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Netzwerkarbeit in ländlichen ­Regionen

Seit über vier Jahren ist Martina Schindler (21) Mitglied der Landjugend Jungbauernschaft Vorarl­berg. Im November hat sie das Amt der Landesleiterin übernommen.

So manchem, der im vergangenen Sommer auf einer der Alpen in Vorarlberg unterwegs gewesen ist, dürften sie aufgefallen sein: hölzerne Pfos­ten, auf denen Sprüchen wie „Landschaft in Arbeit“, „Käse in Arbeit“ oder „Milch in Arbeit“ zu lesen sind. Wer sich Zeit genommen hat, die sonderbaren Objekte näher zu betrachten, hat wohl einiges über die Bewirtschaftung der Alpen gelernt. Denn neben den Schriftzügen ist auf den sogenannten „Lockpfosten“ noch einiges Wissenswertes über die Arbeit auf den Almen nachzulesen. Aufgestellt wurden die insgesamt etwa 90 hölzernen Blickfänge auf 87 verschiedenen Alpen von Mitgliedern der Landjugend Jungbauernschaft Vorarlberg. Die Betrachter sollen durch die Pfosten zum Nachdenken angeregt werden. Zum Nachdenken über den Wert der Alpwirtschaft und die Pflege sowie den Schutz der Natur. „Das Projekt ist nur eines von vielen, das jedes Jahr von der Landjugend umgesetzt wird“, weiß Martina Schindler, die seit November als Landesleiterin des Vereins fungiert.

Vor 40 Jahren hat für die nach Angaben der Verantwortlichen größte Jugendorganisation im ländlichen Raum in Vorarlberg die Geburtsstunde geschlagen. Vereinszweck war damals, die Ausbildung der Jungbauern und Bauerntöchter zu verbessern. Zudem haben die Verantwortlichen als Sprachrohr für die Interessen der Nachwuchs-Landwirte fungiert.

Heute hat die Organisation etwa 2800 Mitglieder. Und viele davon sind keine Bauern mehr. Über die Jahre haben sich die Vereins-Ziele geändert. Der Schutz der Natur, soziale Verantwortung sowie Kultur- und Brauchtumspflege stehen nun im Mittelpunkt. Aber auch die Weiterbildung nimmt immer noch einen wichtigen Stellenwert ein. Dabei geht es nicht mehr nur um bäuerliche Themen. Kurse in Sachen Rhetorik oder Persönlichkeitsentwicklung stehen ebenfalls auf der Agenda. Selbst ein Jugendaustausch beziehungsweise Praktika im Ausland werden organisiert. Zudem pflegen die Mitglieder Traditionen wie etwa Sonnwendfeuer oder Alp­abtriebe und veranstalten jedes Jahr den Landesbauernball.

Voneinander lernen

Bei der Weiterbildung stehen Seminare genauso auf dem Programm wie ein Redewettbewerb oder ein Wettkampf im Mähen mit der Handsense. Gleichzeitig soll natürlich die Geselligkeit nicht zu kurz kommen. Egal, ob beim jährlichen Skirennen oder bei den diversen Veranstaltungen, die die einzelnen Gebiets- und Ortsgruppen auf die Beine stellen – von Kegelabenden bis hin zu Erntedankfesten. „Ein wichtiger Punkt ist es, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf dem Land in ein Netzwerk einzubinden. Es werden neue Freundschaften geschlossen. Man lernt voneinander und unterstützt sich gegenseitig“, erklärt Schindler.

Die 21-Jährige aus St.Gallenkirch ist seit über vier Jahren Mitglied der Landjugend. Durch eine Freundin ist sie zum Verein gestoßen. „Sie hat mir davon erzählt und mich gefragt, ob ich nicht mitmachen will.“ Die Montafonerin wollte und war gleich mit vollem Eifer dabei. Half bei der Planung von Veranstaltungen oder nahm an Seminaren teil. Im November wurde sie schließlich in den Landesvorstand gewählt. Gemeinsam mit Obmann Bernhard Schrottenbaum aus Schruns lenkt sie seitdem die Geschicke des Vereins.

Aufgewachsen ist die junge Frau auf dem Bauernhof ihrer Großeltern, wo sie mit ihrer Mutter und ihrer Schwester gelebt hat. Und sie erinnert sich gerne an diese Zeit zurück. „Es gab zwar immer viel zu tun, aber die Arbeit wurde sehr oft in der Gemeinschaft erledigt. Das hat den Zusammenhalt gestärkt. Und wenn man dann etwa nach dem Heuen noch gemeinsam mit allen Helfern zu Abend gegessen hat, war das schon immer etwas Besonderes“, erzählt Schindler.

Heute hat sich ihr Bezug zur Landwirtschaft etwas verändert. Der großelterliche Bauernhof wurde aufgegeben. Und die 21-Jährige beschäftigt sich gemeinsam mit einer Freundin mit der Entwicklung und Produktion von Nischenprodukten der Landwirtschaft. Beruflich hat die Montafonerin einen anderen Weg eingeschlagen. Die HTL für Bautechnik hat sie absolviert. Vor allem der Werkstoff Holz hat die junge Frau fasziniert. „Mein Ehni war Zimmermann. Ich habe ihm oft bei der Arbeit zugeschaut und manchmal sogar mitgeholfen.“

Wissen vermitteln

Nicht zuletzt durch ihr Engagement bei der Landjugend hat sie jedoch nach ihrer Schullaufbahn eine noch größere Leidenschaft entdeckt: die Arbeit mit jungen Menschen. Darum besucht sie derzeit die Pädagogische Hochschule in Feldkirch, um später als Volksschullehrerin tätig zu sein. „Kindern Wissen zu vermitteln, ist eine schöne Aufgabe. Darauf freue ich mich. Und das, was ich während der Ausbildung lerne, kommt mir ja auch bei der Landjugend irgendwie zugute“, sagt die 21-Jährige und lacht.

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