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NEUE-serie – Teil 50

Wanderung rund ums Bödele

Die Geschichtenerzählerin Hertha Glück kennt interessante Wege und Stege im Ländle. Auch Geschichten kann sie erzählen. Heute empfiehlt sie eine Winterwanderung von Schwarzenberg im Bregenzerwald zum Bödele.

Der Dorfplatz Schwarzenberg (696 Höhenmeter) um den Brunnen bei der Kirche gilt als der schönste und besterhaltene des Landes Vorarlberg und da beginnt die Wanderung in Richtung Lustenauer Hütte/Bödele. Über die Straße, zwischen den imposanten Häusern hindurch und leicht ansteigend, führt der Weg am Weiler Brand vorbei zur leicht nach oben schlängelnden Forststraße.

Beim Kreuz zum Andenken des Skirennläufers Björn Sieber, der sehr jung verstarb,
lässt es sich gut die erste Rast ein­legen und den offenen, ­weiten Rundblick in den hinteren und vorderen Bregenzerwald und bis zu den Nagelfluh­bergen des Allgäuer Alpenrands genießen. Vor den Füßen liegt Schwarzenberg eingebettet in eine Rund-um-Bergkette mit der herausragenden Kanisfluh. Dieser Ort wird erstmals um 1270 von einem Pfarrer als „Swa(r)zinberch“ erwähnt.

Weiter geht es nun für den Wanderer bergauf über Brücken und vorbei an Bildstöckle. Stets aufwärts, führt die Route durch den verschneiten Wald, entlang einsamen Gehöften hin zum Klausbergvorsäß. Bei Hütten in herrlicher Sonnenlage bietet sich dem Wanderer eine fantastische Aussicht. Kurz stehenbleiben oder ein wenig verweilen zahlt sich aus, wenn es nicht zu kalt ist. Noch ein paar Kurven auf dem gut präparierten Winterweg nach oben gewandert und schon wird die Lustenauer Hütte (1250 Meter) auf einer unerwartet flachen Ebene erreicht.

Zu jeder Jahreszeit

Diese Wanderung ist in allen Jahreszeiten machbar und wunderschön: im Winter begeistern die Schneekristalle, im Frühling die Enzianwiesen, im Sommer die Alpenkräuter und im Herbst die Farbenpracht. Abwärts und aufwärts schreitet der Wanderer durch den Wald. Am Waldrand sieht der Wanderer eine Kapelle auf der Anhöhe und die dahinter stehenden Häuser. Ein nobles Feriendomizil, die Hochälpelealpe (1255 Meter). Hertha Glück berichtet: „Die Kapelle wurde von Theodor und Maria Hämmerle aus Dornbirn in den Jahren 1921/22 zu Ehren des heiligen Benedikt erbaut. Sie ist ein Rechteckbau mit rundbogig leicht vorgezogenem Chor unter einem gemeinsamen Walmdach mit Zwiebelturm. Ein selten schöner Anblick. Auch Eduard Mörike, der bekannte Biedermeierdichter wandelte mit seiner Frau in diesen Höhen und erfreute sich an der einmaligen Landschaft des Bregenzerwaldes.“

Der Wanderer passiert ab der Hochälpelealpe zwei Skilifte und es sollen bis zum Bödele nicht die letzten sein. Der letzte Anstieg zum Waldsaum und schon führt der Weg in leichtem Auf und Ab hin zum Bödele, das politisch zur Gemeinde Schwarzenberg gehört, allerdings wird es als Naherholungsgebiet vor allem von der Dornbirner Bevölkerung genutzt. Beim Überqueren der Skipisten darf daran erinnert werden: Bereits 1904 gab es das erste Skispringen auf noch einfachen Sprunghügeln am Bödele und 1907 wurde der erste Skilift Mitteleuropas hier in Betrieb genommen. Es handelte sich um eine Art Schlitten, der über ein Seil von einem Motor den Berg hinaufgezogen wurde.

Der Wanderer schreitet nun am Losenpass (1140 Meter), dem viel befahrenen und begangenen Übergang vom Bregenzerwald ins Rheintal hin zum Bodensee, vorbei und gelangt bei der Bushaltestelle links an der Straße zum Endpunkt der Wanderung. Mit dem Bus ist der Ausgangspunkt Schwarzenberg in elf Minuten erreicht.

Wichtige Rolle

Nochmals kann der Wanderer die denkmalgeschützten Häuser im Dorfkern bewundern. Sie lassen erahnen, dass es hier bedeutenden Wohlstand gab. Einstmals wirtete man in sechs Gasthäusern, die in ununterbrochener Reihe dem Zentrum ein stattliches Gepräge geben. Sie erinnern an die Zeit, in der der ganze Warenverkehr des Bregenzerwaldes in Säumertransporten über die zwei Schwarzenberger Pässe, die Lose (heute Bödele genannt) und die Lorena in den Rheintal-, Bodenseeraum und bis nach Oberitalien ging. Die Wirte waren zugleich auch Großbauern, Händler und Geldverleiher und spielten in der Talschaftspolitik eine wichtige Rolle.

Information

Anforderung und Gehzeit: In drei Stunden werden 690 Höhenmeter im Auf- und Abstieg bewältigt.
Charakter der Wege: Straße, präparierte Winterwege, Waldstege, gut gesicherte Schneepisten.
Natur und Kultur: Denkmalgeschützter Dorfkern, sehenswerte Barockkirche, Angelika-Kaufmann-Museum, Museumsbahn Wälderbähnle, Kapelle hl. Benedikt, Schubertiade.
Anziehen und mitnehmen: knöchelhohe Wanderschuhe (Profilsohle), wetterfeste Kleidung, Wanderstöcke empfohlen, heißes Getränk, Sonnen-/Schneeschutz.

Sagen rund um die Tour

In Schwarzenberg war einmal einer, der es verstand, Leute so zu bannen, daß sie nicht mehr von der Stelle konnten. Aber das tat der „Nagler im Loch“ – so hieß der Mann – nie ohne guten Grund. Er gab seine Kunst nur für wichtige Dienste her, in gro­ßer Not oder zu Kriegszeiten.

Als einmal eine feindliche Schar heranrückte, bannte sie der Nagler fest, daß sie weder vor- noch rückwärts marschieren konnten. Darauf wurde mit dem Feind verhandelt: nur dann sollte er vom Banne frei werden, wenn er umzukehren verspräche. Das tat er dann auch. Da man aber doch nicht wußte, was denen Gesellen einfallen würde, wenn sie erst wieder freie Hand hätten, bannte der Nagler den Feinden das Gewehr an den Leib, so daß sie nun zwar retirieren, nicht aber viel schaden konnten. Als sie weit genug weg waren, nahm der Wundermann auch diesen Bann von ihnen und sie waren wieder völlig frei.

Einen Soldaten aber hatte die Kunst des vielvermögenden Mannes so erzürnt, daß er seine Freiheit allsogleich schwer mißbrauchte. In seiner Wut durchschoß er ein Christusbild, das am Weg stand. Da fiel er auf der Stelle tot nieder. Aus der Wunde aber, die die Kugel dem Bilde geschlagen hatte, drangen Blutstropfen.

Zum Bannen hatte der Nagler ein eigenes Buch, und da die Leute viel von seiner Zauberkunst erzählten, wandelte drei Spitzbuben die Lust an, das Buch auf irgend eine Art zu stehlen. Als es gelungen war, wollten sie mit Hilfe des Bildes einen Schatz heben. Dazu brauchten sie eine konsekrierte Hostie. Einer der Burschen, der Ministrant war, stahl sie dem Pfarrer. Unter der Wandlung begannen sie mit der Beschwörung, genau nach der Vorschrift. Da kam ein Hund zum Vorschein, der auf einer Kiste voll Gold saß. Schon waren sie mit den Zaubersprüchen fast zu Ende, da bemerkten sie, daß in dem Buch auch stehe, wer den Raum als letzter verlasse, sei dem Teufel verfallen. Furcht und Angst befiel da die drei Bösewichter, keiner wollte sich eben für den andern opfern. Zum Glück kamen sie auf einen guten Gedanken. Einer von ihnen lief ins Dorf zum Pfarrer und berichtete ihm die Gefahr. Er wüßte schon etwa noch ein Mittel, sie zu retten.

Man verständigte die Leute im Ort und ging in Prozession mit Kreuz und Fahne hinauf zu jenem Haus, wo die bedrohten Banner warteten. Der Geistliche ging mit dem hochwürdigsten Gut ins Haus, betete und befahl den Buben, sich zu entfernen. Dann trat er selbst den Rückzug an, indem er die Monstranz mit ausgestrecktem Arm dem Teufelstrug entgegenhielt. So war also unser Herr im Sakrament der letzte und dem konnte der Teufel nichts anhaben. So wurden die Buben gerettet und der Teufel selbst überlistet.

Quellen: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 74, S. 61f, www.de.wikipedia.org, www.tourismus.schwarzenberg.at, www.schwarzenberg.at

Der Nagler im Loch

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