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Drei Fragen an ...

Von Samonios und vielen Heiligen

Heute Nacht werden auch hierzulande einige gruselige Gestalten um die Häuser ziehen, um Halloween zu feiern. Zu Allerheiligen wird der Toten gedacht. Raimund Karl ist Professor für Archäologie und versucht zu erklären; woher das Brauchtum stammt.

Rubina Bergauer

Der 31. Oktober und der 1. November sind vielerorts ganz besondere Tage. In unseren Breitengraden werden Kerzen angezündet, um der Toten zu gedenken. In den USA zelibieren die Menschen das Kostümfest Halloween ausgiebig. Doch was hat es mit diesem Datum auf sich?

Oft wird darauf hingewiesen, dass die Ursprünge des Feiertags in keltisch-heidnischen Bräuchen liegen. Der Übergang vom 31. Oktober zum ersten November markiert dabei das Ende des alten Jahres und den Anbruch der dunklen Winterzeit. Deshalb soll auch Feuer in dieser Tradition eine ganz besondere Rolle ge­spielt haben. Um die Dunkelheit zu vertreiben und Schutz und Wärme zu spenden. In jener letzten Oktobernacht würden angeblich auch die Grenze zwischen Dies- und Jenseits verschwimmen. Geister und Fabelwesen fänden so ihren Weg in die Welt der Menschen. Besonders in der irischen Mythologie lassen sich viele Geschichten finden, die von merkwürdigen und wundersamen Geschehnissen in jener Nacht berichten.

Allerheiligen ist seit dem 4. Jahrhundert ein hohes Fest der katholischen Kirche. Ursprünglich wurde der Gedenktag am ersten Sonntag nach Pfingsten gefeiert. Doch ab dem 8. Jahrhundert begann sich – wahrscheinlich durch den Einfluss iro-schottischer Wandermönche – für das Allerheiligenfest der 1. November als Festtermin durchzusetzen.

Der gebürtige Wiener Raimund Karl ist Professor für Archäologie und Institutsvorstand an der Universität von Bangor in Wales/GB. Sein Spezialgebiet bildet die keltische Kultur.

Die Ursprünge von Halloween, aber auch von Allerheiligen werden gerne auf ein keltisches Fest zurückgeführt. Wer waren die Kelten und wo lebten sie?

Raimund Karl: Der Begriff „Kelten“, wie wir ihn heute verwenden, ist eigentlich eine Wortschöpfung der Neuzeit. Bereits römische und griechiche Autoren in der Antike benannten Gemeinschaften, die von Rom aus gesehen westlich, nordwestlich und nördlich von Italien gewohnt haben. In der modernen Forschung wurde dieser Begriff dann auf Gruppen, die kulturelle Ähnlichkeiten bei der Sprachfamilie, dem Kunststil und Ähnlichem teilen, angewendet. Bei den Kelten handelt es sich demnach nicht um ein geeintes Volk, sondern um viele verschiedene Gemeinschaften, die der Einfachheit halber unter einem Sammelnamen zusammengefasst wurden.

Angesiedelt waren diese Gruppen in der Antike zwischen Spanien und Portugal, den britischen Inseln, Deutschland, Österreich, Tschechien und Südpolen, bis ans Schwarze Meer und sogar bis nach Zentralanatolien in der heutigen kleinasiatischen Türkei. Sowie am Balkan und Mittel­italien.

Wo dürfte also der Ursprung für Halloween und Allerheiligen liegen?

KArl: Prinzipiell ist es schwierig etwas Imaterielles wie einen Brauchtum wissenschaftlich nachzuweisen.

Der Begriff „halloween“ kommt aus dem Englischen und bezeichnet den Vorabend, also „evening“ oder „eve“, des Allerheiligenfestes – den „all hallow’s day“. Der Begriff „all hallow’s eve“, der in weiterer Folge zu „halloween“ zusammengezogen wurde, ist erstmals im 16. Jahrhundert belegt. Die Herkunft des mit dem Fest Halloween verbundenen Brauchtums ist umstritten: Manche Wissenschaftler vertreten eine rein christliche Ableitung des Festes. Andere bevorzugen eine Herleitung des Brauchtums aus einem „keltischen“ Fest. Diese allerdings nachweislich nur in Irland belegten Feierlichkeiten wurden Samhaim (ausgesprochen sa-vin) genannt. Mittelalterlichen irischen Texten zufolge wurde Samhain am 1. November gefeiert. Ob und inwieweit der irische Festtag Samhain auf vorchristliche Traditionen zurückgeht ist jedoch umstritten.

Gibt es eine gängige Theorie, wie sich der moderne Halloween-Brauch entwickelte?

Karl: Ein möglicher Hinweis darauf, dass dieses Fest tatsächlich vorchristliche Wurzeln hat, lässt sich im sogenannten Kalender von Colingy (2. Jh. n. Chr. Anm.) finden. Dort taucht der gallische Monatsname „Samonios“ auf. Die Gallier zählten ja auch zu den „keltischen“ Gemeinschaften. Der Monat Samonios dürfte mit einem drei Nächte dauernden Fest eingeleitet worden sein. Der Name könnte auch auf die gleiche Wort-Wurzel wie das irische Samhain zurückgehen. Diese antiken Feierlichkeiten könnten demnach das Ende der warmen Jahreszeit markiert haben. Es fehlen jedoch konkrete Hinweise, dass dieses Brauchtum irgendetwas mit dem heutigen Halloween-Treiben zu tun hatte.

Wie wurde daraus ein Kos­tümfest?

Karl: Etwas, das dem modernen Halloween annähernd entspricht, lässt sich historisch erstmals im frühneuzeitlichen England, Schottland und Irland erfassen. Ab dem 19. Jahrhundert wird das Fest in den USA populär und nimmt erst dort die Gestalt an, die wir heute kennen: mit Verkleidungen, ausgehölten Kürbislaternen und allem, was sonst noch dazu gehört.

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