Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Demenz: Verlauf positiv beeinflussen

Das Team rund um Reinhard Bacher im aks ­Gedächtnis-Therapiezentrum in Bürs hat zwei Ziele. Zum einen soll der Demenzprozess ver­zögert werden. Zum anderen soll für pflegende Angehörige Zeit zum Durchatmen geschaffen werden.

Dunja Gachowetz

Leonardo da Vinci litt, genauso wie der Philosoph Immanuel Kant an Demenz. Das sagt Reinhard Bacher: „Beide haben darunter im Alter gelitten. Da Vinici ist im hohen Alter mit einem Leiterwagen durch das Dorf geirrt. Kant hat am Ende seines Lebens wieder Kinderlieder gesungen.“ Bacher ist Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, Psychotherapeut und Oberarzt im LKH Rankweil. Weiters hat er vor zwölf Jahren das Gedächtnistherapiezentrum im Bürser Lünerseepark gegründet, dem er heute noch vorsteht. Im Juli 2012 wurde die Einrichtung von der aks gesundheit GmbH übernommen.

Fähigkeiten fördern

Die Idee hinter dem Therapiezentrum: Mithilfe von speziellen Trainings sollen bei Betroffenen, die durch Demenz bedingten Leistungsverluste verzögert werden. Erreichen wollen die Experten dies mit vielen verschiedenen Übungen, erklärt Edith Mathis, diplomierte psychiatrische Gesundheits- und Krankenschwester im Gedächtnistherapiezentrum. „Zu Beginn jedes Trainings werden Interesse und Aufmerksamkeit der Frauen und Männer mit Rätselaufgaben geweckt. Die Lösung kann das Thema der Woche sein. So erraten sie beispielsweise mithilfe einer Buchstabentabelle, dass das Trainingsprogramm der Woche von Gesundheit und Krankheit handelt“, erklärt Mathis. Weitere Übungen sollen die unterschiedlichen geistigen Funktionen wie etwa Gedächtnis, Sprache oder Denken der Personen fordern und fördern. Aber auch die körperliche Beweglichkeit wird trainiert. „Koordinationsübungen für die rechte und linke Gehirnhälfte stehen genauso auf dem Programm wie rhythmische Übungen und/oder unterschiedlichste Bewegungsmuster im Sitzen“, erklärt Mathis.

Jeweils zehn bis zwölf Frauen und Männer verbringen gemeinsam den Tag. Mathis berichtet über den Tagesablauf. „Wir bieten zusätzlich einen Hol- und Bringdienst. Mit einem Taxi werden unsere Gäste von zu Hause abgeholt und zu uns gebracht. Gemeinsam verbringen wir dann den Tag mit unterschiedlichen Aktivitäten, die die geistige Beweglichkeit stärken. Bis sie am späteren Nachmittag wieder nach Hause gebracht werden.“ Den ganzen Tag über sind die Frauen und Männer in der Kleingruppe zusammen.

Laut Bacher ist das sinnvoll, weil sich viele an Demenz Erkrankten aus ihrem sozialen Umfeld zurückziehen, Freundschaften nicht mehr pflegen wie früher. „Das betrifft natürlich auch die Angehörigen. Während der Ehepartner, Vater oder Mutter bei uns ist, können die Angehörigen wieder ihren Hobbys nachgehen, einen unbeschwerten Nachmittag mit Freunden verbringen oder einfach mal durchatmen“, sagt Bacher. Das sei wichtig für die Angehörigen. Der Experte weiß: Viele demente Frauen und Männer werden sehr anhänglich, klammern an ihren Ehepartnern, Schwiegerkindern oder anderen Bezugspersonen. „Die Kranken suchen so Halt im Alltag“, sagt Bacher.

Eine Folge der Krankheit sei, dass sich die Persönlichkeit der Betroffenen verändern könne. „Die einen haben plötzlich keine Eigeninitiative, dafür werden andere ganz unruhig. Wieder andere sind leicht reizbar. Manche behaupten Sachen, wie beispielsweise ihnen sei Geld gestohlen worden, obwohl das überhaupt nicht stimmt. Andere beschimpfen auch plötzlich Menschen, die sich um sie kümmern“, berichtet der Zentrumsleiter. Und hier setzt dann die Aufklärungsarbeit der Experten bei den Angehörigen an. „Für Angehörige sind wir auch eine Art Kummerkasten“, meint Mathis.

Kein Krankheitsgefühl

So gerne die Betroffenen mit der Zeit den Tag im Gedächtnistherapiezentrum verbringen würden, so schwierig sei es, sie überhaupt dorthin zu bekommen. Denn ein Problem bei Demenz sei, dass sich die Betroffenen nicht krank fühlen würden. „Viele sagen zu mir: Aber Herr Doktor, mir fehlt ja gar nichts“, berichtet Bacher. Er ist jedoch davon überzeugt, je früher mit einer Therapie begonnen wird, umso besser sind die Chancen, den Verlauf hinauszuzögern. „So traurig es ist, dass ich das als Arzt sagen muss: Es gibt keine Heilung, aber es gibt eben Möglichkeiten, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen“, betont Bacher. Daher sei eine frühe Diagnose besonders wichtig. Der Mediziner weiß, nicht jede Vergesslichkeit ist automatisch Demenz. „Manchmal kann hinter der Vergesslichkeit auch eine Depression stecken oder es ist eine Nebenwirkung von Medikamenten. Aber jeder Hausarzt kann mit einem einfachen Test abklären, ob es sich um Demenz handeln könnte“, betont Bacher.

Information

aks gesundheit GmbH

Gedächtnis-Therapiezentrum

Lünersee Fabrik

Hauptstraße 4/2, 6706 Bürs

Telefon: 0664 / 802 83 636

E-Mail: spd.bu@aks.or.at

Website: www.aks.or.at

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.