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Intersky-Mutter will Cityjet kaufen

Intersky-Miteigentümer Hans Rudolf Wöhrl will Synergien zwischen den beiden Regional-Fluggesellschaften nutzen.

Susanne Schulz

Der Multiunternehmer Hans Rudolf Wöhrl hat ein Kaufangebot für die irische Regionalfluglinie Cityjet unterbreitet. Eine Fusion mit der in Friedrichshafen stationierten Intersky sei allerdings nicht geplant, äußerte Wöhrl gegenüber der Schwäbischen Zeitung. In verschiedenen Medien wurde zuvor gemutmaßt, Wöhrl strebe eine Vereinigung an.

„Natürlich wollen wir Synergien schöpfen, aber von einer Fusion war niemals die Rede, eine solche wäre aus heutiger Sicht auch gar nicht sinnvoll“, schrieb Wöhrl auf Anfrage in einer E-Mail. „Das hängt sowohl mit den vollkommen unterschiedlichen Programmen als auch mit der unterschiedlichen Gesellschafterstruktur zusammen.“ Über den Kaufpreis äußerte er sich nicht.

Wöhrl hat die Bregenzer Fluglinie Intersky mit Heimatflughafen Friedrichshafen am Bodensee im Februar 2012 mit seiner Investmentfirma Intro Aviation GmbH zu knapp 75 Prozent übernommen. Die restlichen gut 25 Prozent gehören den vorherigen Alleineigentümern Renate Moser und Rolf Seewald. Seither gelang es dem Unternehmer, Intersky wieder halbwegs profitabel zu machen. Dennoch strauchelt der Regionalflieger weiterhin. Erst im November 2013 wurde bekannt, dass die etwa 200 Intersky-Mitarbeiter ihr Weihnachtsgeld nur in Raten bis März 2014 ausgezahlt bekommen. Der Grund: Einige der 2013 neu eröffneten Strecken haben sich deutlich weniger profitabel entwickelt als ge­plant.

Verantwortlich macht Wöhrl dafür vor allem die Lufthansa mit ihren Töchtern Germanwings und Swiss. Beispiel Flugstrecke Hamburg–Karlsruhe/Baden. Hier habe Intersky 2013 eine Verbindung mit drei täglichen Flügen aufgebaut. Ab Sommer 2014 habe man aus der Verbindung schwarze Zahlen erwartet. Doch jetzt plane Germanwings plötzlich, die gleiche Strecke ab Sommer 2014 mit zwei täglichen Flügen zu bedienen.

Die Wunden lecken

„Bringen wir es auf den Punkt“, schreibt Wöhrl, „Intersky muss sich zurückziehen und die Wunden lecken! Das Ergebnis aber ist absehbar.“ Die Strecke lasse sich mit einem Jet und nur zwei täglichen Verbindungen wohl kaum wirtschaftlich betreiben. Germanwings werde früher oder später das Gleiche tun wie einst bei Köln–Friedrichshafen. „Auf dieser für Intersky sehr ertragreichen Strecke ist überraschend Germanwings mit zwei täglichen Verbindungen eingestiegen, hat diese dann aber auf eine reduziert, nachdem sich Intersky zurückgezogen hatte.“

Der nächste Schritt sei für die Lufthansa-Tochter auch in dem aktuellen Fall leicht: Derart beseitigte regionale Direktverbindungen wie im genannten Beispiel werden dann über große Flugverkehrs-Drehkreuze wie Frankfurt umgeleitet.

Ebenso sei es mit den teuer eingerichteten Zürich-Verbindungen nach Graz und Salzburg im vergangenen Jahr verlaufen. Da sei eine Kooperation mit der Lufthansa-Tochter Swiss mündlich vereinbart worden. Intersky habe nach der „gebrochenen Zusage von Swiss auf den Zürich-Strecken extreme Einnahmeverluste im Sommer 2013“ hinnehmen müssen, erklärte der durch die Sanierung der Fluggesellschaften LTU und Deutsche BA bekannt gewordene Unternehmer. Für Intersky seien die Streckenverluste „Tiefschläge“ gewesen, die „überall zu befürchten“ seien. Daher werde sich „die Geschäftsführung kaum noch an neue Strecken in die Region heranwagen“, meinte Wöhrl weiter. „Das ist auch der Grund, das Cityjet-Programm in den Fokus unserer Arbeit zu stellen, denn die hat wenigstens in London-City eine dominante Marktposition.“

Kauf als Kampfansage

Der Kauf von Cityjet ist also Wöhrls Kampfansage an die großen Fluggesellschaften, die mit der Verdrängungsmethode seiner Meinung nach den regionalen Flugverkehr kleinerer Unternehmen systematisch zerstören wollen.

Wie dieser Kampf aussehen soll, ist noch unklar. Die Wirtschaftswoche berichtete in ihrer aktuellen Ausgabe, Wöhrl wolle Cityjet mit Intersky vereinigen und zitierte den Unternehmer wie folgt: „Dabei geht es darum, beide zu einer neuen, in ganz Europa aktiven Regionallinie zu machen, die groß genug ist, um nicht von den Großen wie Lufthansa verdrängt zu werden.“

Doch das sei „spekulativ“, meinte Wöhrl nun in seiner E-Mail an die Schwäbische Zeitung. Die „Hebung von Synergien“ zwischen der Air-France-KLM-Tochter Cityjet und Intersky müsse „nicht in Form einer Kooperation“ geschehen, sondern könne auch „einzelvertraglich geregelt werden“, wie beispielsweise im Bereich IT oder beim Einkauf.

„ Von einer ­Fusion war niemals die Rede. “ Hans Rudolf Wöhrl, Miteigentümer von Intersky

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