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VS Ludesch

„Wir sind auf dem richtigen Weg“

Jahrgangsgemischte Klassen sind neben anderem das Ergebnis eines Schulentwicklungsprozesses an der Volksschule Ludesch – und die positiven Veränderungen sind spürbar.

Brigitte Kompatscher

W as sofort auffällt, ist die Ruhe und Gelassenheit, die in den Klassen herrscht. Vor allem deswegen, weil die Kinder hier nicht in parallelen Tischreihen mit Blick auf Tafel und Lehrerin sitzen, die alles unter Kontrolle hat, sondern in kleinen Gruppen oder auch einzeln arbeiten, teilweise auch am Gang. Jedes Kind scheint zu wissen, was es zu tun hat, die Lehrerin ist mal bei einem, dann bei einem anderen. Und es sind Kinder ganz verschiedenen Alters, die sich da in einem Raum aufhalten und lernen.

Vor einigen Jahren hat die Volksschule Ludesch in einer Reformklasse mit jahrgangsgemischtem Unterricht begonnen, erläutert Simone Kots, die seit 2009 Direktorin an der Schule ist. Rund 170 Schüler sind an der Schule, aufgeteilt auf acht Klassen. Von denen sind zwei Reformklassen mit jeweils vier Jahrgängen sowie drei jahrgangsgemischte Klassen der Grundstufe I, in denen sich Kinder von der Vorschule sowie 1. und 2. Klasse befinden. Weiters gibt es noch zwei 3. und eine 4. Klasse.

Und den Kleinen scheint die Jahrgangsdurchmischung zu gefallen. Erstklässler Felix, der in einer der Reformklassen ist, ist froh, „dass ich die großen Kinder fragen kann, wenn ich etwas nicht weiß“. Und Emily, seine zehnjährige Klassenkameradin, freut sich, wenn sie helfen kann. „Wenn die Kleinen zum Beispiel nicht mitkommen, kann ich gut helfen“, zählt sie einen der Vorteile dieser Form auf.

Weniger Probleme

Dann erzählt sie noch vom Klassenrat und der Wandzeitung. Auf Letzterer können alle Schüler Lob, Kritik und Probleme schreiben, die jeweils freitags besprochen und so gut wie möglich gelöst werden – von den Kindern selbst in ritualisierter Form, wobei sich die Lehrerin so weit als möglich zurückhält. Die Selbstständigkeit und Selbstverantwortung der Schüler stehen dabei im Mittelpunkt und werden gefördert und „seit wir das haben, gibt es auch weniger Probleme zwischen den Kindern“, sagt Kots.

„Die Kinder profitieren von diesem jahrgangsgemischten, offenen Unterricht“, ist Lehrerin Nina Nachbaur, die heuer ihr zweites Dienstjahr hat, überzeugt. „Es ist schön zu beobachten, wie die Kinder miteinander umgehen, einander helfen und so lernen.“ Dadurch, dass Kinder verschiedener Altersstufen in einer Klasse sind, seien auch die Übergänge in die nächste Schulstufe fließend, sagt sie, „und durch die vorbereitete Umgebung können wir uns wirklich den Kindern widmen“. Ganz oft habe man, während die anderen an ihren individuellen Aufgaben arbeiten, die Möglichkeit, sich mit einem einzigen Kind zu beschäftigen. „Dadurch spürt man natürlich auch besser, wie es dem Kind geht und baut eine ganz andere Beziehung dazu auf“, so die engagierte Junglehrerin.

Mit jahrgangsübergreifendem Unterricht hat die Lehrerin Nicole Nigsch ihre Laufbahn vor 15 Jahren begonnen. „In einer Kleinschule. Aber das war ganz anders.“ Den großen Vorteil in der jetzigen Form mit Materialien in einer vorbereiteten Umgebung sieht sie auch darin, dass die Kinder viel mehr lernen würden. „Wir bieten Material, geben Struktur und Hilfe, aber sie arbeiten in ihrem eigenen Tempo und Erklärungen von älteren Schülern können Erstklässler manchmal besser verstehen als unsere.“ Nachdem jedes Kind in seinem eigenen Bereich mit seiner eigenen Geschwindigkeit arbeiten könne, seien sie auch zufriedener. „Weil sie weder überfordert noch unterfordert sind. Beides frustriert.“ Und dass zufriedene Kinder besser lernen und das Zusammenleben und -arbeiten aller verbessern, kann wohl als Binsenweisheit gesehen werden.

Eine zusätzliche Qualität im Unterricht wird in Ludesch auch durch das sogenannte Teamteaching in der Grundstufe I erreicht. Dabei sind bis zu elf Stunden in der Woche jeweils zwei Lehrerinnen in der Klasse. In der Praxis heißt das, dass beide gemeinsam die Vorbereitung machen, beide Verantwortung übernehmen, erläutert Nigsch. Erst dadurch sei es eigentlich möglich, eine gute Qualität zu schaffen und die Kinder wirklich individuell zu förden: die Begabten zu fordern und die Schwächeren vorwärts zu bringen.

Zudem würde eine Zusammenarbeit etwa zwischen einer erfahrenen und einer jungen Lehrerin eine gute Ergänzung sein, dieses Zusammenspiel von zweien aber auch neue Impulse und Ideen liefern. „Und“, fügt Nigsch hinzu, „es macht einfach viel Freude so zu arbeiten. Ich gehe wirklich sehr gern arbeiten.“ Eine Begeisterung, die man ihr voll abnimmt.Und hier sagt die Direktorin zum ersten Mal das, was sie auch später noch einige Male wiederholen wird: „Das Ganze steht und fällt mit guten, engagierten Lehrerinnen, und ohne mein Team, das voll dahinter steht, geht gar nichts.“

Ein diesjähriges 3,4 Millionen schweres Volksschulpaket des Landes (die NEUE berichtete) ist auch in Ludesch angekommen. Hier wurden die zusätzlichen drei Stunden pro Woche ins Teamteaching inves­tiert. „Man merkt, dass an der Schule eine richtige Aufbruchstimmung ist“, sind sich Kots und Nigsch einig. Das hieße zwar noch lange nicht, dass alles perfekt sei, aber „wir sind auf dem richtigen Weg und die Kinder gehen mit“.

Druck fällt weg

Nicht nur die Kinder, auch die Eltern, wie die Obfrau des Elternvereins, Barbara Schneider, bestätigt. Ihre Tochter ist in einer 3. Klasse, ein Sohn ist Erstklässler in einer jahrgangsgemischten Klasse. Als befreiend findet sie zunächst schon mal, dass der Druck im Kindergarten wegfällt, das Kind so weit bringen zu müssen, dass es nicht in eine Vorschulklasse muss. Nachdem Vorschüler sowie Erst- und Zweitklässler in einer Klasse sind, werden die Übergänge fließend beziehungsweise „das Kind hat die Möglichkeit, in der Grundstufe im Schulverband zu bleiben“, so die Direktorin. In dem Sinn fällt auch ein „Sitzenbleiben“ viel weniger ins Gewicht.

„Und“, stellt die Eltern­vereins­obfrau weitere Vorteile des Konzepts in Ludesch fest, „der Bub hat dort weitermachen können, wo er steht, in seinem eigenen Tempo“. Und auf noch etwas weist sie hin: Die Erstklässler könnten sich die Zweitklässler als Vorbild nehmen. „Das ist einfacher für sie und sie werden dadurch schneller selbstständig.“ Da die Kleinen auch den Unterrichtsstoff der Größeren mitbekommen, würden dadurch Interesse und Ansporn geweckt. Und dieses Miteinander habe auch den Effekt, dass die Kinder vermehrt lernen würden, aufeinander Rücksicht zu nehmen, wirft Kots ein – das sogenannte soziale Lernen wird durch die Jahrgangsmischung sicher forciert.

Keine Noten mehr

Auch Noten gibt es in den altersgemischten Klassen in Ludesch nicht mehr – nur in der 4. müssen sie sein. Kots’ Bestrebungen gehen in Richtung einer kompetenzorientierten Beurteilung, in der Lernziele definiert und die Kinder in Bezug dazu gesetzt werden.

Insgesamt wurde an der Volksschule Ludesch ein Schulentwicklungsprozess gestartet, bei dem „das Kind im Mittelpunkt stehen muss“, resümiert die Direktorin, und „daraus entstehen auch neue Herausforderungen“. Durch das Volksschulpaket des Landes hat sie auch eine administrative Entlastung erfahren, sodass „ich mich auf meine eigentliche Arbeit, die Schulentwicklung, konzentrieren kann“.

Und da hat die Direktorin, die individualisierten Unterricht, soziales Lernen und Sprachförderung als die Schwerpunkte ihres Konzeptes sieht, noch einiges vor – in diesem Fall mit einer starken Rückendeckung von Lehrerinnen, Eltern und Gemeinde. Wobei Letztere sich auch finanziell stark einbringe, betont Simone Kots.

„Ohne mein Team geht gar nichts.“ Simone Kots, Direktorin der Volksschule Ludesch

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