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Jägerlatein

Keine Ehre ohne Ehrenamt?

Eine in Vorarlberg gepflegte Sitte ist jene der „Neujahrsempfänge“, die ländleauf, ländleab von Gemeinden, Kammern oder Verbänden veranstaltet werden. Und in denen alljährlich in etwa dasselbe gesagt und getan wird. Das mit Abstand am häufigsten verwendete Wort bei diesen Empfängen ist „Danke“, welches man gefühlte 100 Mal pro Veranstaltung hört. Menschen, die mehrere Neujahrsempfänge besuchen (müssen) – so gleicht für Mitglieder der Landesregierung der Neujahrsempfangs-Parcours einem Staffellauf – aber wohl tausendfach vernehmen. Dieser Dank gilt vor allem zwei Gruppen: Zum einen jenen Menschen, die die Infrastruktur des jeweiligen Veranstalters aufrechterhalten – also Mitarbeiter, öffentliche Dienste wie die Exekutive oder, im Fall von Vereinen, auch Sponsoren –, zum anderen der einzigen sakrosankten Spezies unseres Landes: den Ehrenamtlichen. Jetzt will ich darüber gar nicht lästern, denn ehrenamtliches Engagement ist sicher etwas Außergewöhnliches und selbst wenn es einen Tag geben sollte, in dem keine Lobeshymne über das Ehrenamt in den heimischen Medien zu lesen ist, ist mir dieses (fairerweise in Form der Feuerwehr oder der Wasserrettung deutlich mehr als etwa der Bienenzuchtverein) durchaus gegenwärtig und nicht die geringste sarkas­tische Bemerkung entgleitet meinen Lippen oder gar der Tastatur.

Meine (Selbst)Zweifel liegen woanders: Warum fühlt sich ein Mensch ohne Ehrenamt (wobei mir der Wortbestandteil „Ehre“ deutlich sympathischer ist als „Amt“) in diesem Land so zweitklassig? Da versuchen nun ich und wohl auch viele andere ein Leben zu führen, das niemandem schadet und der eigenen Person und dem unmittelbaren Umfeld nützt und bestenfalls sogar gut tut. In erster Linie ist dies natürlich Geldbeschaffung, was schwierig genug und meist auch kein Amt ist, aber doch nicht völlig ehrlos. Dieses will man dann – so was überbleibt – ausgeben, was zwar keine Heiligsprechung verdient, aber auch keinen Verweis. Man ist also ein funktionierender Teil der Gesellschaft. Und dennoch: Kein Wort des Dankes, nicht einmal ein Schulterklopfen; im Gegenteil: Ämter (natürlich nicht die der Ehre) und Institutionen stehen mit gröberen Waffen als einem erhobenen Zeigefinger unmittelbar hinter einem. Angenehm ist das nicht. Politiker und andere Meinungsmacher würden sich ja kaum den Mund verbrennen, auch uns einmal ein Wort des Dankes – für den Erhalt des Systems abseits kostenloser Zusatzleistungen – zukommen zu lassen. Und auch wenn der Erhalt des Toni-Russ-Preises nicht jedermans Lebensziel ist: Tausendfach soll und darf man den Ehrenamtlichen danken; aber seid bitte so lieb und lasst die, die keines inne haben, bei so einem Event einmal wissen, dass sie auch ganz o.k. sind. Oder?

Raimund Tschako Jäger

Hinweis: Der Inhalt dieser Kolumne muss nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

raimund.jaeger@russmedia.com

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