interview

„Benevit steht auf einer guten Basis“

Harald Panzenböck ist seit 1. Jänner neuer Geschäftsführer der Benevit. Bisher hat er vor allem Erfahrung im Bereich der ambulanten Pflege gesammelt.

Herr Panzenböck, Sie waren sechs Jahre lang Geschäftsführer des Vorarlberger Betreuungspools. Kennen also die Pflegelandschaft im Land. Wie schätzen Sie die aktuelle Situation ein?

Harald Panzenböck: Ich denke, die Pflege ist auf einem hohen Niveau. Sowohl aus dem Osten Österreichs als auch aus dem Norden Deutschlands blickt man nach Vorarlberg, weil hier viele Dinge in diesem Bereich sehr gut bewerkstelligt werden.

Und wie beurteilen Sie die Zukunft in diesem Bereich?

Panzenböck: Die demographische Entwicklung ist sicher eine große Herausforderung. Für Benevit stellt sich daher die Frage, wo wir uns als Dienstleister positionieren. Die zentrale Frage dabei ist: „In welchen Bereichen brauchen die pflegenden Angehörigen Unterstützung?“ Denn diese machen immer noch den größten Teil in der Pflegelandschaft aus. Wir müssen uns daher an den Bedürfnissen der Betroffenen orientieren. Es könnte durchaus auch sein, dass es zu Verschiebungen im stationären Bereich kommt.

Wie ist dies zu verstehen?

Panzenböck: Bisher war es eher so, dass stationäre und ambulante Betreuung getrennt voneinander gesehen wurden. Ich denke, dass hier künftig ein integrativer Ansatz gefunden werden muss. Die Systeme müssen besser aufeinander abgestimmt und auf den Bedarf des Einzelnen zugeschnitten werden.

Wie könnte dies aussehen?

Panzenböck: Ein Angehöriger, der seine Mutter das Jahr über betreut, hätte beispielsweise gerne einmal vier Wochen Zeit für sich selbst. Da muss gewährleistet sein, dass währenddessen jemand die Pflege übernimmt. Oder im Falle einer Krankheit. Da braucht es oft kurzfristig jemanden, der für den pflegenden Angehörigen einspringt. In diesen Bereichen gilt es, passende Systeme zu entwickeln.

Wo soll es für Benevit unter Ihrer Führung hingehen?

Panzenböck: Das Unternehmen steht organisatorisch, in Sachen Mitarbeiter und bei der Wirtschaftlichkeit auf einer guten Basis. Hier möchte ich zuallererst die Arbeit meiner Vorgänger weiterführen. Das ist mir ein Herzensanliegen. Benevit ist ein Unternehmen des Gemeindeverbandes. Daher gilt es in einem zweiten Schritt auf die Bedürfnisse der einzelnen Kommunen zu reagieren.

Ihr Unternehmen war in den vergangenen Jahren immer wieder Ziel für Kritik. So wurden 2010 etwa Vorwürfe laut, dass es im damals von Benevit betriebenen Herz-Jesu-Heim in Rankweil Mängel bei der Organisation und Pflege gegeben hat. Wie schätzen Sie heute die Lage ein?

Panzenböck: Rankweil ist Geschichte. Damals wurde die Entscheidung getroffen, sich zu trennen. Und es scheint allen Beteiligten gut getan zu haben. Gleichzeitig ist in den vergangenen Jahren viel in Sachen Qualitätssicherung passiert. Da wurde sehr viel Grundlagenarbeit geleistet. Und ich bin froh, dass ich jetzt in das Unternehmen einsteigen darf.

Sie kennen die Systeme im ambulanten Pflegebereich sehr gut. Ist das bei Ihrer neuen Aufgabe ein Vorteil?

Panzenböck: Ich bringe in meinem „Rucksack“ sicher einiges an Wissen mit. Spannend wird künftig sicher sein, wie ambulante und stationäre Pflege sich verknüpfen lassen. Und dies war für mich auch ein Beweggrund, diese neue Aufgabe bei Benevit zu übernehmen.

Michael Steinlechner

zur person

Der Dornbirner Harald Panzenböck ist 52 Jahre alt. Vor seiner Bestellung zum Geschäftsführer der „Benevit – Vorarlberger Pflegemanagement gGmbH“ war er sechs Jahre Leiter des Betreuungspools Vorarlberg. Davor fungierte er als Abteilungsleiter in der Diözese Feldkirch. Panzenböck hat Theologie in Innsbruck und Systemisches Management in Heidelberg studiert.

Artikel 2 von 11
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.