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NEUE-serie – Teil 51

Kulturtour von Satteins nach Übersaxen

Die Geschichtenerzählerin Hertha Glück kennt interessante Wege und Stege im Ländle. Auch Geschichten kann sie dazu erzählen. Heute empfiehlt sie eine Wanderung von Satteins nach Übersaxen und wieder zurück.

Es lohnt sich, die Wanderung zu Beginn von Satteins zu starten, da sich der Wanderer so einen guten Eindruck von Satteins und seinen Sehenswürdigkeiten verschaffen kann. Gegenüber dem Adeg steht etwas nach hinten versetzt die größte denkmalgeschützte Tanzlaube Vorarlbergs. Manchmal säuselt der Wind durch die restlichen Kas­tanienblätter und man hat das Gefühl, es sind die ersten Töne einer Tanzmusik. Besonders wenn dann noch der Blick zu den wunderschönen Verzierungen gewendet wird, vermeint man, eine unglaubliche Leichtigkeit zu verspüren. Und so leicht führt auch der Weg weiter hin zur Kirche, links an der Kirchenmauer vorbei und in der Kurve den leichten Anstieg hinauf. Immer weiter auf der Schwarzhornstraße bis zum „Burg-Hof“.

Wenn man die Ruine Schwarzenhorn besichtigen will, kann man hier über den Bauernhof gehen, zwischen den Gebäuden hindurch und den Hang hinauf. Die Burg­ruine wird im Moment restauriert und gibt einen guten Ausblick über Satteins und weit in den Walgau.

Siebenschläfer entdeckt

Gegründet durch die Grafen von Montfort-Feldkirch in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, verlor die Burg bereits nach wenigen Jahrzehnten an Bedeutung zugunsten der Fes­tung Jagdberg im nahe gelegenen Schlins.

Hertha Glück erzählt: „Ein Burgenfreund aus Satteins hat mir zur Ruine Schwarzenhorn eine interessante Begebenheit erzählt: Bei Restaurierungsarbeiten wurde eine Siebenschläferfamilie in ihrer Burgbehausung entdeckt und an einen anderen Platz ausquartiert. Ich kann mir gut vorstellen, dass die nachtaktiven Nagetiere sich schon Sieben von Schläfer genannt haben, immerhin haben sie auf einer Burg gelebt.“

Wieder beim Burg-Hof angelangt, übernimmt der Gulmweg die Führung. Noch ein kurzer Anstieg ist zu überwinden und an der Brücke „Beim Bild“ über den Pfudidätschbach/Pfudidetschbach rückt ein weiteres Denkmal in den Blick: die sehr gepflegte Lourdeskapelle mit einer Bank zum Ausruhen.

Die Lourdeskapelle

In Satteins wird die Kapelle auch „s’ Bildle“ genannt. Vermutlich wegen eines Ölgemäldes mit den 14 Nothelfern. Die Lourdeskapelle wurde 1893 errichtet. Über deren Entstehung ist wenig bekannt. Erinnert wird an die Erscheinung Marias in Lourdes.

Jetzt wird ordentlich in Richtung Übersaxen ausgeschritten. Gleich nach der Straßenkurve führt eine Forststraße rechts hin zum Alten Weg nach Übersaxen. In der Vorfreude auf ein historisches Überbleibsel wird die Forststraße überwunden und links in den Hohlweg eingebogen. Dieser Hohlweg war lange ein Holz-Heu- und Tierweg. Wenn die Tiere auf die Alpe getrieben wurden, benützten die Bauern liebend gerne so einen Hohlweg, um das Vieh mit Wacholdersträuchern auszuräuchern. Damit es das Ungeziefer verlieren und an Segen auf der Alpe gewinnen sollte.

Mit der weiß-rot-weißen Markierung steigt der Alte Weg stetig an. Moosbewachsene Steine, Baumstümpfe und Wegkreuze sind eine Wegzierde. Beim ersten Waldfenster grüßen die schneebehangenen Bergspitzen: Drei Schwestern, Gurtisspitze, Gulm, Mondspitze, Schillerkopf und viele mehr. Bei Gasunas Amasboda steht der Wanderer schon auf 700 Höhenmetern und die Übersaxner Kirche liegt auf 899 Höhenmetern, nicht mehr weit. Weiter führt der Alte Weg bergan durch gepflegte Landschaften, mit Heubargen, Ferienhäuschen und Bächen.

Stechlaub und Sträucher

Beim zweiten Waldfenster grüßen auch die Schweizer Berge. Am Waldsaum lässt sich selbst ein Übergang zur Straße finden. Flach und gemütlich gestaltet sich nun die Wanderung. Gleich nach der Linkskurve zweigt es links ab in den Alten Glathweg. Unzähliges Stechlaub und Sträucher bereichern den Wald.

Am Waldrand erwartet wieder ein Forstweg den Wanderer und führt ihn sicher in etwa 20 Minuten nach Übersaxen. Wieder eine andere interessante Gegend und andere Aus- und Einblicke. Bestimmt wird nun ordentlich geruht, bevor der Rückweg in Angriff genommen wird. Der gleiche Weg zurück bis zum Glathwald und hier darf nun gewählt werden: links denselben Weg zurück, mit einer anderen Perspektive, oder rechts auf der Straße gemütlich nach Spiegelstein/Satteins geschlängelt.

Also rechts auf der Straße nach unten und nach der Kurve mit dem großen Holzstoß lockt eine Abkürzung durch den Wald links ab. Angelangt bei den drei Eichen, die jetzt leider nicht mehr stehen, soll der Weg in Richtung Vatlära/Satteins gewählt werden. Gemächlich verliert man an Höhe, die Füße treten sicher auf und die Blicke können schweifen.

Wie ein Bild

Bei Glathwald geht es geradeaus und bei Gäfnermähdle überrascht ein fantastischer Blick: Im Vordergrund stehen die braunen Heubargen, dahinter die grünen Wälder, gefolgt von grau-weißen Schatten und hoch aufragend die schneeweißen Bergspitzen: Hoher Fraßen, Gamsfreiheit, Hochjoch – wie ein gemaltes Bild. Ein paar Schritte weiter zeigen sich die Dörfer Satteins und Nenzing. Der Außerbergweg bringt die Wanderer zur nächs­ten entscheidenden Stelle. Bei der Fahrverbotstafel kann wieder entschieden werden: Links geht es wieder einen Teil vom Alten Weg abwärts, kürzer und schneller. Oder rechts auf der Straße bleibend, länger und knieschonender. Auf alle Fälle sind beide Wege interessant und zielführend, sie stoßen bei der Lourdeskapelle wieder zusammen.

Da ist der Rückweg entlang den liebevoll gepflegten Häusern und Brunnen wieder bekannt. Satteins liegt auf der Sonnenseite des Walgaus, am Fuße des Walserkamms. Das Gemeindegebiet war nach der Überlieferung infolge der geo­grafischen und klimatischen Lage bereits vor Christi Geburt besiedelt worden.

Information

Anforderung und Gehzeit: Eine Wanderung vorbei an Kulturstätten und auf alten Wegen. In drei Stunden werden 404 Höhenmeter im Auf- und 404 Höhenmeter im Abstieg bewältigt.

Charakter der Wege: Forstwege, geteerte Straße, Wald- und Wiesenwege, bei wenig Schnee sowie im Frühling, Sommer und Herbst zu empfehlen.

Natur und Kultur: Tanzlaube, Ruine Schwarzenhorn, Lourdeskapelle

Anziehen und Mitnehmen: knöchelhohe Wanderschuhe (Profilsohle), wetterfeste Kleidung, Wanderstöcke empfohlen, Sonnen-/Schneeschutz.

Einkehrmöglichkeiten: Satteins, Übersaxen

Start und Ende: Satteins bei der Bushaltestelle „Alte Schlinser Straße“

Sage rund um die Tour

Die Burgherren in Vorarlberg hätten von den Bauern durchwegs hohe Abgaben verlangt, am gnädigsten seien noch die Herren von Schwarzenhorn gewesen, wird erzählt. Andererseits aber hätten diese zwischen Mein und Dein nicht immer so genau unterschieden (das heißt, sie haben fremdes Gut behalten oder entwendet). Und so sei es gekommen, dass sie aus Satteins fliehen mussten. Die Bauern aber wären ihnen bei der Flucht behilflich gewesen: Die Flüch­tenden hätten ihren Pferden die Hufeisen umgekehrt aufgenagelt, um über die Fluchtrichtung zu täuschen. So haben die Verfolger gemeint, sie seien dorthin geflüchtet, dabei hatten sie sich in die andere Richtung gerettet. Übrigens hätte es im Keller der Burg zeitweilig gespukt, so wird es jedenfalls berichtet.

Quellen: Informationen vom Bundesdenkmalamt Österreich, Steinerne Zeitzeugen, Dieth Kulturverlag

Ist es Mein oder Dein?

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