeher große Bedeutung zugeschrieben: Diese verkörpern Licht und Finsternis, Gut und Böse, also die größten Gegensätze überhaupt. Haselwanter sagt: „Die Welt ist bunt genug. Schwarz bedeutet für mich Ruhe, Sammlung, Konzentration.“

Bevor der Dornbirner Awards als Grafikdesigner sammelte, tauchte er ein in die „bunte Welt“. Er stammt aus einer Feldkircher Gastronomenfamilie, da lag es nahe, einen Job in der Branche zu wählen. „Ich habe Koch in einer Bregenzerwälder Gaststättenküche gelernt, dies auch nicht schlecht gemacht“, blickt der 42-Jährige zurück. Gewusst hat er aber sehr schnell, dass dies für ihn nicht das erfüllte Leben, wie er es erhoffte, ist. „Bereits als Kind habe ich gern gezeichnet, mich mit Farben und Formen beschäftigt. Und mich gern bewegt, Sport getrieben. Mir war schon in der Lehre klar, dass ich mich wohl doch eher dem Sport oder einer kreativen Beschäftigung widmen sollte”, sagt der bärtige Mann und lächelt. Umschulung nach der Lehre, 19-jährig, also. Aber wie und was? Nun, schlussendlich halfen ihm Freunde und Bekannte auf den für ihn richtigen Weg: Er wählte die Kreativbranche als Arbeitsfeld, den Sport als Hobby.

Hürden überwunden

Auf dem Weg zum Job hatte er einige Hürden zu überwinden. Beispielsweise fand er sich zunächst in einer Umschulung zum Lithografen in einem Dornbirner Repro-Studio. „Aufgabe eines Lithografen war es, zu druckende Texte und Bilder möglichst originalgetreu auf einem Lithografiefilm zu bannen. Basteleien mit Messer und Schere.“ Das war es nicht, was Haselwanter wollte. Ihn trieb es, Macher und nicht Umsetzer zu sein.

Er fasste Mut, marschierte in die unterschiedlichsten Werbeagenturen, um da einen Job zu erhalten. Nach vielen Absagen fand der Suchende zumindest eine Anstellung in einer Agentur. „In einem Hilfsjob.“ Trotzdem war es für ihn der Start. Bei einem Lustenauer Grafikdesigner hat er Tipps, Tricks „aufgesaugt“. Eignete sich in der Freizeit und an den Wochenenden all das Wissen an, das der eigenen Kreativität die fachlich fundierte Basis gab. „Die Gestaltung des ersten Logos, oh, das hat mir viele schlaflose Nächte beschert“, erzählt der Grafikdesigner, der sich nie mit einer Werk-Mappe beworben hat.

Mit den Bildbearbeitungs- und Gestaltungsprogrammen setzte er sich selbstständig auseinander. Den Umgang mit den Programmen kann jeder lernen. Wichtig für das stetige „Aufwärts“ war wohl sein Gespür für Design, das gestalterische Talent und natürlich Fantasie und Kreativität.

Breites Aufgabenspektrum

Grafikdesigner haben ein weites Aufgabenfeld. Von Visitenkarten über Anzeigen, Briefpapier, Broschüren, Kataloge, Flyer, Kundenmagazine bis hin zur kompletten Logo- und Markenentwicklung reichen die Aufträge. Der Arbeitsablauf ist zumeist gleich: Ein Kunde hat einen Wunsch und der Designer muss den Umfang des Auftrags klären. Was wird benötigt? Welcher grafische Stil wird für die Umsetzung genutzt? Welche Vorgaben gibt es? Ideen werden gesammelt, Konzepte ausformuliert. Kleine Skizzen, dann nach erneuter Absprache mit dem Kunden die endgültige Ausarbeitung. Die Entwicklung eines Logos gilt als Königsdisziplin im Grafikdesign. „Da sind viele Aspekte zu beachten. Es soll auffallen und gleichzeitig zur Unternehmensphilosophie passen.“

Haselwanter, der stets einen Bleistift zum Zeichnen bei sich hat, scheut sich heute vor keinem Auftrag. Und wenn sich das kreative Loch auftut? „Wenn mir mal nichts einfällt, obwohl der Abgabetermin drängt, lasse ich das Projekt kurz mal liegen. Auf Knopfdruck eine gute Idee zu präsentieren, das ist nicht immer einfach. Darum hilft es, sich kurz einer anderen Arbeit zu widmen“, verrät Haselwanter. Kraft tanken, den Kopf frei bekommen – da hilft ihm sein Bewegungsdrang: Biken, Joggen, Wandern. Sein liebstes Hobby allerdings – das ist die Familie, seine Lebensgefährtin Silvia und sein Sohn Jesse James (4). „Da lasse ich auch die Buntheit zu“, sagt Haselwanter und lacht.

Der Weg des Kreativen beweist: Für einen Aufstieg entscheidend ist nicht immer, wie lange man an der Schulbank klebt – Talent, Ehrgeiz und ein gewisser Geschäftssinn können durchaus auch zielführend für den Erfolg sein.

Heidrun Joachim

„Privat lasse ich schon auch Buntheit zu.“ Andreas Haselwanter, Grafikdesigner in Dornbirn

Zur Person

Andreas Haselwanter lebt und arbeitet als Grafikdesigner in Dornbirn

Auszeichnungen: „IF communication design awards 2013“ in der Kategorie „Communication“ für den Produktkatalog „Heimat“ (im Auftrag der Dornbirner Fahrradmanufaktur Kraftstoff Handmadebikes). Für „Heimat“ erhielt Haselwanter bereits eine Auszeichnung in der Kategorie „Editorial Design“ vom Creative Club Austria (CCA). 2011 wurde der Grafikdesigner mit dem „red dot design award 2011“ geehrt, einmal Gold und viermal Silber heimste der Dornbirner 2011 beim „Adwin Vorarlberger Werbepreis“ ein. 2012 erhielt Haselwanter weiter den „Josef Binder Award“, zweimal den „red dot design award“ sowie den „German Design Award Nominee 2013“.

Kunden: Gebrüder Weiss, Vorarlberg Milch, WKV, Energieinstitut Vorarlberg, Junge Wirtschaft Vorarlberg und andere.

Kontakt: www.haselwanter.cc

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