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Vorarlberger der Woche

Abschied in die Polit-Pension

Norbert Mähr (65) hat am Dienstag sein Bürgermeister-Amt in Röthis abgegeben. 18 Jahre lang hat er die Gemeinde in führender Position ­mitgestaltet.

Michael Steinlechner

Ein neuer Lebensabschnitt hat in dieser Woche für Norbert Mähr begonnen. Seit 1995 war er Bürgermeister in Röthis. Am vergangenen Dienstag hat er das Amt seinem Nachfolger übergeben. 34 Jahre war der 65-Jährige insgesamt in der Röthner Kommunalpolitik aktiv. Erst als Gemeindevertreter und Mitglied verschiedener Ausschüsse, später schließlich als Bürgermeister. Dabei ist er 1980 eher durch Zufall in die Politik gekommen. Bei der Vorwahl erreichte er einen beachtlichen Stimmanteil und landete so auf der überparteilichen Einheitsliste für die Gemeindevertretungswahl. Ein Ergebnis, von dem Mähr, der eigentlich aus Altenstadt stammt, überrascht worden ist. „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass mich so viele Menschen in Röthis kennen. Schließlich hatten meine Frau Maria und ich erst vor Kurzem unser Eigenheim gebaut. Allerdings stammt sie von hier und ihr Vater Jakob Keckeis war nach dem Krieg mehrere Jahre lang Bürgermeister. Oder vielleicht hat mein Engagement im Pfarrkirchenrat eine Rolle gespielt“, erzählt er und schmunzelt.

An eine Polit-Karriere hatte der Bauingenieur bis dahin nie gedacht, aber er nahm die Herausforderung an und zog als Mandatar in die Gemeindevertretung ein. Und er hatte Freude daran, die Politik in der Ortschaft mitzugestalten. 1995 schließlich begab sich der damalige Bürgermeister Gerold Keckeis auf die Suche nach einem Nachfolger. „Er ist dabei unter anderem auf mich zugekommen. Ich habe jedoch abgelehnt“, erinnert sich Mähr, der zu dieser Zeit für ein Bauunternehmen arbeitete und samstags nebenberuflich an der HTL in Rankweil unterrichtete. Zudem hatte Gattin Maria ihm davon abgeraten, das Amt zu übernehmen. „Sie wusste noch von ihrem Vater, wie viel Arbeit es ist, die Verantwortung für eine Gemeinde zu tragen.“ Doch je länger die Suche nach einem neuen Bürgermeister dauerte, umso mehr reizte den Röthner die Aufgabe.

„Eine gute Lösung“

Also entschloss sich der Bauingenieur seine Karriere neu zu ordnen: Den Job in der Privatwirtschaft gab er auf und nahm stattdessen eine 50-prozentige Lehrverpflichtung an der HTL Rankweil an. Die andere Hälfte seiner Arbeitszeit widmete er den Amtsgeschäften in seiner Heimatgemeinde. „Das war für alle Beteiligten eine gute Lösung. Und auch meine Frau hat mich dabei unterstützt. Ohne die Hilfe und das Verständnis meiner Familie wäre es nicht gegangen.“ Denn sein neuer Job nahm einen großen Teil seiner Zeit in Anspruch. Selbst bei Spaziergängen mit seiner Gattin fiel es dem Gemeindeoberhaupt nicht immer leicht, abzuschalten. „Wenn ich eine defekte Straßenlaterne oder einen kaputten Kanaldeckel entdeckt habe, habe ich schon manchmal meinen Notizblock gezückt und mir das aufgeschrieben“, erzählt Mähr. Zugute kam ihm damals, dass Handys oder gar Smartphones noch fast gänzlich unbekannt waren und er dadurch nicht permanent erreichbar war. Noch nicht einmal einen Computer hatte er beim Amtsantritt in seinem Büro. Sein Vorgänger war ohne einen Rechner ausgekommen.

Die weitere Entwicklung im Bereich der mobilen Kommunikation war aus Mährs Sicht Fluch und Segen zugleich. „Auf der einen Seite muss man aufpassen, wenn man permanent erreichbar ist. Da artet die Arbeit schnell in Stress aus. Gleichzeitig ist es hilfreich, wenn man etwa auf dem Smartphone seine E-Mails abrufen kann. Da können Probleme gelöst werden, selbst wenn man gerade nicht im Büro ist.“

Projekte umgesetzt

Froh ist der Alt-Bürgermeister, dass während seiner Amtszeit vor allem Sachpolitik betrieben worden ist. Die Umsetzung von Projekten wie etwa der Ausbau des Altenheims zum „VorderlandHus“, der Neubau des Kindergartens, die Errichtung des Musikhauses oder die Entwicklung des Betriebsgebietes Interpark Fokus wurden dadurch ermöglicht. Der Wahlmodus in der Gemeinde mit zum Teil lediglich einer Einheitsliste sei dabei sicher ein Vorteil gewesen. Der 65-Jährige macht jedoch keinen Hehl daraus, dass er Mitglied der ÖVP ist. Allerdings erst seit er 1995 zum Ortschef gewählt worden ist. „Ich wurde damals gefragt, ob ich der Partei nun als Bürgermeister nicht vielleicht doch beitreten möchte. Und nach reiflicher Überlegung habe ich dann zugesagt.“ Zum einen natürlich, weil er seine eigenen Werte zu einem Großteil im Programm der Volkspartei wiederfand. Zum anderen aber auch aus praktischen Gründen. „Österreich ist nun einmal ein Parteienstaat. Und als Bürgermeister ist es hilfreich, wenn man auf die Unterstützung einer größeren Gruppierung bauen kann“, meint der 65-Jährige.

Austausch mit Jugendlichen

Dennoch ist parteipolitisches Geplänkel nicht seine Sache. „Viele Menschen, die sich gerne engagieren würden und einen wertvollen Beitrag leisten könnten, werden dadurch abgeschreckt.“ In diesem Zusammenhang schätzt der Bauingenieur vor allem den Kontakt mit den Jugendlichen an seiner Schule. Denn von ihnen bekommt er ebenfalls des Öfteren negative Rückmeldungen über das politische Geschehen zu hören. „Und dann ist es wichtig, ihnen zuzuhören und mit ihnen zu sprechen. Man muss nicht immer einer Meinung sein. Doch hilft es, wenn man seine Standpunkte austauscht.“

Noch bis Sommer wird Mähr an der HTL Rankweil unterrichten. Dann wird er seine Schullaufbahn beenden. Unter seine politische Laufbahn hat er bereits in dieser Woche einen Schlussstrich gezogen. „Mein Nachfolger Roman Kopf soll freie Bahn haben. Natürlich kann er mich anrufen, wenn er Fragen hat. Er kennt meine Telefonnummer und weiß, wo ich wohne“, sagt der Alt-Bürgermeister und lacht.

Ganz aus dem Berufsleben zurückziehen wird er sich im Sommer jedoch nicht. Noch bis 2019 gilt seine Zulassung als allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger. „Und solange mein Hirn mitmacht, werde ich noch Aufträge für Gutachten annehmen. Ich will schließlich geistig am Ball bleiben. Aber natürlich ist es schön, dass ich künftig mehr Freizeit haben werde.“ Und diese wird er zum Skifahren und für die Beschäftigung mit seinen Enkelkindern nutzen. Und natürlich wird er weiterhin mit seiner Ehefrau spazieren gehen – allerdings ohne Notizblock in der Hemdtasche.

„Man muss nicht immer einer ­Meinung sein.“ Norbert Mähr, Alt-Bürgermeister der Gemeinde Röthis

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