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Ein gemeuchelter Wolf

Südlich des Bodensees ist eines der seltenen Raubtiere erschossen worden.

Der Schütze ist zum Gejagten geworden: Im Bündnerland bei Chur und in den benachbarten Tälern des Kantons St. Gallen hängen Tierschützer dieser Tage martialische Fahndungsplakate auf. Gesucht wird eine Person, die zum Jahreswechsel einen jungen Wolfsrüden erlegt hat. Tatort: das südliche Calanda-Massiv, etwa 70 Kilometer Luftlinie vom östlichen Bodensee. Die Belohnung für die Ergreifung des unbekannten Schützen beträgt umgerechnet rund 8000 Euro. Ausgelobt wurde sie von der Gruppe Wolf Schweiz. Ihre Aktivisten sind empört, reden von einem „unglaublichen Verbrechen“. Immerhin betonen sie, dass es ihnen nicht um eine persönliche Abrechnung mit dem Täter geht. Hinweise sollen an die Behörden weitergegeben werden.

Qualvoll verendet

Was ist aber überhaupt geschehen? Am 3. Jänner haben Forstbeamte den Kadaver eines Wolfs gefunden. Die dortige Gegend gilt als Lieblingsaufenthaltsplatz dieser Raubtiere, seit sie 2012 vom Wallis her zugewandert sind. Am Anfang stand ein Pärchen. In der Zwischenzeit ist daraus ein zehn- bis zwölfköpfiges Wolfsrudel geworden. Der geschossene Rüde war offenbar Teil dieses Rudels. Laut Experten des Graubündener Amtes für Jagd und Fischerei war er nicht sofort tot: Das Tier sei qualvoll verendet.

Auch in der Schweiz ist das unerlaubte Erlegen eines Wolfes eine Straftat. Die Tiere sind streng geschützt. Entsprechend haben die Bündner Behörden Strafanzeige erstattet. Ausnahmen vom Erlegungsverbot gibt es nur, wenn Wölfe in größerem Stil auf Bergweiden einfallen, dort beispielsweise Schafe reißen und die Alpwirtschaft bedrohen.

Abschuss genehmigt

So ist vergangenen Sommer im Wallis erneut der Abschuss eines Wolfes genehmigt worden. Allerdings haben immer die Bundesbehörden in Bern das letzte Wort. Aus der Calanda hat es aber bisher noch nie Nachrichten gegeben, dass sich Wölfe dort über die Maßen an Schafen vergreifen würden.

Lässt sich ein Biss nachweisen, bekommen die Schafzüchter eine Entschädigung. In ihren Kreisen ist jedoch der bürokratische Papierkrieg für einen entsprechenden Antrag gefürchtet. Zudem beklagen sie den Aufwand für Schutzmaßnahmen gegen Wolfsangriffe: etwa besonders starke Zäune und die Anschaffung von Herdenschutzhunden. Zwar gibt auch hierfür der Staat Geld – aber nicht genug, wie Schafzüchter meinen. Sie gehören also eher nicht zu den Wolfsfreunden. Ebenso wenig ist die Jägerschaft von der Anwesenheit des Raubtiers begeistert. Seit es in der Calanda jagt, sehen die Weidmänner immer seltener Wild. Insgesamt gesehen verhalten sich die Rehe, Hirsche, Gämsen oder Steinböcke aber weitaus heimlicher als früher. Sie bleiben in Deckung. Das heißt, die Jäger kommen nicht so häufig zum Schuss.

Damit sind zwei Gruppen genannt, die ein Interesse am Verschwinden von Wölfen haben könnten. Ein dritter Kreis findet sich unter den Bewohnern der Dörfer am Fuß der Calanda.

In den verdächtigen Personenkreisen machen indes diverse Verschwörungstheorien die Runde. Dort heißt es, Tierschützer könnten selber den Finger am Abzug gehabt haben, um so Stimmung gegen Wolfsgegner zu machen. Genug Schusswaffen würden schließlich in der Schweiz exis-
tieren.

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